Mit über neun Millionen Einwohnern ist Tokio die größte Stadt der Welt – und nicht nur deshalb eine Reise wert. In Japans Hauptstadt trifft Tradition auf neueste Trends: die Highlights von digitaler Kunst bis zu Jahrhunderte alten Tempeln.

Bunte Reklametafeln, Menschenmassen in der U-Bahn und eine Skyline bis zum Horizont, das sind die typischen Bilder aus Tokio. Die Megametropole mit ihren fast 38 Millionen Einwohnern ist aber viel mehr als das. Hier findest du traditionelle Tempel neben modernsten Geschäftsvierteln und ruhige Parks unweit vom verkehrsreichsten Bahnhof der Welt. Auf jeden Fall gehört ein Aufenthalt in Tokio zu einer Japanreise unbedingt dazu.

Um zumindest einen kleinen Einblick zu bekommen, solltest du drei bis vier Tage in der Stadt einplanen. Apropos: Die Stadt Tokio gibt es so gar nicht mehr. Sie wurde bereits 1943 aufgelöst. Seither besteht die Präfektur Tokio aus 23 Bezirken. Sie alle wirst du in ein paar Tagen definitiv nicht schaffen und auch nicht alle sind spannend. Hier findest du deshalb für deine Planung einige Highlights, die du nicht verpassen solltest.

Odaiba: Ausblick auf Tokios Skyline

Tokio ist das pulsierende Zentrum des Landes und international bekannt für seine bunten Trendviertel. Was dabei fast untergeht: Japans Megametropole ist auch eine Hafenstadt. Besonders sichtbar wird das im Hightech-Unterhaltungsviertel Odaiba auf einer künstlichen Insel in der Bucht von Tokio. Bei der Fahrt mit der futuristischen Bahnlinie Yurikamome hast du von der Rainbow Bridge aus einen perfekten Blick nicht nur auf das moderne Hafenviertel mit seiner spannenden Architektur, sondern auch auf die zahlreichen Hafenkräne.

Vom Hafenviertel Odaiba aus bietet sich ein großartiger Blick auf die Rainbow Bridge und Tokios Skyline
Vom Hafenviertel Odaiba aus bietet sich ein großartiger Blick auf die Rainbow Bridge und Tokios Skyline

In Odaiba findest du mitten in der Stadt sogar einen Strand – mit Ausblick auf Tokios Skyline inklusive. Besonders schön ist es ganz vorne am Wasser. Dort hast du mit der Rainbow Bridge eines von Tokios Wahrzeichen im Blick und die Nachbildung der Freiheitsstatue lässt außerdem ein Gefühl von New York aufkommen.

Auf dem Weg nach Odaiba solltest du unbedingt einen Stopp auf Tokios Fischmarkt Tsukiji einlegen. Der größte Fischmarkt der Welt mit seiner berühmten Thunfischauktion ist Ende 2018 zwar in ein neues Gebäude außerhalb der Stadt umgezogen, der äußere Markt befindet sich aber immer noch auf dem Gelände unweit des Hafens. Hier findest du weiter hunderte kleine Lädchen in den verwinkelten Gässchen. Und dort kannst du frischen Fisch und leckeres Sushi probieren. Ein Tipp ist die erste Filiale einer der größten japanischen Sushi-Restaurant-Ketten, das Sushizanmai.

Auf dem Tsukiji Fischmarkt kannst du dich durchs Angebot probieren
Auf dem Tsukiji Fischmarkt kannst du dich durchs Angebot probieren

Digital Art Museum: Mitmachkunst im Hafenviertel

In Odaiba ist das Mori Building Digital Art Museum direkt unter dem Riesenrad das absolute Highlight. Seit seiner Eröffnung im Sommer 2018 hat sich Tokios neuestes Museum in kürzester Zeit zu einem Publikumsmagneten entwickelt und gehört unbedingt auf die Todoliste. Die Tickets solltest du so früh wie möglich, mindestens aber einige Tage vorher reservieren. Und stell dich auch vor Ort auf eine Warteschlange ein. Die lohnt sich aber definitiv, denn in diesem Museum wird sichtbar, was mit digitaler Technik möglich ist.

Mehr als 500 Computer sorgen in Tokios Digital Art Museum für die perfekte Illusion. Entwickelt wurden die Räume vom internationalen Künstlerkollektiv TeamLab Borderless. In einem Labyrinth herabhängender LED-Leuchten hast du beispielsweise das Gefühl, mitten in ein Gewitter geraten zu sein. Nebenan im Blumenwald kannst du durch deine Interaktionen die Schmetterlinge zum Fliegen bringen. Im Forest of Lamps verschwimmen die realen Grenzen des Raums mit denen der Spiegelwelt.

