Vom roten Felsen mit der Langen Anna, den bunten Hummerbuden im Hafen, bis zur Düne mit ihren Sandstränden und Kegelrobben: Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel und nicht nur deshalb etwas besonderes. Ein Wochenendbesuch.

Der Nebel vom frühen Morgen hat sich längst verzogen, die Sonne scheint. Strahlend blau und ungewöhnlich ruhig liegt die Nordsee vor uns. Und dann ist am Horizont plötzlich wieder Land in Sicht: Helgoland, die Insel auf hoher See. Rund 70 Kilometer vom Festland entfernt, ragt der rote Felsen aus dem Meer. Direkt daneben noch eine zweite Insel, die Düne. Wären wir mit dem Flugzeug unterwegs, würden wir dort landen.

„Welkoam lip Lunn“ – Willkommen auf Helgoland

Wir haben uns aber für eine Fahrt die Elbe entlang mit dem Halunder Jet entschieden – und so gleitet der Hochgeschwindigkeitskatamaran nun mit bis zu 36 Knoten Richtung Helgoländer Südhafen. Die Bäderschiffe, die täglich aus Büsum oder Cuxhaven Kurs auf die Insel nehmen, ankern draußen auf der Reede und das letzte Stück an Land übernehmen dann die Börteboote, eine Helgoländer Tradition. „Welkoam lip Lunn“ steht an den Landungsbrücken. Das ist Halunder, der friesische Dialekt der Insel, und heißt: Willkommen auf Helgoland.

Wir müssen nicht auf hoher See umsteigen, sondern können am Hafen entlang Richtung Unterland spazieren – direkt vorbei an einer von Helgolands bekanntesten Sehenswürdigkeiten, den bunten Hummerbuden am Binnenhafen. Was früher Unterkunft und Lager der Helgoländer Fischer war, ist heute eine farbenfrohe Visitenkarte der Insel. Galerien, Restaurants, Cafés und auch einige Vereine haben hier mittlerweile ihr Zuhause gefunden. Eine Ausstellung erinnert außerdem an einen der bekanntesten Helgoländer, den Kinderbuchautor James Krüss.

Von der Promenade am Südstrand sind die ankernden Seebäderschiffe zu sehen
Von der Promenade am Südstrand sind die ankernden Seebäderschiffe zu sehen

Helgoland ist Deutschlands einzige Felseninsel und ein winziges Eiland in der Nordsee, aufgeteilt in Unter-, Mittel- und Oberland. Auf gerade mal einem Quadratkilometer leben hier 1.400 Menschen, dazu kommen 2.000 Betten für Gäste. Ein großer roter Felsen aus Buntsandstein, grüne Wiesen, bunte Häuser – so lässt sich das Erscheinungsbild ganz gut beschreiben.

Natur pur auf dem Klippenrandweg

Helgoland, das ist aber vor allem auch spektakuläre Natur – und die werden wir als erstes erkunden. An den Hummerbuden vorbei laufen wir also Richtung Oberland und nehmen dort den Klippenrandweg. Über drei Kilometer bieten sich hier oben spektakuläre Ausblicke auf die roten Felsen und die Nordsee. Und ganz nebenbei erfahren wir auf den verschiedenen Infotafeln entlang des Weges einiges über Geschichte und Kultur der Insel.

Auf dem Rundweg im Oberland bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf die Felsklippen
Auf dem Rundweg im Oberland bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf die Felsklippen

Unser Ziel ist die Lange Anna, das Wahrzeichen von Helgoland. 47 Meter hoch ragt der markante Felsen ganz im Norden der Insel aus dem Wasser. Auf dem Weg dorthin liegt links der Lummenfelsen, das kleinste Naturschutzgebiet der Welt und ein Highlight vor allem für Vogelliebhaber. Für Ornithologen scheint Helgoland ohnehin ein Paradies. Und so siehst du nicht nur hier im Oberland immer wieder Vogelkundler mit Fernglas und Teleobjektiven über die Insel pirschen.

Helgoland: Ein Paradies für Ornithologen

Über 400 Vogelarten leben auf Helgoland oder legen hier einen Zwischenstopp ein. Ihr wichtigster Anlaufpunkt: der Lummenfelsen. Mehr als 5.000 Vogelpaare lassen sich hier jedes Jahr zwischen April und September beobachten. Dreizehenmöven, Basstölpel, Eissturmvogel oder Austernfischer sind nur einige von ihnen.  Spektakulär wird es im Juni beim „Lummensprung“, wenn sich der Nachwuchs der Trottellummen aus schwindelerregender Höhe ins Meer stürzt.

