Dänemarks zweitgrößte Stadt ist ziemlich cool: Hier treffen Kopfsteinpflastergässchen auf moderne Architektur und Streetfood auf Kneipenkultur – und über allem schwebt ein bunter Regenbogen. Tipps für ein Wochenende in Aarhus.

Du denkst bisher bei einer Städtereise nach Dänemark vor allem an Kopenhagen? Dann solltest du ab sofort definitiv mal über Aarhus nachdenken. Dänemarks zweitgrößte Stadt liegt auch an der Ostsee und hat einige gute Argumente für einen Besuch. Wo findest du ansonsten schon einen Eisberg im Hafen und kannst durch einen Regebogen spazieren? Die Studentenstadt mit ihren etwa 45.000 Studierenden bietet außerdem im Latiner-Viertel oder entlang des Aboulevarden viel Leben mit netten Cafés und Restaurants. Was du bei einem Wochenende in Aarhus nicht verpassen solltest, verrate ich dir in diesem Artikel – Geheimtipps inklusive.

ARoS: Ein Spaziergang durch den Regenbogen

Wir starten unseren Samstag mit einem Spaziergang durch den Regenbogen. Das ARos Kunstmuseum ist sicherlich eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Aarhus und die markante Installation auf dem Dach fast überall aus der Stadt zu sehen. Seit 2011 lässt der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson sein „Your rainbow panorama“ über Aarhus erstrahlen. Ich mag moderne Architektur und moderne Kunst – und damit ist der Besuch im ARoS quasi Pflichtprogramm. Wir starten den Rundgang tatsächlich auf dem Dach und werfen einen bunten Blick auf die dänische Küstenstadt. 2017 war Aarhus Europäische Kulturhauptstadt – und dieses Museum und der Regenbogen auf seinem Dach sind sicherlich einer der Gründe dafür.

Spannend ist aber natürlich auch das übrige Museum, zählt es doch zu den größten Kunstmuseen Nordeuropas. Der Schwerpunkt im ARoS liegt auf Gegenwartskunst, die ständige Ausstellung wird zudem regelmäßig um Wechselausstellungen ergänzt. Und im Anschluss an den Museumsbesuch kannst du noch durch den gut sortierten Museumsshop stöbern oder dich auf einen Kaffee oder kleinen Snack ins Café setzen.

 

Møllestien: Die schönste Straße der Stadt

Wir machen auf dem Weg zurück in die Stadt noch einen Zwischenstopp im kleinen Gässchen Møllestien. Eine richtige Altstadt mit den für Dänemarks Städten so typischen bunten, kleinen Häuschen gibt es in Aarhus nicht mehr. Møllestien ist deshalb ohne Zweifel die hübscheste Straße der Stadt. Hier stehen Stockrosen am Straßenrand oder wachsen an den Fassaden empor und du läufst über Kopfsteinpflaster an den süßen Häuschen entlang.

Die Straße Møllestien liegt im historischen Viertel Indre By und die meisten Häuser hier stammen aus der Zeit um 1750. Die Straße selbst ist aber sogar noch älter: Bei archäologischen Ausgrabungen fand man im Jahr 2003 Keramikscherben aus der späten Wikingerzeit.

 

Latiner-Viertel: Shopping trifft Cafészene

Das Latinerkvarteret oder auch Latiner-Viertel bietet zahlreiche Restaurants und Cafés
Das Latinerkvarteret oder auch Latiner-Viertel bietet zahlreiche Restaurants und Cafés

Weiter geht es ins Latiner-Viertel, eines der ältesten Viertel der Stadt. Benannt worden sein soll es nach einer Lateinschule, die hier einmal stand. Heute ist das Latinerkvarteret ein angesagtes Szeneviertel das einen Mix aus Shopping in angesagten Boutiquen sowie coolen Cafés und Restaurants bietet. An schönen Tagen wie heute sitzt man hier in der Rosensgade und rund um den kleinen Platz Pustervig Torv auch gerne mal mit einem Drink in der Sonne.

Am besten lässt du dich einfach durch die Gassen des Latiner-Viertels treiben, schaust dir dänisches Design an, lässt dich in den kleinen Lädchen inspirieren oder holst dir in der nächsten Bäckerei zum Kaffee eine der süßen Zimtschnecken. Den guten Kaffee bekommst du zum Beispiel bei den La Cabra Coffee Roasters, die Zimtschnecke auf dem Weg weiter Richtung Innenstadt unter anderem im Emmerys oder im Lagkagehuset.

