Kleine Züge, große Pötte, skurrile Szenen und ganz viel Liebe zum Detail: Das Hamburger Miniatur Wunderland begeistert Groß und Klein und ist nicht ohne Grund die beliebteste Sehenswürdigkeit im Norden. Eine Weltreise en miniature.

Am Anfang war es der verrückte Traum zweier Brüder. Um die Jahrtausendwende hatten die Wunderwelt-Macher Gerrit und Frederik Braun die Idee, die größte Modelleisenbahn der Welt zu bauen. Knapp zwei Jahrzehnte später ist die nicht nur längst Realität, sondern auch äußerst beliebt.

Das Miniatur Wunderland in der Hamburger Speicherstadt fasziniert jedes Jahr hunderttausende von Besuchern aus aller Welt. Allein 2017 waren es 1,4 Millionen. Woher genau die kommen, dokumentiert die große Anzeigetafel am Eingang. Sogar aus dem Vatikan waren schon Gäste da – wahrscheinlich um zu überprüfen, ob beim Miniaturnachbau vom Petersdom auch wirklich alles passt.

Von außen ist das Miniatur Wunderland Hamburg in der Speicherstadt fast etwas unscheinbar
Von außen ist das Miniatur Wunderland Hamburg in der Speicherstadt fast etwas unscheinbar

Eines wird schon im Eingangsbereich ziemlich schnell klar: Mit dem angestaubten und langweiligen Image der klassischen Modelleisenbahn hat das hier rein gar nichts zu tun. Was sich in dem von außen fast unscheinbaren Lagerhaus versteckt, begeistert Kinder genauso wie Erwachsene und lässt kaum einen Besucher unbeeindruckt zurück. Aber der Reihe nach…

Nachts im Miniatur Wunderland

Es ist Freitagabend und langsam wird es leerer in der Ausstellung. Wir schnappen uns am Eingang den „Reiseführer“ und begeben uns auf Entdeckungstour durch die Welt en miniature. Ein bis zweimal im Monat lassen die Macher die Besucher zu später Stunde durch Knuffingen & Co. streifen und geben Einblicke hinter die Kulissen. „Nachts im Wunderland“ heißt die Veranstaltung. Wie funktioniert das hier eigentlich alles? Wer verlegt die ganzen Gleise? Und wo kommen all die Ideen her? Ein großer Teil dieser Fragen wird an diesem Abend beantwortet werden.

Dass einiges an Arbeit in dieser kleinen Welt steckt, zeigt schon der Blick auf die Zahlen. Über 1.300 Züge sind auf den etwa 2.300 Quadratmetern unterwegs. 64 Computer sorgen dafür, dass sie alle im richtigen Takt fahren. Mehr als 400.000 Figuren sind mittlerweile verbaut und über eine halbe Million Lichter schaffen die ganz besondere Stimmung. Denn genau wie draußen wechseln sich auch im Miniatur Wunderland Tag und Nacht ab. Alle 15 Minuten setzt die Dämmerung ein. Und dann glitzert Las Vegas zum Beispiel fast noch bunter als im Original.

Tatsächlich lässt sich im Miniatur Wunderland mittlerweile schon ein guter Teil der Welt in klein bereisen. Nachdem 2001 mit Österreich und Mitteldeutschland alles begonnen hatte, sind inzwischen auch Teile der USA, Skandinavien, die Schweiz und als neuestes Highlight Italien samt Venedig zu bestaunen. Monaco und England sind als nächste Bauabschnitte geplant. Und natürlich darf auch Hamburg mit der Elbphilharmonie, dem Michel oder den Landungsbrücken nicht fehlen.

Faszination Technik in der Miniwelt

Wir stehen inzwischen vor einer kleinen Tür, die direkt in die Welt unter den Schweizer Bergen führt – einer der Einblicke hinter die Kulissen. Das Miniatur Wunderland erstreckt sich mittlerweile über zwei Etagen und hier in der Schweiz fahren die Züge für den Besucher normalerweise unsichtbar von oben nach unten. Was dafür alles an Überlegungen und Planungen nötig war, hier unten wird es sichtbar. Immerhin ist die Ausstellung so weiter die größte Modelleisenbahnanlage der Welt und hat es damit bis ins Guinessbuch der Rekorde geschafft.

Von solchen Herausforderungen fühlen sich die Wunderwelterfinder immer wieder angespornt und tüfteln teilweise über Jahre Ideen aus, wie sie zum Beispiel die Flugzeuge am Knuffingen Airport zum Fliegen bringen. Auch dafür gibt es längst eine Lösung, so dass du heute an dem Miniaturflughafen Starts und Landungen verfolgen kannst. Welche Maschine wohin unterwegs ist, zeigt die minutengenaue Abflugtafel.

