„Ich will wieder an die Nordsee, ich will zurück nach Westerland!“ Die musikalische Liebeserklärung der Ärzte an Deutschlands berühmteste Insel ist Motto für alle, die es immer wieder nach Sylt zieht. Ich war für ein Sommerwochenende dort.

Sicher ein Grund für die große Liebe zu dieser Insel ist ihr schier unendlicher Sandstrand. Hinter den Dünen zieht er sich an der Westküste fast 40 Kilometer vom Norden bis zum Süden über die Insel. Feiner weißer Sand soweit das Auge reicht – und damit genug Platz für alle. Hier lässt sich selbst im Hochsommer ein ruhiges Plätzchen finden. Und so bietet Sylt trotz seines leicht überkandidelten Images eigentlich für jeden einen Lieblingsplatz. Ob das im Lied besungene Westerland, die High-Society-Hochburg Kampen oder das familiäre Hörnum im Süden – die Insel ist vielfältig.

Schöner Spaziergang am Abend: von Wennigstedt nach Kampen
Über 40 Kilometer zieht sich Sylts Sandstrand an der Westküste der Insel entlang

Wer morgens durch die Westerländer Einkaufssträßchen bummelt, kann nachmittags schon am Lister Ellenbogen eine Strandwanderung zum Leuchtturm machen und abends in einer der vielen Strandbars einen Sundowner trinken. Sylts kulinarische Hotspots sind weit über die Inselgrenzen hinaus bekannt und beliebt – und wer will, kann hier den ganzen Tag nur mit Essen, Trinken und Genießen verbringen.

Sonnenuntergang am Roten Kliff

Es ist schon Abend, als wir am Freitag in Westerland ankommen. Im Sommer, wenn die Sonne erst spät untergeht, fühlt sich das aber gar nicht so an. Draußen auf dem Bahnhofsvorplatz begrüßen uns die Reisenden Riesen im Wind. Die Skulptur macht das Wetter auf der Insel wunderbar sichtbar: Auf Sylt weht öfters mal eine steife Brise, auch jetzt. Die Sonne strahlt aber genauso vom Himmel, perfektes Wetter also für einen ersten Strandspaziergang.

Unser Ziel dafür heißt Kampen. In dem Promiort zeigt die Natur rund um das Rote Kliff Abend für Abend eines ihrer Schauspiele. Bei Sonnenuntergang nämlich färbt das Licht die Abbruchkante der Steilküste rot ein. Die perfekte Kulisse für einen romantischen Abendspaziergang am Meer: Rechts die tosenden Wellen der Nordsee, links die Dünenlandschaft.

Perfekt für einen Sundowner: die Strandkörbe in Wenningstedt
Perfekt für einen Sundowner: die Strandkörbe in Wenningstedt

Vorbei an der Uwe-Düne, mit ihren 52 Metern Sylts höchster Punkt, laufen wir am Wasser entlang bis nach Wenningstedt. An der Promenade treffen sich am Abend nicht nur Liebhaber von Sonnenuntergängen, um gemeinsam aufs Meer zu schauen. Wir haben Glück: Wir ergattern noch einen der Strandkörbe, holen uns bei Gosch nebenan einen Drink und lassen den ersten Abend auf der Insel mit diesem Ausblick ausklingen.

Zurück nach Westerland

Am Samstagvormittag steht traditionell ein Bummel durch Westerland auf dem Programm. Im Zentrum wird das Inselstädtchen leider von einigen Sünden des Baubooms der sechziger und siebziger Jahre dominiert und an der Kurpromenade prägen Betonklötze das Bild. Trotzdem lässt sich selten Stadt und Meer so gut miteinander kombinieren: Die Friedrichstraße als zentrale Fußgängerzone endet direkt am Stadtstrand. Klar, dass dort eigentlich immer etwas los ist.

Vor einem Ausflug an den Strand ist für mich als Schokoholic aber noch die Sylter Schokoladenmanufaktur in der Strandstraße Pflichtprogramm. Nur die Auswahl zwischen den über 300 Sorten ist nicht ganz so einfach. Und meistens verlasse ich den Laden auch nicht, ohne ein Stück der leckeren Kuchen und Torten im Café Wien gleich nebenan vernascht zu haben.

Westerland kann übrigens auch ganz anders und hat sich rund um die alte Dorfkirche St. Niels den Charme eines Friesendorfs erhalten. Mit ihren fast 400 Jahren ist die Backsteinkirche die älteste der Insel und kleine verwunschene Wege führen zu den kleinen Friesenhäuschen mit ihren hübschen Bauerngärten.

Kleine Wege verbinden die Häuschen rund um die alte Dorfkirche in Westerland
Kleine Wege verbinden die Häuschen rund um die alte Dorfkirche in Westerland

Mit dem Rad über die Insel

Am Nachmittag schnappen wir uns dann die Fahrräder und starten Richtung Süden. Heute ist es fast windstill – und so macht es richtig Spaß, Sylt auf zwei statt vier Rädern zu erkunden. Mit rund 200 Kilometern Radwegen ist die Insel bestens ausgebaut – und man sieht nicht nur viel mehr, sondern kommt auch an Orte, die für Autos gesperrt sind.

