Atemberaubende Ausblicke, malerische Orte und natürlich das Meer: Die Amalfiküste ist ein Sehnsuchtsziel. Von Positano bis Ravello erwarten dich auf einem Roadtrip entlang der Amalfitana zahlreiche Highlights.

Neapel haben wir gerade hinter uns gelassen, da steht sie zum ersten Mal auf einem der Wegweiser: die Costiera Amalfitana. Allein der Name klingt wie Musik und eine Verheißung von Sonne, Meer und Dolce Vita. Die Bilder habe ich alle im Kopf. Seit Jahren schon steht die Amalfiküste auf meiner Wunschliste ganz oben. Sie gilt als eines der schönsten Reiseziele Italiens – und als sei das nicht schon genug, zählt die Amalfitana zudem zu den spektakulärsten Panoramstraßen der Welt. Schroffe Felsen, das türkisblaue Meer – und dazwischen immer wieder die kleinen Dörfer, die sich malerisch an den Hang schmiegen. Ein Postkartenmotiv. Weltberühmt. 

Über rund 50 Kilometer schlängelt sich die Küstenstraße Amalfitana im Süden der Halbinsel von Sorrent direkt am Mittelmeer entlang, meist in schwindelerregender Höhe. Zwischen Sorrent im Westen und der Hafenstadt Salerno im Osten reihen sich die Orte wie an einer Perlenkette aneinander. Die Amalfiküste ist einzigartig und nicht umsonst Unesco-Weltkulturerbe.

Enge Kurven und steile Abhänge: Bewunderung ernten hier vor allem die Busfahrer. Sie kennen die Amalfitana wie ihre Westentasche und navigieren entsprechend gekonnt durchs engste Nadelöhr. Relaxter ist die Tour mit dem Roller. Der passt irgendwie immer noch zwischen Bus und Autos hindurch. Wir wagen die Tour mit dem Mietwagen – und starten unseren Roadtrip entlang der Amalfiküste in Sorrent.

Zum Auftakt nach Sorrent

Sorrent liegt malerisch auf einem Felsen hoch über dem Meer – auf einer Halbinsel zwischen dem Golf von Neapel und dem Golf von Salerno. Eine Schlucht verbindet die Innenstadt mit dem Hafen Marina Piccola, dem Ausgangsort für Schiffstouren entlang der Amalfiküste und auf die Inseln. Von oben hast du nicht nur einen herrlichen Blick über den Golf und hinüber nach Capri, Sorrent ist auch ein guter Startpunkt für einen Roadtrip entlang der Küste.

Strände gibt es in Sorrent zwar nicht, dafür überzeugt das bunte Städtchen mit seiner Altstadt und dem Fischerhafen Marina Grande. Ein bisschen erinnert die Atmosphäre an Procida. Auch hier sitzen die Fischer am Hafen und reparieren ihre Netze, während sich nebenan die Katzen in der Sonne räkeln. So viel Beschaulichkeit war in den 50ern Kulisse für Filme mit Sophia Loren.

Entlang des Corso Italia lässt es sich schön bummeln und an der Piazza Tasso die Leute beobachten. Und auch mit dem Strand hat man sich hier etwas einfallen lassen: Die Sorrentiner haben einfach Pfähle ins Wasser gesetzt und darauf ihren Lido gebaut. Auf den erfrischenden Sprung ins Meer musst du hier also nicht verzichten. Wenn du noch ein bisschen Zeit im Gepäck hast, lohnt sich zudem die Tour über die sorrentinische Halbinsel. Hier gibt es ursprüngliche Dörfer und zahlreiche Slow Food Restaurants mit authentischer Küche zu entdecken.

Malerisches Positano

Von Sorrent geht es weiter Richtung Costiera Amalfitana – und langsam wird mir klar, warum mir Freunde geraten hatten, beim Mietwagen bloß kein Upgrade zu akzeptieren. Die schmale Küstenstraße schlängelt sich am Meer entlang, umrundet schroffe Klippen und gibt dann wieder den Blick frei aufs Wasser. Für Autos und Busse wird es hier eng. Nach einer guten halben Stunde Fahrt dann ein erstes Ortsschild: Positano!