Langweilig wird es im Digital Art Museum weder großen noch kleinen Besuchern. Im Aquarium zum Beispiel kannst du mit Wachsmalkreiden deinen eigenen Fisch zeichnen, der dann eingescannt wird und nur Sekunden später durchs digitale Becken schwimmt. Einen festen Rundgang durchs Museum gibt es übrigens nicht. Jeder kann seinen eigenen Weg gehen und die digitale Kunst für sich entdecken.

Asakusa und Ueno: Tradition trifft auf Moderne

Nach so viel digitaler Kunst ist es Zeit für Tokios spirituelle Highlights – und dazu zählt ohne Frage der Senso-ji-Tempel in Asakusa. Für viele ist er der schönste Tempel in Japans Hauptstadt und entsprechend gut besucht. Der 628 gegründte buddhistische Tempel ist zudem Tokios ältester und bedeutendster Tempel.

Unweit vom Senso-ji-Tempel hast du auch das höchste Bauwerk in Japans Hauptstadt im Blick, den Tokio Skytree. Mit seinen 634 Metern ist er der höchste Fernsehturm und nach dem Burj Khalifa in Dubai das zweithöchste Bauwerk der Welt. Der Tokio Skytree steht allerdings schon etwas außerhalb des Zentrums, so dass du von der Aussichtsplattform Tokyo City View im Mori Art Museum einen besseren Überblick der Megametropole bekommst. Kostenlos gibt’s die Aussicht auf Tokio vom Tokyo Metropolitan Government Building in Shinjuku aus.

Nicht nur zur Kirschblüte kannst du den Ausflug nach Asakusa mit einem Spaziergang durch Tokios größten Park, dem Ueno Park, verbinden. Auch hier findest du verschiedene Tempel und Schreine und mit dem Nationalmuseum Tokio außerdem das älteste und größte Museum Japans – eine Option nicht nur für Regentage.

Shibuya und Akihabara: Tokios verrückte Trendviertel

In Tokio entstehen globale Trends – und besonders sichtbar werden die in Vierteln wie Shibuya oder Akihabara. Der Stadtteil Shibuya ist besonders für eine Kreuzung bekannt: An der Shibuya Crossing gehen bei jeder Grünphase so viele Menschen über die Straße, wie sonst nirgends auf der Welt. Bis zu 3.000 sollen es sein. Einen guten Blick auf den Ameisenhaufen hast du vom Starbucks und die Vogelperspektive gibt’s im Crossing View oben auf dem Dach vom Kaufhaus Magnet.

Direkt neben dem Bahnhof ist in Shibuya eine Tokioter Berühmtheit als Statue verewigt: Hachiko. Der Hund hat über Jahre hier jeden Abend auf sein längst verstorbenes Herrchen gewartet und ist heute ein beliebter Fotospot. Wenn du abends da bist, solltest du noch ein bisschen durch die umliegenden Straßen bummeln, wo die bunten Werbetafeln um die Wette leuchten. Neben verschiedensten Shoppingmöglichkeiten findest du auch viele kleine Restaurants mit Ramen, Sushi oder Tempura im Angebot.

Und wenn du es gerne noch etwas verrückter hast, dann machst du einen Ausflug nach Akihabara. Das Viertel nördlich des Zentrums ist bekannt für seine Elektroniktrends und Stores, Mangakultur und bunte Maid Cafés. Wenn du hier durch die Straßen läufst, siehst du automatisch an jeder Ecke die bunten japanischen Comics und wirst von jungen Mädchen in Schuluniform angesprochen, ob du nicht einen Abstecher in eines der bunten Maid Cafés machen möchtest.

Harajuku und Shinjuku: Shopping und Nightlife

Nicht weniger ausgefallen wie Akihabara sind Harajuku und Shinjuku. Harajuku ist für seine Street-Art- und Modeszene bekannt. Zumindest einmal durchlaufen solltest du durch die Takeshita-dori-Straße. Hier trifft sich Tokios Jugend. Und neben ausgefallenen Läden mit Vintage-Klamotten und Cosplay-Kleidung findest du alle möglichen süßen Sachen von Zuckerwatte in Einhornfarben bis zu lustiger Eiscreme in Tierform.

In der Omotesando Straße direkt ums Eck findest du die internationalen Label und großen Shoppingtempel. Einen Zwischenstopp ist hier der Eingang zum Tokyu Plaza mit seinem verspiegelten Eingang wert. Richtig nett wird es aber in den kleinen Seitenstraßen links und rechts der Hauptstraße. Hier findest du süße kleine Boutiquen, Designlabels und coole Cafés und Restaurants. Im Breizh Café gibt es zum Beispiel leckere französische Crêpes, direkt ums Eck bei Mr. Farmer für Tokio eher seltene vegane Küche.