 

Aarhus Street Food: Einmal um die Welt essen

Du musst aber definitiv noch genug Platz lassen, denn der nächste Stopp ist Aarhus Street Food. Seit 2016 ist die ehemalige Busgarage direkt gegenüber vom Busbahnhof zu einem coolen Streetfood-Spot umgestaltet worden. Im Sommer kannst du draußen sitzen, im Winter und an regnerischen Tagen machst du es dir an den langen Tischen in der großen Halle gemütlich. Drumherum findest du über 30 Straßenküchen aus aller Welt – von dänischer Hausmannskost über französische Crêpes oder italienische Pasta bis zu Falafel und japanischen Ramen und nepalesischer Küche.

Aarhus Street Food ist auch dann eine gute Alternative, wenn dir die deutlich höheren Preise im normalen Restaurant zu teuer sind. Dazu gibt’s eine coole Mischung aus Container-Atmosphäre und Street Art. Nicht verpassen solltest du übrigens den Cheescake oder das Eis am Stil direkt im Eingangsbereich: echt kalorienreich, aber auch echt lecker!

 

Unendliche Brücke: Sundwoner am Meer

Aarhus liegt direkt an der Ostsee und so ist es hier auch bis zum Strand nicht weit. Mit dem Fahrrad bist du aus der Innenstadt schnell am Wasser – und wenn du zum Beispiel Richtung Süden nach Marselisborg fährst, wartet dort für den Sundowner noch ein Geheimtipp auf dich. Direkt am Strand von Varna steht hier die Unendliche Brücke. Das Kunstwerk der Architekten Niels Povlsgaard und Johan Gjødes führt dich über 188 Meter im Kreis über die Ostsee. Wenn du früh genug da bist, kannst du außerdem Schloss Marselisborg noch einen Besuch abstatten.

Besonders schön ist es an der Unendlichen Brücke in der Abenddämmerung, wenn die blaue Stunde das Meer schimmern lässt und du deine Füße über dem Wasser baumeln lassen kannst. Den Sundowner-Drink und die passende Musik nicht vergessen – und dann fühlt sich Aarhus plötzlich wie am Mittelmeer an. Damit du nicht enttäuscht bist: Den Spaziergang auf der Infinite Bridge kannst du nur von April bis Oktober machen. Im Winter wird die Holzkonstruktion eingemottet, damit du noch viele Sommer am Strand von Aarhus in die Unendlichkeit starten kannst.

 

Aboulevarden: Kneipenviertel am Kanal

Am Aboulevarden ist vor allem am Abend viel los
Am Aboulevarden ist vor allem am Abend viel los

Zurück in der Stadt kannst du dann am Abend das Studentenflair in Aarhus genießen. Entlang des Aboulevarden oder auch in der Jægergårdsgade in Frederiksbjerg findest du zahlreiche Kneipen und Bars. An schönen Sommerabenden kannst du entlang des Aboulevarden am kleinen Kanal Aarhus Å sitzen, der sich einmal entlang der Innenstadt zieht. In dänischen Städten ist es ja am Abend eher ruhig – nicht so in Aarhus. Hier sorgen die Studenten für Nachtleben und Flair in den Ausgehvierteln.

 

Den Gamle By: Bummeln durch die Stadt in der Stadt

Den Sonntag starten wir in der Stadt in der Stadt. Das Freilichtmuseum Den Gamle By, auf Deutsch „die alte Stadt“, bietet Einblicke in vergangene Stadtkultur. Hier kannst du in längst vergangene Zeiten eintauchen und Zeitreisen zurück in die Jahre 1864, 1927 und 1974 machen. In Den Gamle By findest du historische Gebäude aus ganz Dänemark – zur Eröffnung des Museums 1914 noch ein ganz neuer Ansatz. Und so stehst du heute am alten Dorfweiher, kannst dich mit der Kutsche über das Kopfsteinpflaster fahren lassen, einen Blick in die alte Apotheke werfen oder beim Bäcker Leckereien nach Originalrezept einkaufen.

Wir fanden vor allem den Ausflug in unsere Kindheit ziemlich cool. In diesem Straßenzug kannst du tief in die 70er Jahre eintauchen, durch einen Tante-Emma-Laden oder einen alten Elektronikladen stöbern und in einigen Wohnhäusern durch original eingerichtete Wohnungen schlendern. Das fühlt sich dann an wie eine Zeitreise zu Tante Käthe und Onkel Klaus. Und die Geschichte geht auch in Den Gamle By weiter: Gerade wird an einem weiteren Stadtteil von 2014 gebaut. Und wenn du nach deinem Besuch noch Zeit hast, mach doch noch einen Abstecher zum Botanischen Garten gleich neneban mit seinem futuristischen Gewächshaus.