Hier im Oberland liegt auch der höchste Punkt der Insel, der Pinneberg. Der Name ist nicht zufällig: Helgoland gehört zum Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Und der höchste Punkt der Insel auf 61,3 Metern über dem Meeresspiegel ist gleichzeitig auch die höchste Erhebung des ganzen Landkreises. Oben am „Gipfel“ findest du nicht nur ein Gipfelkreuz, sondern auch ein Gipfelbuch, in das du dich in alter Bergsteigertradition eintragen kannst.

Und wie sich das für einen echten Gipfel gehört, hast du von hier oben auch einen tollen Blick über die Insel: Rechts der Sende- und Leuchtturm, in der Mitte überragt der Kirchturm von St. Nicolai die Dächer im Oberland und links geht der Blick bis hinüber zur Düne mit ihren Sandstränden.

Der Pinneberg bietet einen tollen Ausblick über die Insel und bis zur Düne
Der Pinneberg bietet einen tollen Ausblick über die Insel und bis zur Düne

Spuren einer bewegten Geschichte

Auf Helgoland war es allerdings nicht immer so friedlich und beschaulich wie heute. In früheren Zeiten ein Seeräubernest, gehörte die Insel im 18. Jahrhundert zu Dänemark und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts britisch. 1890 ging Helgoland zurück an Deutschland und war in den Weltkriegen vor allem Marinestützpunkt. Die Überreste der Militäranlagen versuchten die Engländer 1947 zu vernichten: Der so genannte „Big Bang“ war eine der größten Explosionen der Weltgeschichte und sollte die Felsinsel komplett zerstören.

Durch die Bombardierungen kurz vor Kriegsende und diese gigantische Sprengung erhielt die Insel ihr heutiges Aussehen, blieb aber bestehen. Das vorher flache Oberland wird seither von sanften Hügeln durchzogen. Bombenkrater sind weiter sichtbar und auch einige Bunker blieben erhalten und können im Rahmen von Führungen erkundet werden.

Heute gibt’s an dieser Stelle aber vor allem die Idylle einer Hochseeinsel: Heidschnucken und Galloway-Rinder grasen auf den grünen Hügeln im Oberland und sorgen als vierbeinige Rasenmäher dafür, dass das Gras immer schön kurz bleibt – und das bei einem atemberaubenden Ausblick aufs Meer.

Eifrige Rasenmäher: Heidschnucken halten im Oberland das Gras kurz
Eifrige Rasenmäher: Heidschnucken halten im Oberland das Gras kurz

Zeitreise in die Vergangenheit

Ein Ausflug nach Helgoland, das ist auch eine Reise in die Vergangenheit. Nachdem das einst mondäne Seebad im Krieg endgültig zerstört und die Insel 1952 an Deutschland zurückgegeben wurde, musste sie komplett neu aufgebaut werden und bekam ein völlig neues Gesicht.

Grundlage dafür war der Architekturplan einer Wiederaufbaukommission, dessen Ergebnisse bis heute sichtbar sind. Selbst die Farbe der Hauswände wurde darin festgelegt, weshalb Helgolands Häuser immer noch in 14 aufeinander abgestimmten Farben leuchten. Eine in diesem Umfang erhaltene 50er-Jahre-Architektur ist einzigartig – und so stehen mittlerweile zahlreiche Gebäude unter Denkmalschutz, darunter die St.-Nicolai-Kirche, das Rathaus und auch die Hummerbuden.

Als Hochseeinsel ist Helgoland zollfrei und so wurde der Einkauf auf dem Eiland schon früh ein wichtiger Faktor für den Tourismus. Butterfahrten auf die Insel und Alkohol, Zigaretten, Parfum oder Schmuck ohne Mehrwertsteuer, das lockte in den 70er Jahren jährlich bis zu 700.000 Tagesgäste an. Mit entsprechendem Ergebnis: Der Ruf der Insel als „Fuselfelsen“ wirkt nachhaltig.

