Einsame Strände, eine ordentliche Prise frische Nordseeluft und ganz viel Gemütlichkeit: Deutschlands beliebteste Ferieninsel hat auch in der kalten Jahreszeit einiges zu bieten. Hier nehme ich dich mit zu einem Ausflug nach Sylt im Winter.

Der Strandhafer biegt sich im Wind, während ein paar Schneeflocken vom Himmel fallen. Es ist Winter auf Sylt und die Dünen sind mit einem leichten Hauch von Puderzucker überzogen. An diesem Sonntagvormittag Ende Februar sind wir hier am Strand fast ganz alleine unterwegs.

Am Lister Ellenbogen, ganz im Norden der Insel, ist schon im Sommer nur wenig los. Im Winter allerdings teilst du dir Deutschlands nördlichstes Naturschutzgebiet fast ausschließlich mit den zahlreichen Schafen, die hier auch in der kalten Jahreszeit das Gras kurz halten – und mit etwas Glück der ein oder anderen Robbe.

Sylt ist längst eine Ganzjahresdestination. Die meisten Gäste kommen natürlich immer noch im Sommer, wenn es warm ist und die Nordsee zum Baden einlädt. Auch im Winter hat die Insel aber ihre Fans. Wer jetzt nach Sylt kommt, der sucht die Ruhe, die Einsamkeit und die Entspannung bei langen Spaziergängen am Meer. Über 40 Kilometer zieht sich der Strand auf der Westseite der Insel entlang. Und hier, jenseits der Dünen, kannst du dich im Winter so richtig durchpusten lassen, neue Energie und ganz viel Vitamin Sea tanken.

Die Insel kommt in der Nebensaison zwar auch zur Ruhe und die ein oder anderen Gastgeber nutzen die Zeit, um selbst mal Urlaub zu machen. Und trotzdem ist hier auf Sylt im Winter weiter einiges los, laden die Geschäfte in Westerland zum Bummeln ein und die Cafés und Restaurants zur gemütlichen Einkehr nach einem ausgedehnten Strandspaziergang.

Sylt im Winter: Einmal durchpusten bitte!

Und mit etwas Glück erwischt du für deinen Ausflug ein genauso sonniges Winterwochenende mit strahlendem Sonnenschein und einem wunderbar blauen Winterhimmel wie wir. Das perfekte Wetter also, um sich ganz dick einzupacken, den wärmenden Schal und die Handschuhe zu schnappen, die Mütze tief ins Gesicht zu ziehen – und dann nichts wie ab ans Meer!

Selbst im Hochsommer findet sich auf Sylt ja eigentlich immer irgendwo ein ruhiges Plätzchen. Im Winter hast du dort, wo sich sonst die Strandkörbe aneinanderreihen, aber tatsächlich diesen ganzen gigantischen Strand einfach nur für dich – und das teilweise sogar mit Ausblick. Ich mag zum Beispiel den Wanderweg zwischen Wenningstedt und Kampen sehr. Hier kannst du direkt oberhalb vom Roten Kliff durch die Dünen wandern und hast die Nordsee und den kilometerlangen Sandstrand immer im Blick.

Und das Schöne: Wenn du dich genug hast durchpusten lassen, wartet in Kampen eine der Sylter Institutionen auf deinen Besuch: die Kupferkanne. Das auf der Wattseite mitten in einem Kiefernwäldchen gelegene Künstlercafé ist Hygge pur. Hier kannst du dir es in einer der Ecken des verwunschenen Gewölbekellers so richtig gemütlich machen. Dazu gibt’s ein Stück Kuchen aus der Backstube und einen Tee oder Kaffee aus der hauseigenen Rösterei.

Das unentdeckte Sylt: ein Ausflug nach Morsum

Wir nutzen die ruhige Zeit auf Sylt im Winter aber zuerst noch für einen Ausflug in den oft unterschätzten Osten der Insel. Hier gibt es statt kilometerlangem Strand das Watt, Wiesen und Felder. Und die werden immer noch bewirtschaftet. So findest du hier rund um Archsum und Morsum viele landwirtschaftliche Betriebe und alte friesische Bauernhäuser.

Jetzt im Winter ist auch auf den Höfen Ruhe eingekehrt. Die Hofläden sind aber trotzdem weiter geöffnet. So kannst du zum Beispiel auf dem Hansenhof Kartoffeln oder frische Eier kaufen. Und auch Jens Nielsen, der letzte Sylter Milchbauer, betreibt hier seine Meierei. Die Milch ist unter anderem Basis für die „Muh Spezial“ Tafel der Sylter Schokoladenmanufaktur, du kannst sie hier auf der Insel aber auch im Supermarkt kaufen.