Was einst ein kleines Fischerdorf war, ist inzwischen internationales Sehnsuchtsziel. Instagram ist voll mit Bildern der sich am Hang übereinander stapelnden Häuser. Entsprechend voll ist der kleine Ort – und teuer. Parkplätze sind rar und auch an den beiden Stränden Fornillo und Spiagga Grande kann es im Sommer eng werden.

Jetzt in der Nebensaison ist es ruhiger – und auch in Positano gibt es die kleinen Seitenstraßen, in die sich kaum ein Tourist verirrt. Für den Weg an den Strand musst du allerdings fit sein: Die vielen Treppenstufen hinunter gilt es am Ende auch wieder hochzulaufen. Romantisch wird es in Positano übrigens am Abend: Dann sind die Tagesgäste längst abgereist und die beleuchtete Kulisse entfaltet ihre ganze Atmosphäre.

Bucht im Fels: die Marina die Praia unweit von Praiano
Bucht im Fels: die Marina die Praia unweit von Praiano

Wenn du es ruhiger magst, bietet sich eine Wanderung den „Weg der Götter“ hoch über dem Ort entlang an. Oder du entscheidest dich für das deutlich ruhigere Praiano nur wenige Kilometer weiter. Von dem kleinen Ort mit seiner hübschen Kirche hast du Positano sogar noch im Blick. Auch hier gibt es hübsche kleine Buchten, wir haben zum Beispiel an der Marina di Praia einen Zwischenstopp eingelegt.

Lohnende Abstecher ins Hinterland

Unser nächster Stopp heißt Furore und ist ein Beispiel dafür, dass du unbedingt auch einen Abstecher ins weniger bekannte und entsprechend auch weniger besuchte Hinterland der Amalfiküste einplanen solltest. Der Weg ist oft abenteuerlich, werden die Straßen hier doch nochmal schmaler. Zudem schlängeln sie sich in unzähligen Serpentinen den Hang hinauf. Oben abgekommen, wirst du dafür mit spektakulären Aussichten belohnt. Der Blick geht über die vielen Terrassenfelder mit ihren Weinreben und Zitronenbäumen direkt hinab aufs blaue Meer.

Zitronen sind hier an der Amalfiküste nicht nur in den Bergen ein ständiger Begleiter. Die Amalfi-Zitronen sind deutlich dicker und offensichtlich auch geschmackvoller. Ob im Limoncello, im Zitroneneis oder am Obststand auf einem der Parkplätze entlang der Amalfitana, die gelben Zitrusfrüchte sind hier überall präsent.

Auch für den Fall, dass du von den vielen Eindrücken irgendwann hungrig wirst, empfiehlt sich ein Ausflug hoch in die Berge. Hier oben findest du zahlreiche Slow Food-Restaurants mit bester italienischer Küche, wie zum Beispiel in der Hostaria di Bacco in Furore.

Furores Highlight liegt übrigens doch unten direkt an der Küste: der Fjord. Wofür du sonst bis nach Skandinavien reisen musst, das gibt es auch hier an der Amalfiküste. Und sogar einen kleinen Strand bietet die enge Schlucht. Auch wenn der Fiordo di Furore auf Grund von Steinschlaggefahr nicht mehr zugänglich ist, lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp und ein Blick hinunter auf dieses Naturphänomen.

Ein Hauch von antiker Seerepublik in Amalfi

Über Conca dei Marina geht es anschließend weiter nach Amalfi. Der Ort hat dem Küstenabschnitt seinen Namen gegeben – und das nicht ohne Grund: Vor Hunderten von Jahren war Amalfi Sitz einer mächtigen Seerepublik. Spuren aus dieser Zeit, als das Städtchen noch über 70.000 Einwohner hatte, sind heute allerdings kaum noch übrig. Ein Großteil des Ortes ist bei einem Erdbeben Mitte des 14. Jahrhunderts ins Meer gerutscht.

Erhalten geblieben ist der Dom, die Cattedrale di Sant’Andrea. Er thront imposant über einem breiten Treppenaufgang im Zentrum des Ortes und ist eines der kulturellen Highlights der Amalfiküste. Das kleine Städtchen mit seinen heute noch knapp 5.500 Einwohnern lohnt aber auch sonst den Besuch. In Amalfi lassen sich Kultur, Shopping und Strandurlaub perfekt miteinander verbinden – und das auf kleinstem Raum. Direkt ans Stadtzentrum mit seinen belebten Gassen schließt sich der Strand an. Und auch wenn du gar nicht in Wasser möchtest, kannst du das bunte Treiben aus einer der Beach Bars beobachten.