Und auch in Shinjuku kannst du wunderbar shoppen. Hier steht zum Beispiel das Gründungshaus von Japans Einkaufskette Isetan. In dem Gebäude im Gothik-Stil aus den 30er Jahren fühlt es sich ein bisschen an wie im KaDeWe. Die Shoppingstraßen rund um den verkehrsreichsten Bahnhof der Welt sind besonders am Abend spannend, wenn die Werbetafeln bunt leuchten. Unweit vom Ostausgang des Bahnhofs findest du mit Kabukicho auch Tokios Rotlichtviertel, das auf den ersten Blick aber eher harmlos wirkt. In dem Amüsierviertel liegt auch das beliebte Robot Restaurant und in den kleinen Gässchen des Golden Gai Viertels nebenan gibt’s zahlreiche Bars.

Amüsierviertel: Kabukicho in Shinjuku
Amüsierviertel: Kabukicho in Shinjuku

Yoyogi und Akasaka: Tokios Shinto-Schreine

Auf der Suche nach Ruhe vor dem Trubel findest du im Dreieck zwischen den Bahnhöfen Shinjuku, Harajuku und Shibuya eine perfekte Location: den Yoyogi-Park. Er zählt mit seinen Grünflächen, Teichen und Wäldern zu den größten Parks in Tokio und ist zur Kirschblüte ein beliebtes Ziel. Unweit des kleinen Sees findest du von Kirschbäumen übersäte Bereiche, wo sich die Tokioter zum Kirschblüten-Picknick treffen. Voll ist es auch hier, allerdings immer noch deutlich relaxter als im Ueno Park.

Das Highlight des Parks liegt mit dem Meiji-Jingu Schrein allerdings nebenan. Der 1920 zu Ehren des Meiji-Kaisers und seiner Frau erbaute Shinto-Schrein gehört zu den schönsten in Japans Hauptstadt. Den Eingang kannst du nicht verfehlen, er wird durch ein überdimensionales Tori aus Holz markiert. Von hier aus läufst du noch ein Stückchen durch einen Wald bis zum eigentlich Schrein in der Mitte des Parks.

Und für alle, die es nicht bis nach Kyoto zu den weltweit bekannten roten Tori des Fushimi Inari-Taisha Schreins schaffen, bietet Akasaka eine Alternative. Mitten in der Stadt führt hier eine Reihe roter Tori den Hügel hinauf zum Hie Jinja Schrein. Der im 15. Jahrhundert errichtete Schrein wurde bereits zweimal wieder aufgebaut – zuletzt nach den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs 1967. Die ruhige Oase mitten in dem belebten Stadtteil ist trotzdem einen Abstecher wert.

Chiyoda und Nakameguro: Tokio zur Kirschblüte

Von Akasaka aus ist es dann auch nicht mehr weit zum Kaiserpalast mit seinem Garten. Und dieser Ausflug lohnt sich ganz besonders zur Kirschblüte. Dann säumen nämlich hunderte von Kirschbäumen die Ufer entlang des Burggrabens und verwandeln die Uferpromenade „Chidori-ga-fuchi” in einen der beliebtesten Orte zum Hanami, dem Betrachten der Kirschblüten. Das Besondere hier: Du kannst dir ein Boot leihen und vom Wasser aus die Blütenpracht bewundern. Diese Idee haben zur Sakura allerdings ziemlich viele Menschen, so dass du ausreichend Zeit mitbringen solltest. Besonders romantisch ist die Bootstour abends zur Dämmerung, wenn die Kirschbäume angestrahlt werden.

Ein Highlight zur Kirschblüte: eine Bootstour durch den Burggraben des Kaiserpalastes
Ein Highlight zur Kirschblüte: eine Bootstour durch den Burggraben des Kaiserpalastes

Die Kirschblüte ist in Tokio ohnehin eine ganz besondere Zeit. In den zwei Wochen befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand. Dann überträgt das Fernsehen live von der Kirschblüte, gibt es spezielle Produkte rund um die weißen und zartrosa Blüten, werden ganze Lounges im Park aufgebaut (z.B. die Chandon Lounge im Park von Tokyo Midtown). Am Wochenende und Abend sind zudem tausende von Menschen unterwegs, um gemeinsam mit Freunden und Familie im Park zu Picknicken oder während eines Spaziergangs die Blütenpracht zu bewundern.