 

Dokk1: Modernes Parken trifft auf Bibliothek

Im DOKK1 in Aarhus befindest sich Europas größtes automatisches Parkhaus
Im DOKK1 in Aarhus befindest sich Europas größtes automatisches Parkhaus

Nach so viel Geschichte und Historie geht es anschließend zurück in die Moderne – und da liegt ein ziemlich cooles Beispiel auf dem Weg. Direkt am Anfang der neuen Hafenfront steht das Dokk1 – eine Mischung aus öffentlicher Bibliothek und Kulturzentrum. Ziemlich abgefahren wird es im Keller: Dort findest du nämlich das größte automatische Parkhaus Europas. Parken in Aarhus wird damit glatt zum Erlebnis. Fast 1.000 Autos haben hier Platz – und du musst nicht mehr machen, als dein Auto in den Fahrstuhl stellen. Den Rest erledigt das Parkhaus selbst.

Wenn du schon da bist, solltest du aber auch einen Blick in die Bibliothek werfen. Wir waren ja schon in Helsinki von der Oodi begeistert – und mit dem Dokk1 steht hier in Aarhus ein weites Beispiel für die Bibliothek der Zukunft. Hier gibt es nicht nur Bücher, sondern auch viel Technologie und neue Medien an einem Ort, der für alle offen ist.

 

Salling Rooftop: Über den Dächern von Aarhus

Für den Lunch machen wir einen kurzen Abstecher in die Innenstadt und auf die wohl coolste Dachterrasse in Aarhus. Im sechsten Stock des Kaufhauses Salling stehst du wieder über den Dächern der Stadt und kannst einen 360-Grad-Rundumblick genießen. Vom Hafenviertel Aarhus Ø über den Dom zu Aarhus bis zum ARoS mit seinem Regenbogen – hier liegt dir Aarhus zu Füßen. Ganz Mutige können einen Test in Sachen Höhenangst machen und 25 Meter über der Fußgängerzone von der Glasrampe aus den Blick genießen.

Wenn du genug vom Ausblick hast, machst du es dir am besten bei einem Drink oder kleinen Snack auf der Terrasse gemütlich. Ziemlich lecker ist auch der Afternoon Tea. Und falls du nicht so ein Glück mit dem Wetter hast: Auch drinnen gibt’s genug Platz und natürlich auch diesen schönen Ausblick über die Stadt. Nur abends hat Salling Rooftop leider geschlossen.

 

Dome of Visions: Nachhaltiger Hingucker im Hafen

Frisch gestärkt geht es für uns weiter Richtung Hafen. Aarhus war schon zur Wikingerzeit eine wichtige Hafenstadt und ist es geblieben. Heute ist es der zweitgrößte Hafen und der größte Containerhafen in Dänemark. Genau wie in vielen anderen Städten werden aber auch hier Teile des Hafens für neue Nutzungskonzepte erschlossen. Seit gut zehn Jahren wird hier bereits gebaut – und die vielen Kräne zeigen dir schon aus der Ferne: Es gibt noch einiges zu tun.

Zwischen Innenstadt und dem neuen Hafenviertel Aarhus Ø fällt dir sicherlich auch direkt der Dome of Visions ins Auge. Die markante Konstruktion aus Holz, die an eine Glaskugel erinnert, setzt auf Energieeffizienz und minimalen Materialeinsatz und versteht sich als temporärer Zwischenort. Bis auch hier ein neuer Teil von Aarhus entsteht, kannst du dir im Café einen Drink holen und vorne ans Wasser setzen oder schauen, was im Urban Gardening Projekt auf der anderen Seite gerade in den Hochbeeten wächst.

 

Aarhus Ø: Von Eisberg bis Hafenbad

Der Dome of Visions steht am Anfang von Aarhus‘ modernem Hafenviertel Aarhus Ø. Hier entsteht ein komplett neuer Stadtteil – und erste Wahrzeichen gibt es schon. Die Wohnanlage Isbjerget zeigt, wie modernes Wohnen aussehen kann, das architektonisch aus der Reihe fällt. Mit dem Eisberg am Ende der Promenade hat Aarhus hier auf jeden Fall auf spektakuläre Architektur gesetzt.