Ein solches Beispiel ist das Rantumbecken. Einst als Wasserlandeplatz für Flugzeuge gedacht, ist das eingedeichte Areal heute eines der bedeutendsten Seevogelschutzgebiete Deutschlands. Und so triffst du bei deiner Fahrt über den Deich hier nicht nur Spaziergänger und andere Radler, sondern auch zahlreiche Ornitologen auf Beobachtungstour.

Der Deich rund um das Rantumbecken ist perfekt für eine Radtour
Der Deich rund um das Rantumbecken ist perfekt für eine Radtour

Im Hafen von Rantum steht dann eine Kaffeepause auf dem Programm – und zwar nicht irgendeine: Der Sylter Christian Appel hat hier vergangenes Jahr eine Kaffeerösterei eröffnet. Mit etwas Glück kannst du ihm beim Rösten zuschauen oder auch einfach nur den leckeren Kaffee probieren und dich damit draußen auf der Terrasse in den Strandkorb setzen.

Vorbei an der Sylt-Quelle und dem Meerkabarett fahren wir am Ortseingang von Rantum auf ein Schild in den Dünen zu: Strandsauna ist da in großen Lettern zu lesen. Und tatsächlich schmiegt sich vorne am Strand eine Sauna in die Dünen. Perfekt für kühle Tage und eine tolle Idee: Direkt aus der Sauna zum Abkühlen ins Meer. Auf Sylt hat das Tradition – und so gibt es an der Westküste insgesamt fünf solcher Strandsaunen.

Zwischen zwei Meeren

Uns ist es heute aber warm genug, so dass wir entlang der stillgelegten Inselbahntrasse weiter Richtung Hörnum radeln. Hier hinter Rantum ist Sylt am schmalsten. Das Wattenmeer ist links immer mal wieder zu sehen und rechts hinter den Dünen ist auch die Nordsee nicht weit. Am Ende der Straße wartet Hörnum, die südlichste Gemeinde der Insel. Ganz bis dahin schaffen wir es heute nicht – und so muss ein Spaziergang vom Hafen aus um die Hörnumer Odde bis zum nächsten Mal warten.

Unser Ziel für den Abend ist die Sansibar. Deutschlands bekannteste Strandbude ist quasi ein Muss für einen Besuch auf der Insel. An Sylts Westküste verstecken sich von List bis Hörnum immer wieder Restaurants und Bars in den Dünen. Die Buhne 16 in Kampen hat ähnlichen Kultcharakter, es gibt aber auch weniger bekannte Locations, mit oft viel schöneren Ausblicken aufs Meer. Die Strandoase im Süden von Westerland oder Wonnemeyers Strandrestaurant in Wenningstedt sind solche Beispiele.

Direkt hinter der Sansibar verläuft der Strand – und so machen wir noch einen kleinen Spaziergang am Meer, bevor dann wirklich unser Magen knurrt. Kurzfristige Reservierungen sind in dem Kultrestaurant fast unmöglich, unter den großen Sonnenschirmen findet sich aber auch spontan immer noch ein Platz. Und was gibt es Besseres, als mit den Füßen im Sand lecker zu essen? Mein Tipp: Unbedingt noch Platz lassen und zum Dessert den Kaiserschmarrn teilen.

Zwischen Rantum und Hörnum schmiegt sich die Sansibar in die Dünen
Zwischen Rantum und Hörnum schmiegt sich die Sansibar in die Dünen

Für den Rückweg entscheiden wir uns übrigens für den Bus. Das Liniennetz ist auf der Insel bestens ausgebaut und direkt vorne an der Straße eine Haltestelle. Und auch für genug Fahrradplätze im Bus ist gesorgt.

Sylt ganz im Norden

Am Sonntag steht nach dem Frühstück Sylts Norden auf dem Programm, dieses Mal mit dem Auto. Vorbei an Wenningstedt fahren wir durch das mondäne Kampen Richtung List. In dem Hafenörtchen kommt die Fähre aus Dänemark an und hier wählt sich auch das Handy regelmäßig ins Netz des Nachbarlandes ein. Nördlicher geht es in Deutschland nicht.

So konnte Jürgen Gosch hier 1967 die nördlichste Fischbude des Landes eröffnen. 50 Jahre später steht Gosch für ein Fischimperium mit Standorten in ganz Deutschland. Fisch bei Gosch, auch das gehört auf Sylt dazu. Aus List kommt übrigens auch das Sylter Meersalz und Deutschlands einzige Austernzucht ist hier ebenso heimisch. Noch frischer bekommst du die Sylter Royal nirgends.

Lists schönste Attraktion ist aber die Dünenlandschaft am Ellenbogen. An Sylts nördlicher Spitze, die wie ein Haken oder eben auch ein Ellenbogen aussieht, treffen das ruhige Wattenmeer und die stürmische Nordsee aufeinander. Den Unterschied kannst du bei einem Spaziergang rund ums nördliche Inselende spüren.