Mein mit Abstand absolutes Highlight ist übrigens ein Spaziergang entlang des Meguro Rivers im Stadtteil Nakameguro. Der Fluss ist über Kilometer gesäumt von mehr als 800 Kirschbäumen, die in voller Blüte ein weißes Dach über dem Kanal bilden. Abends werden die Bäume wunderschön illuminiert und leuchtende Laternen zieren die Ufer. Noch mehr Romantik geht wirklich nicht. Entlang des Flusses gibt es außerdem zahlreiche Essensstände und wenn du früh genug da bist, kannst du parallel noch einen Blick in die zahlreichen kleinen Läden und Boutiquen werfen. Erst Ende Februar hat in dem angesagten Stadtteil Tokios Starbucks Reserve Roastery eröffnet.

Die beleuchteten Kirschbäume entlang des Meguro Flusses sind ein Highlight zur Kirschblüte
Die beleuchteten Kirschbäume entlang des Meguro Flusses sind ein Highlight zur Kirschblüte

Roppongi: Ein Blick auf die Metropole von oben

Und um dir zum Abschluss deines Tokiobesuchs alle Orte nochmal von oben anzuschauen, bietet sich das Ausgehviertel Roppongi mit seinem Museums- und Einkaufskomplex Roppongi Hills an. Im Zentrum steht der Mori Tower, dessen oberste Etage mit dem Tokio City View eine tolle Aussicht über die Stadt bietet. Das Highlight ist allerdings das Sky Deck noch eine Etage höher. Hier stehst du direkt am Hubschrauberlandeplatz und hast einen freien Blick über die Metropole – ganz ohne schützende Glasscheiben. Auch hier musst du früh Tickets reservieren, spontan kommst du nur selten nach oben. Und du solltest dir einen Tag mit gutem Wetter aussuchen, denn bei Sturm und Regen bleibt die Plattform gesperrt.

An einem Schönwettertag ist der Ausblick allerdings gigantisch: Hier liegt dir Tokio zu Füßen. Und in den Abendstunden, wenn sich die Dämmerung langsam über die Megametropole legt, ist es auch hier am schönsten. Dann fängt irgendwann der Tokio Tower, Japans Variante des Eiffelturms, an zu leuchten und gehen in den Hochhäusern die Lichter an. Die perfekte Kulisse für einen letzten Blick auf die größte und eine der aufregendsten Städte der Welt.

Romantisch: der abendliche Blick über das Tokioter Lichtermeer
Romantisch: der abendliche Blick über das Tokioter Lichtermeer

 

Praktische Tipps

Tokios einzelne Viertel lassen sich wunderbar zu Fuß erkunden, um von A nach B zu kommen, wirst du aber kaum auf die öffentlichen Verkehrsmittel verzichten können. An Tagen, wo du viel unterwegs bist, lohnt sich ein Tagespass. Aber Achtung: Tokio hat zwei Transportunternehmen – und je nachdem, welche U-Bahn-Linien du nutzt, kaufst du besser gleich ein Kombiticket. Wenn du länger bleibst, sind die Suica oder Pasmo Karten eine Alternative. Hier zahlst du für die einzelne Fahrt, kannst mit deinem Guthaben aber auch am Automaten das Tagesticket kaufen. Und diese Karten gelten zudem in anderen Städten wir Kyoto oder Osaka. Eine Übersicht bietet die Seite von Go Tokyo. Mit Docomo gibt es im Zentrum außerdem ein Fahrradleihsystem.

Hotelzimmer sind in Tokio teuer und klein. Nicht umsonst wurden hier die Kapselhotels erfunden. Als Ausgangspunkt bietet sich eine Unterkunft im Zentrum an. Wir haben im Mystays Premier Akasaka, im Intergate Tokyo Kyobashi, im Nexus Door und im Ici Hotel Akasaka übernachtet und können alle Hotels empfehlen. Einige stellen für die Zeit des Aufenthalts sogar ein Handy zur Verfügung – sehr praktisch um auch unterwegs online zu sein. Aktuelle Events, Hintergrüunde zu den verschiedenen Stadtteilen und zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten findest du auf dem offiziellen Tourismusportal unter www.gotokyo.org. Und noch mehr Tipps für Japan gibt’s in meinem Artikel „Von Tokio bis Kyoto: Tipps für 2 Wochen in Japan“.

Vielen Dank an das Tokyo Convention & Visitors Bureau für die Unterstützung des Aufenthalts. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

Warst du schon mal in Tokio? Ich freue mich wie immer über Kommentare. Und wenn dir der Artikel gefallen hat, teil ihn doch gerne mit deinen Freunden! Damit du keine neue Geschichte mehr verpasst, kannst du mir außerdem auf Facebook, Pinterest, Instagram, Bloglovin‘ und Tripadvisor folgen. Oder du abonnierst dir My Happy Places als Newsletter. 

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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