Und auch sonst liefert die Miniaturwelt einige technische und logistische Herausforderungen. So wird es zum Beispiel spannend, wenn es in Knuffingen brennt und dutzende von Feuerwehren zum Löschen ausrücken. Dass es da nicht mal zu einem Unfall kommt, ist der ausgeklügelten Technik im Hintergrund zu verdanken. Die großen Kreuzfahrtschiffe in Skandinavien fahren aktuell noch manuell gesteuert über das echte Wasser, aber auch dafür fällt den Wunderwelt-Tüftlern sicher noch eine digitale Steuerung ein.

Große Liebe zum kleinen Detail

Dass Eisenbahn- und Technikfans im Miniatur Wunderland das Herz aufgeht, steht also außer Frage. Aber auch wenn dich die kleinen Züge eigentlich nur ganz am Rande interessieren, lohnt sich der Besuch. Tatsächlich sind es die oft versteckten kleinen Details, die mich total begeistert haben. Es lohnt sich wirklich, genau hinzuschauen. Die Macher denken sich immer wieder neue lustige Szenen aus und überraschen aufmerksame Besucher mit den versteckten Highlights.

Da sitzt dann ein Pinguin in der Badewanne, wird für die „Rente mit 30“ demonstriert oder unterhalb der Schrebergartensiedlung Hanf angebaut. Nebenan ist E.T. mit dem Fahrrad unterwegs, sitzt irgendwo Charly Chaplin auf der Bank, stemmt Pipi Langstrumpf den Kleinen Onkel in die Höhe oder sind die Ghostbusters auf Geisterjagd. Wenn du genau hinschaust, wird dir sicherlich auch das knutschende Pärchen im Sonnenblumenfeld begegnen, der Polizeieinsatz nach dem Fund einer Wasserleiche oder du wirst beobachten, wie sich die Fahrer der Oldtimer Rallye Mille Miglia ihren Weg durch eine Schafherde bahnen.

Und auch den ganz normalen Alltag gibt es im Miniatur Wunderland. Da wird die Wäsche aufgehängt, mit Freunden gegrillt, am See relaxt, der frische Fisch direkt am Hafen verkauft und dort sitzt das alte Liebespaar immer noch verliebt auf der Bank vor dem Haus.

Miniaturwelt zum Mitmachen

Das tolle am Miniatur Wunderland ist aber auch: Diese Welt in klein ist nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Mitmachen gedacht. Über 200 Knopfdruckaktionen verstecken sich deshalb innerhalb der Ausstellung. Wenn du einen dieser Knöpfe drückst, kannst du beispielsweise die Aufführung von „Romeo und Julia“ im Freilufttheater starten, dafür sorgen, dass im Volksparkstadion das nächste Tor fällt oder in der Elbphilharmonie das Licht angeht.

Ein Knopf ist bei großen und kleinen Gästen ganz besonders beliebt: Im Nachbau einer Lindt-Schokoladenfabrik kannst du zuschauen, wie eine kleine Tafel Schokolade produziert wird und die am Ende sogar selbst probieren. Die Fabrik ist auch ein Beispiel dafür, wie geschickt die Wunderland-Macher ihre Sponsoren einbinden, um die Ausstellung weiter komplett selbst finanzieren zu können.

Für uns bricht ein letztes Mal die Dämmerung über dieser einzigartigen Wunderwelt herein. Es ist kurz vor ein Uhr nachts und auch ein Abend im Miniatur Wunderland ist irgendwann zu Ende. Wir haben längst nicht alle kleinen Details und lustigen Einfälle entdeckt und werden hier sicher nochmal auf Entdeckungsreise gehen.

 

Praktische Infos

Das Miniatur Wunderland liegt in einem alten Lagerhaus in der Hamburger Speicherstadt und ist an 365 Tagen im Jahr für Besucher geöffnet. Die Öffnungszeiten variieren allerdings je nach Wochentag: In den Ferien oder an Feiertagen beispielsweise ist die Ausstellung teilweise bis 1 Uhr nachts geöffnet. Die genauen Zeiten und Preise sowie weitere Informationen findest du auf der Website unter www.miniatur-wunderland.de. Gerade am Wochenende, zu Ferienzeiten und bei schlechtem Wetter gibt es oft eine lange Wartezeit. Deshalb empfiehlt es sich, Tickets schon frühzeitig zu kaufen oder online zu reservieren. Parkmöglichkeiten sind in der Speicherstadt eingeschränkt, so dass du am besten die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt. Noch mehr Ideen für schlechtes Wetter in Hamburg findest du übrigens in meinem Artikel „Hamburger Schietwetter: Tipps für graue Regentage“.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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