In dem riesigen privaten Naturschutzgebiet am Königshafen triffst du selbst im Sommer fast mehr Schafe und Wildkaninchen als Menschen. Einsame, weite Sandstrände, kleine Wege durch die Wanderdünen und die zwei Leuchttürme sind nicht nur beliebte Fotomotive, sondern auch perfekt für einen ausgedehnten Spaziergang am Meer.

Friesische Geschichte in Keitum

Ganz nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ heben wir uns für den Nachmittag Keitum auf, meinen Lieblingsort auf der Insel. Bei einem Spaziergang durchs Ortszentrum kann ich mich immer gar nicht sattsehen an den vielen hübsch renovierten Kapitänshäusern, eingerahmt von den für die Insel so typischen Friesenwällen. Auf den Mauern blüht es genauso bunt wie in den Gärten und an den Hausmauern. Hortensien und Rosen schmücken viele der malerischen Reetdachhäuser.

Mit seinen hübschen Häuschen und den verschlungenen Wegen gilt Keitum als das friesische Dorf schlechthin auf der Insel. Wie so oft auf Sylt wurde das typische Dorfleben zwar mittlerweile durch Boutiquen und bekannte Markenshops ersetzt, bei einem Rundgang durch den Ort fühlst du dich trotzdem in alte Zeiten zurückversetzt. Damals, als die Sylter Kapitäne hier ihren Altenteil nach langen Jahren auf See genossen.

Der Walfang hatte die Insel ab dem 17. Jahrhundert reicht gemacht. Zwei Kieferknochen eines Finnwals erinnern an diese Zeit und markieren heute den Eingang zum Heimatmuseum am Kliff. Gleich daneben steht das Altfriesische Haus, ein Kapitänshaus aus dem Jahr 1739, das heute ebenfalls als Museum dient und einen Ausflug in die Sylter Tradition bietet.

Von hier ist es nicht mehr weit bis zu Nielsens Kaffeegarten, wo wir uns ein Stück typische Friesentorte schmecken lassen. Von der Terrasse hast du übrigens einen tollen Blick auf das Watt vor Keitum und das Kliff. Auch süß ist die Kleine Teestube im Ortszentrum. Mit den verwinkelten Ecken und den alten Möbeln ist es auch drinnen sehr gemütlich, jetzt im Sommer sitze ich aber viel lieber im Strandkorb im Garten und genieße die Sonne.

Und nach diesem süßen Zwischenstopp ist es nur noch halb so schlimm, dass unser Wochenende auf Sylt langsam zu Ende geht und wir Richtung Autozug aufbrechen müssen. Sylt verabschiedet uns mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem Watt – sicher nicht zum letzten Mal.

Tschüss Insel: Sonnenuntergang über dem Watt am Hindenburgdamm
Tschüss Insel: Sonnenuntergang über dem Watt am Hindenburgdamm

Praktische Tipps:

Sylt ist über den Hindenburgdamm mit dem Festland verbunden. Mit dem Zug bist du von Hamburg aus in drei Stunden da. Mit dem Auto hast du ab Niebüll die Wahl zwischen dem Sylt Shuttle der Bahn oder dem etwas günstigeren Autozug Sylt. Außerdem kannst du im dänischen Havneby die Syltfähre nehmen und auch verschiedene Airlines fliegen auf die Insel. Unterkünfte gibt es in allen Preiskategorien: von Campingplatz und Jugendherberge bis zum Luxushotel, das gleiche gilt für das umfangreiche Restaurantangebot. Weitere Tipps und Infos findest du auf der offiziellen Tourismusseite der Insel unter www.sylt.de.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

2 Kommentare

  1. Hallo Britta,

    für mich zählt Sylt auch zu meiner Lieblingsinsel :-).

    Wir kommen aus Münster und haben gut 450 km Anreise, trotzdem kommen wir immer wieder hierhin.
    Auch die Sansibar gehört bei uns immer zum Programm, ob zum Brunch, oder zum Abendessen, es ist bzw. war immer ein Highlight.

    Die Sansibar ist eigentlich immer ausgebucht, zum Abendessen fast unmöglich einen Tisch zu reservieren. Wir hatten auch schon 3 Wochen vor Anfahrt angefragt, aber leider immer zu spät.

    Jetzt beim Brunch hat uns unser Kellner einen Tipp gegeben, wie man noch an einen freien Tisch zum Abendessen kommen kann. Bei uns hat es geklappt, wie das geht, das habe ich hier mal genauer beschrieben:
    https://www.wolfgangwilbois.de/sansibar-auf-sylt-so-reservierst-du-einen-tisch-zum-abendessen/

    Viele Grüße aus Münster
    Wolfgang

    • Hallo Wolfgang,

      vielen Dank für den Tipp, das muss ich beim nächsten Mal direkt mal ausprobieren. Wir hatten bisher allerdings auch oft kurzfristig Glück.

      Viele Grüße nach Münster
      Britta

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