Auch wegen der Bäckerei Ingwersen lohnt sich ein Ausflug nach Morsum. Das Café ist eine Mischung aus Sylter Tradition und modernem Ambiente. Jetzt in der kalten Jahreszeit ist es im Wintergarten vor dem Kamin besonders gemütlich. Auf der Karte stehen über 30 verschiedene Kaffee- und Teesorten – und neben einem heißen Friesentee darf hier auf der Insel natürlich auch das Stück Friesentorte nicht fehlen.

Wenn danach noch Zeit bleibt, lohnt sich ein Abstecher zum Morsum-Kliff. Hier am östlichen Ende von Sylt befindet sich nicht nur das älteste Naturschutzgebiet Schleswig-Holsteins. Die Steilküste gibt außerdem Einblicke in bis zu zehn Millionen Jahre alte Erdschichten.

Sylter Tradition: Strandsauna und Sonnenuntergang am Roten Kliff

Nach all der frischen Seeluft kommt zum Aufwärmen eine weitere Sylter Tradition ins Spiel: die Strandsaunen. Von List im Norden bis Hörnum im Süden verteilen sich insgesamt vier Saunen am Strand entlang über die Insel. Einige sind über die Wintermonate geschlossen, in der Strandsauna Samoa kannst aber auch jetzt in der kalten Jahreszeit zumindest an den Wochenenden mitten in den Dünen und mit Blick aufs Meer relaxen und schwitzen.

Tradition hat auf Sylt die Strand-Sauna wie hier in Rantum
Tradition hat auf Sylt die Strand-Sauna wie hier in Rantum

Und frisch aufgewärmt bietet Sylt dann zum Abschluss des Tages noch eines seiner spektakulärsten Naturschauspiele: den Sonnenuntergang über dem Meer. Der wird hier auf der Insel jeden Abend zelebriert – und einer der Orte, die sich dafür besonders anbieten ist der Strand am Roten Kliff in Kampen. Die Steilküste hier besteht aus eisenhaltigem Lehm, den die untergehende Sonne auch im Winter rot schimmern lässt.

Wenn sich auch der Himmel nach und nach rötlich einfärbt und die Sonne irgendwann langsam in der Nordsee versinkt, das ist Romantik pur und ein perfekter Abschluss für einen langen Wintertag auf Sylt.

Praktische Tipps

Mit dem Zug bist du von Hamburg aus in drei Stunden auf Sylt. Mit dem Auto hast du ab Niebüll die Wahl zwischen dem Sylt Shuttle der Bahn oder dem etwas günstigeren Autozug Sylt. Außerdem kannst du im dänischen Havneby die Syltfähre nehmen und auch verschiedene Airlines fliegen auf die Insel. Unterkünfte gibt es in allen Preiskategorien: von Campingplatz und Jugendherberge bis zum Luxushotel, das gleiche gilt für das umfangreiche Restaurantangebot. Wir haben dieses Mal im Easy Living Hotel übernachtet, dem neuen Lifestlyehotel in List. Weitere Infos findest du auf der offiziellen Tourismusseite der Insel unter www.sylt.de. Tipps für einen Ausflug nach Sylt im Sommer gibt’s zudem in meinem Artikel „Strand, Dünen, Meer: Ein Wochenende auf Sylt“. Und wie immer freue ich mich über Kommentare.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

4 Kommentare

  1. Hallo Britta,
    wir hätten Sylt niemals als Winterreiseziel auf dem Schirm gehabt. Dank deines Beitrages und der tollen Fotos hat sich das geändert!

    Liebe Grüße

    Lisa & Benedikt

    • Hey ihr zwei,

      freut mich sehr, dass euch der Beitrag inspiriert hat.
      Sylt ist definitiv auch im Winter eine Reise wert 🙂

      Liebe Grüße
      Britta

  2. Ich liebe Sylt im Winter! Wenn man Glück hat, spielt das Wetter mit ganz viel Sonne mit. Dann ist der eisige Wind nicht mehr schlimm.
    Herzliche Grüße
    Sabine

    • Hallo liebe Sabine,

      dann kennst du die Insel offensichtlich auch im Winter. Und ja, bei Sonnenschein ist Sylt besonders schön. Auch für die kalten Regentage gibt‘s aber genug Alternativen – und sei es ein Kännchen Tee mit Friesentorte 🙂

      Viele Grüße
      Britta

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