Oder du machst einen kleinen Spaziergang ins benachbarte Atrani. Das Örtchen ist deutlich kleiner und entsprechend auch ruhiger als Amalfi – in der Anlage dem Nachbarn aber sehr ähnlich: vorne der Strand, dahinter das Zentrum rund um den Dorfplatz. Und auch Atrani schmiegt sich pittoresk an die Klippen. Die beiden Orte sind über eine Treppe und auch einen unterirdischen Durchgang miteinander verbunden.

In Atrani nähert sich die Amalfitana der Küste
In Atrani nähert sich die Amalfitana der Küste

Ravello und seine atemberaubenden Ausblicke

In den Bergen hoch über Amalfi und Atrani liegt schließlich das kleine Ravello, das unter anderem durch sein Klassikfestival Musikfans weltweit ein Begriff ist. Vor allem bietet Ravello aber einige der schönsten und spektakulärsten Ausblicke auf die Amalfiküste und das azurblaue Mittelmeer. Die entrückte Schönheit des Ortes hat einst auch Richard Wagner in seinen Bann gezogen, der hier die Vorlage für Klingsors Zaubergarten seiner Oper Parsifal fand. An ihn erinnern heute die jährlichen Wagner-Festspiele.

Den berühmten Blick bietet dir übrigens die Villa Rufolo mit ihren Gärten. Ähnlich spektakulär ist die Terrazza dell’Infinito der Villa Cimbrone. Die Villa selbst ist heute ein Hotel, von der weitläufigen Parkanlage hast du den atemberaubenden Ausblick, der schon als Kulisse für die Sissi-Verfilmung diente.

Vom Trubel entlang der Amalfitana bekommst du  hier oben gar nichts mehr mit. Stattdessen kannst du durch Ravellos Gassen schlendern, auf der Piazza Centrale mit Blick auf den Dom in der Sonne sitzen und einen Kaffee trinken – oder in einem der zahlreichen Hotels relaxen und den Ausblick genießen.

Das Finale in Vietri sul Mare

Von Ravello hast du auch Minori und Maiori im Blick, die beiden letzten Küstenorte, bevor sich die Amalfitana über einige Kilometer durch nahezu unbewohnte Gebiete weiter am Meer entlang schlängelt. Die beiden Orte liegen direkt am Wasser und bieten die größten Strände. In Sachen Flair haben sie allerdings nur wenig mit Positano oder Amalfi gemeinsam.

Vietri sul Mare wird geprägt von der Keramik
Vietri sul Mare wird geprägt von der Keramik

Unser letzter Stopp an der Amalfiküste ist deshalb Vietri sul Mare. Das Städtchen gilt als kampanisches Töpferzentrum, schon die alten Römer sollen hier Ton geknetet haben. In der Innenstadt reihen sich bis heute die Töpferläden aneinander. Und auch wenn du keine Mitbringsel einkaufst, lohnt sich der Bummel: Viele der Häuser sind mit bunten Keramikfassaden verziert. Vietri sul Mare geht fast in Salerno über – und die Hafenstadt markiert schließlich das Ende der wirklich sehenswerten Amalfiküste.

 

Praktische Tipps

Neapel ist der nächste Flughafen, von hier kommst du mit dem Mietwagen oder per Zug Richtung Amalfiküste und dann weiter mit dem Bus. Für Eilige gibt es Tagestouren ab Neapel und Sorrent. Für einen Roadtrip entlang der Panoramaküste inklusive Abstecher ins Hinterland solltest du mindestens zwei bis drei Tagen einplanen. Länger geht natürlich immer. Die Costiera Amalfitana ist beliebt, entsprechend hoch sind die Zimmerpreise vor allem in Positano. Deutlich günstiger wird es in den kleineren und weniger bekannten Orten und auch weiter oben in den Bergen. Vor Ort ist der Bus SITA eine Alternative zum eigenen Auto. Die Suche nach einem (meist teuren) Parkplatz entfällt und die Busse halten regelmäßig. Oder du mietest dir einen Roller, um die Küste entlang zu cruisen. Von Positano oder Amalfi erreichst du viele der Küstenorte auch mit dem Boot.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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