Das neue Viertel erinnert in vielem an Hamburgs HafenCity – wobei sich die Hansestadt hier noch ein paar Ideen abschauen kann. In einem der Hafenbecken liegt zum Beispiel das Hafenbad vor Anker und nebenan kannst du im Hafen Wasserski fahren. An der Promenade im Bassin 7 findest du Streetfood mit Blick aufs Wasser und weiter hinten kannst du dich für den Sommer im Badehäuschen direkt an der Ostsee einquartieren. Drumherum ist an vielen Stellen noch Baustelle – hier sieht es trotzdem schon jetzt nach einem coolen neuen Stadtviertel aus. Unser Fazit: Aarhus ist eine ziemlich spannende Stadt, die mindestens einen Kurztrip wert ist. Wir kommen sicher nochmal wieder.

 

Praktische Tipps

Mit der Deutschen Bahn bist du von Hamburg aus in viereinhalb Stunden in Aarhus. Vor Ort erkundest du die Stadt am besten mit dem Rad, das du dir zum Beispiel bei Donkey Republic flexibel leihen kannst. Wir haben im Comwell Hotel übernachtet – ein neues Hotel, das auf Möbel der dänischen Marke Hay setzt und einen tollen Blick über die Stadt bietet. Weitere Übernachtungsmöglichkeiten findest du bei Booking.com. Wenn du mehrere Museen besuchen möchtest, lohnt sich für dich wahrscheinlich auch die Aarhus Card. Noch mehr Tipps für die Stadt bekommst du im Reise Know-How CityTrip Aarhus, in meiner Instagram-Story oder auf der Webiste von Visit Aarhus.

Warst du schon in Aarhus? Was hat dir besonders gut gefallen? Ich freue mich wie immer über Kommentare und Tipps. Und wenn dir der Artikel gefallen hat, teil ihn doch gerne mit deinen Freunden! Damit du keine neue Geschichte mehr verpasst, kannst du mir außerdem auf Facebook, Pinterest, Instagram, Bloglovin‘, Flipboard oder Tripadvisor folgen. Oder du abonnierst dir My Happy Places als Newsletter.

 

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Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

8 Kommentare

  1. Ich war nur ein mal in Aarhus, eine Freundin besuchen, die dort für ein Semester studierte. Leider im Wintersemester und wir besuchten sie Anfang Januar. Ich habe wirklich keinerlei Erinnerungen an diese Stadt, außer, dass es grau, dunkel und kalt war.
    Wenn ich mir die Bilder anschaue, bestätigt das, was ich damals schon dachte: Dänemark muss man im Sommer besuchen!

    • Liebe Ilona,
      ja, dann musst du unbedingt im Sommer nochmal nach Dänemark!
      Wir waren im September da und hatten bestes Wetter – und da ist so eine Stadt natürlich nochmal viel schöner zu entdecken. Die Unendliche Brücke ist zum Beispiel auch nur im Sommer aufgebaut.
      Viele Grüße
      Britta

  2. Oh wie schön, wow! Jetzt steht Aarhus definitiv auf meiner Reiseliste für Europa. So kreativ und spannend, wie toll!
    Toller Beitrag 🙂
    LG Sabrina

    • Liebe Sabrina,
      Es lohnt sich auf jeden Fall!
      Aarhus bietet einen wirklich kreativen Mix – und im Sommer ist die Lage am Meer natürlich auch ein Traum.
      Liebe Grüße
      Britta

  3. Liebe Britta,
    das ist ein ganz toller Beitrag, der Lust macht Aarhus zu besuchen! Ich habe mal 3 Monate in Odense gelebt, da gibt´s viele Parallelen 🙂 Pinne ich sofort mal auf meinem Dänemark-Board.
    LG, Julia

    • Liebe Julia,
      das stimmt, Odense hat einige Ähnlichkeiten – cooles Streetfood, ein tolles Hafenbad, Street Art & Co.
      Demnächst folgt noch ein Artikel mit meinen Highlights aus Dänemark, da ist Odense dann auch mit dabei.
      LG Britta

  4. Hallo Britta,

    danke für die tolle Inspiration!
    Aarhus wirkt wirklich spannend und ist eine tolle Alternative zu Kopenhagen.
    Das merken wir uns mal für eine zukünftige Städtetour.

    Liebe Grüße
    Gina und Marcus

    • Hey ihr zwei,
      ja, Aarhus ist definitiv eine Alternative zu Kopenhagen – oder auch ein Add-on, wenn ihr Kopenhagen schon kennt.
      Und mit den ganzen Entwicklungsprojekten im neuen Hafenviertel gibt es auch immer wieder noch etwas Neues zu sehen.
      Liebe Grüße
      Britta

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