Der Lung Wai ist Helgolands Haupteinkaufsstraße
Der Lung Wai ist Helgolands Haupteinkaufsstraße

Die Zahl der Tagesgäste hat sich seither halbiert – vielleicht auch deshalb, weil das Angebot mittlerweile aus der Zeit gefallen scheint. Am Hafen und in den Haupteinkaufsstraßen rund um den Lung Wai reiht sich weiter ein Tax-Free-Shop an den nächsten und das gastronomische Angebot scheint auch eher auf ein Billig-Publikum zugeschnitten zu sein. Moderne Konzepte finden sich nur sehr vereinzelt und das einstige Hotel-Leuchtturmprojekt Atoll direkt am Hafen ist noch auf Jahre von einem Windkraftunternehmen komplett reserviert. Und dabei hat diese Insel so viel Potenzial. Das sieht auch der neue Tourismusdirektor, der seit einigen Wochen im Amt ist. Neben der einzigartigen Natur der Insel will er die Themen Kunst und Kultur mehr in den Mittelpunkt rücken.

Strand, Ruhe und Kegelrobben auf der Düne

Apropos Tagestouristen: Wenn die letzten Schiffe am Nachmittag Richtung Festland gestartet sind, haben die Helgoländer die Insel wieder für sich. Erst dann wird Helgoland richtig authentisch und deshalb lohnt es sich auch, mindestens eine Nacht zu bleiben.

Die Helgoländer Düne ist über eine Fähre mit der Hauptinsel verbunden
Die Helgoländer Düne ist über eine Fähre mit der Hauptinsel verbunden

Wir nutzen den Nachmittag, um die Düne zu erkunden. Nach fünf Minuten Fahrt mit der kleinen Fähre landen wir in einer komplett anderen Welt. Die Düne ist die Badeinsel der Helgoländer und lockt mit zwei langen Sandstränden. Ursprünglich ein Teil der Hauptinsel, wurde sie 1721 während einer Sturmflut vom Festland abgeschnitten. Und so findest du hier heute Ruhe und Entspannung pur. Es gibt ein Dünenrestaurant, einige Ferienbungalows, einen kleinen Campingplatz – und ganz viel Natur.

Das sind übrigens auch beste Voraussetzungen für die berühmtesten Dünenbewohner: Seehunde und Kegelrobben. Über 350 Robbenbabys wurden im letzten Winter hier geboren. Und so nah wie auf der Helgoländer Düne kommt man den Tieren sonst fast nirgends in freier Wildbahn. Aber Achtung: So süß sie auch aussehen, die Kegelrobben sind Deutschlands größte Raubtiere. Mindestens 30 Meter Abstand werden empfohlen und Ranger achten darauf, dass sich Mensch und Tier nicht zu nah kommen.

Wir beobachten also mit gebührendem Abstand wie die Tiere faul in der Abendsonne liegen oder im Meer schwimmen. Immer mal wieder taucht ein schwarzer Rücken oder ein Kopf im Wasser auf. Und dann geht auch schon langsam die Sonne unter und taucht den Strand und das Meer in goldenes Licht. Ein perfekter Abschluss für unseren Tag auf hoher See.

 

Praktische Tipps:

Von Hamburg ist der Katamaran Halunder Jet der FRS Helgoline, der als einziger direkt im Südhafen anlegt, der schnellste Weg auf die Insel. Er stoppt auch in Wedel und Cuxhaven. Von Bremerhaven, Büsum, Sylt und Cuxhaven steuern außerdem verschiedene Seebäderschiffe Helgoland an. Per Börteboot geht’s dann von der Reede zu den Landungsbrücken. Der OFD bietet von Büsum und Cuxhaven Flugverbindungen zur Düne an, die per Fähre mit der Hauptinsel verbunden ist.

Auf Helgoland sind Autos und sogar Fahrräder verboten, die einen Quadratkilometer große Insel lässt sich aber auch wunderbar zu Fuß entdecken. Für längere Wege gibt es einige Elektrotaxen. Übernachtungsmöglichkeiten sind vom Campingplatz über Jugendherberge und Appartements bis zum 4-Sterne-Hotel vorhanden. Auf Grund der begrenzten Kapazität solltest du allerdings unbedingt reservieren. Weitere Informationen und einen Anreiseplaner findest du auf der Website der Kurverwaltung Helgoland unter www.hegoland.de.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

2 Kommentare

    • Vielen Dank, liebe Clarissa! Für uns war die Fahrt mit dem Katamaran die Elbe lang schon ein Erlebnis. Bäderschiffe und vor allem fliegen ist aber bestimmt auch toll.

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