Jahrhundertealte Fresken gepaart mit stylischem Design: Das Goldenstern in Bozen bringt Historisches und Modernes zusammen und lässt im alten Laubenhaus Südtiroler Geschichte zeitgemäß wieder aufleben. Eine Nacht im Townhouse.

Der Boden knarzt unter meinen Füßen, als ich morgens aus dem Bett steige. Die breiten Holzdielen haben schon einige hundert Jahre hinter sich – und das merkt man ihnen an. Sie gehören zu den markanten Zeitzeugen hier im Goldenstern. Im Innenhof vor dem Fenster plätschert derweil das Wasser im kleinen Springbrunnen, ansonsten ist es hier mitten in der Bozener Innenstadt wunderbar ruhig.

In den Räumen der heutigen Suite Spisser hat alles begonnen
In den Räumen der heutigen Suite Spisser hat alles begonnen

„Die Antike“ haben die Goldenstern-Macher der Suite Spisser als Beinamen gegeben. Wie bei allen der insgesamt 16 Zimmer erinnert auch dieser Name an die ehemaligen Bewohner, die das Haus über die Jahrhunderte geprägt haben. Anton Spisser legte als Händler von Pantoffeln und Hüten in diesen Räumen den Grundstein für die Geschichte des späteren Hut- und Schuhmacherbetriebs. Heute ist die Familie Rizzolli eine der bekannten Bozener Kaufmannsfamilien und gibt mit dem im Juni eröffneten Goldenstern Townhouse seinen Gästen einen Einblick in die Historie ihres Stammhauses.

Goldenstern Townhouse: Übernachten mit Geschichte

„Seit 1870 gibt es das Unternehmen Rizzolli hier in der Bozener Laubengasse. Ich führe das Geschäft mit meiner Frau in vierter Generation“, erzählt mir Thomas Rizzolli bei einer kleinen Führung durchs Haus. Zusammen haben die beiden innerhalb der vergangenen zwei Jahre oberhalb von ihrem Laden in den Laubenhäusern 60 und 62 ein wahres Schmuckstück geschaffen. Das Gebäude selbst ist etwa 1180 erbaut worden und atmet fühlbar Geschichte. Behutsam wurde es renoviert – und dabei ist einiges längst Vergessenes wieder ans Tageslicht gekommen.

„Dieser Raum war noch bis vor kurzem ein Lager für unsere Hüte“, erinnert sich Rizzolli. Während des Umbaus sind dann durch Zufall die alten Fresken aus dem 14. Jahrhundert wiederentdeckt worden. Sie dienten damals als Wandbemalung einer notariellen Schreibstube, die sich in dem langgezogenen Raum befand. Mich erinnern sie an die Fresken im Schloss Runkelstein, Bozens Bilderburg. Wo um 1400 Notar Hasler Kauf- und Kreditverträge abgeschlossen hat, können es sich die Goldenstern-Gäste heute mit einem Buch gemütlich machen oder abends einen Wein trinken.

Patina und Zeitzeugen an jeder Ecke

„Diese Treppen sind schon mehr als 600 Jahre alt“, schmunzelt Rizzolli, als wir runter in die heutige Herrenabteilung des Ladens gehen, denn das spürt man: Die Marmorstufen sind von den vielen Vorbesitzern schon ziemlich ausgetreten. Aber genau diese Patina ist es, die das besondere des Hauses ausmacht und sie findet sich an vielen Ecken wieder. „Die Decke über dem Eingang zum Zimmer dort drüben ist so schwarz, weil es hier früher gebrannt hat“, gibt der Chef weitere Einblicke in längst vergangene Zeiten. Ihm war es besonders wichtig, diese zu bewahren und weiter sichtbar zu machen.

Auch die Besonderheiten der Bozener Lauben, dem Herzen der Altstadt, werden im Goldenstern erlebbar. Schon vor Jahrhunderten wurde hier Handel getrieben und die Basis für den Reichtum der Stadt gelegt. Mit knapp vier Metern waren die Gebäude zur Laubengasse hin allerdings äußerst schmal, so dass die Händler vor allem in die Länge gebaut haben. „50 bis 60 Meter lang ist ein Laubenhaus normalerweise“, so Thomas Rizzolli. Und um dort arbeiten und leben zu können, brauchte es Licht- und Innenhöfe zwischen den einzelnen Gebäudeteilen.

Der Weg zu unserem Appartment Spizzer führt deshalb auch über zahlreiche Treppen und verwinkelte Ecken. Und jede dieser kleinen Nischen wurden liebevoll gestaltet – ob als kleine Leseecke oder als Frühstücksraum. Drinnen geht dann jedes Fenster hinaus in einen anderen Innenhof. Die Doppelzimmer „Von Zallinger“, „Wohlgemuth“ und „De Lafayen“ haben die Fenster hingegen raus zur Laubengasse und damit zur hübschen so genannten „Schauseite“ der Laubenwohnungen. Die alten Stuckdecken erzählen hier vom Reichtum der ehemaligen Besitzer.

Historisches Flair mit modernem Design

Heute verbindet das Goldenstern die Geschichte von Haus und Bewohnern mit moderndem Südtiroler Lifestyle und stylischem Interieur. Viele der Möbel gehören zum Inventar der Rizzollis und erzählen selbst eine Geschichte. Den Teppich in der Lobby hat Thomas Rizzolli aus einem Urlaub im Iran mitgebracht, der Kronleuchter aus Murano-Glas hing früher im Wohnzimmer der Familie und die Südtiroler Trachtenbilder sammelt der Vater. Und wenn er das so erzählt, dann wird deutlich, wie viel Herzblut in der Entwicklung und Einrichtung dieses Hauses steckt.

Natürlich fehlen aber auch die Annehmlichkeiten der Moderne nicht. Und so gibt es ganz oben – am Ende der Treppen mit der gußeisernen Geländern – eine Dachterrasse mit Blick über die Stadt und hinüber zum Rosengarten. Das Highlight ist hier definitiv die kleine aber feine Rooftop-Sauna. Wellness über den Dächern von Bozen, das heben wir uns für den nächsten Besuch im Winter auf.

Jetzt geht es erstmal raus in die Stadt – und die liegt im Goldenstern Townhouse sogar gleich doppelt vor der Tür. Vorne geht’s direkt zum Shopping in die Laubengasse oder zum Obstmarkt ums Eck. Hinten sind die zahlreichen Weinbars in der Streitergasse eine perfekte Adresse für den Aperitif am Abend. Die FranziskanerStuben als typisches Bozener Wirtshaus gegenüber gehören übrigens auch Thomas Rizzolli – aber das ist nochmal eine ganz eigene Geschichte…

Auch die FranziskanerStuben hat Thomas Rizzolli neu belebt
Auch die FranziskanerStuben hat Thomas Rizzolli neu belebt

Praktische Infos

Weitere Details und Infos zum Goldenstern Townhouse in Bozen findest du auf der Website unter www.goldenstern.it. Die Preise fürs Doppelzimmer starten bei 151 Euro inklusive Frühstück, bei Einzelnutzung liegt die Nacht bei 89 Euro. Meine Tipps für Bozen findest du außerdem im Artikel „Italien trifft Alpen: Ein Wochenende in Bozen. Wenn dir der Artikel gefallen hat, teil ihn doch gerne mit deinen Freunden! Damit du keine neue Geschichte mehr verpasst, kannst du mir außerdem auf Facebook, Pinterest, Instagram und Tripadvisor folgen. Oder du abonnierst dir My Happy Places als Newsletter.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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