Lange Sandstrände und blaues Meer treffen auf pittoreske Inseldörfer wie aus dem Bilderbuch: Föhr gilt als das Familienziel unter den nordfriesischen Inseln – ein Wochenendbesuch in der Friesischen Karibik.

Es ist Freitagabend und wir haben in Dagebüll eine der letzten Fähren nach Föhr erwischt. Bisher war Deutschlands zweitgrößte Nordseeinsel immer nur ein Stückchen fernes Land beim Blick über das Meer von Sylt aus. Dieses Wochenende steht Föhr nun im Mittelpunkt – und ich bin sehr gespannt. Die Insel wirbt mit dem Beinamen „Friesische Karibik“. Das weckt Erwartungen.

Im Moment ist die Nordsee noch eher grau und die Wellen hoch. Uns weht hier oben auf dem Sonnendeck der MS Nordfriesland eine ordentliche steife Brise um die Nase. Dem Schiff macht das wenig aus. Es tuckert ruhig die Fahrrinne entlang Richtung Wyk. Unser Ziel können wir sogar schon sehen, trotzdem dauert die Überfahrt eine knappe Stunde.

Die Zeit vergeht aber wie im Flug – und schon sind wir angekommen in Wyk auf Föhr, dem ältesten Seebad an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Der Hafen liegt im Norden des Zentrums, nur ein paar hundert Meter von der Promenade am Sandwall entfernt. Selbst zu Fuß brauchen wir nur knapp zehn Minuten bis ins Hotel – und dann geht es direkt raus an den Strand.

Über 15 Kilometer zieht sich der Sandstrand an Föhrs Südküste entlang. Und das beste: Hier in Wyk fängt er direkt im Zentrum an. An der Strandpromenade kannst du Shoppen, während vorne am Wasser Urlauber im Strandkorb sitzen. Jetzt am Abend sind die Beachclubs und Strandbars the place to be: Im Pitschi’s, Schapers oder LIPSI kannst du deinen Drink mit den Füßen im Sand genießen und raus aufs Meer schauen.

Stadtbummel durch Wyk auf Föhr

Den Samstag starten wir mit einem Bummel durch Wyk. Rund 4.500 Einwohner leben in der Inselhauptstadt, 8.400 Insulaner sind es insgesamt auf Föhr. Trotz zwei großer Brände hat sich der Ort seinen Kleinstadtcharme erhalten. Am hübschesten sind die Carl-Häberlein-Straße und die umliegenden Gässchen, die noch im Original erhalten sind und unter Denkmalschutz stehen.

Hier in der Fußgängerzone befinden sich auch die meisten Läden, Cafés und Restaurants. Und es lohnt sich immer mal wieder einen Blick in die kleinen Seitenstraßen zu werfen: Die Weinbar Alte Druckerei versteckt sich zum Beispiel in einem süßen Innenhof. In den Geschäften und Boutiquen rund um Mittelstraße, Große Straße und den Sandwall findest du auch immer wieder kleine Läden mit lokalen Produkten. Mir hat zum Beispiel die Speisekammer gefallen: In dem stylisch eingerichteten Bistro kannst du auch Produkte der Hersteller von der Insel und den benachbarten Halligen kaufen.

Ganz in der Nähe liegen der Park an der Mühle, wo eine der alten Föhrer Windmühlen steht und das Friesenmuseum –  genau wie das Aquaföhr eine super Option für Schlechtwettertage. Im Park ist gerade das Storchennest eine Attraktion: Fünf Störche werden hier von ihren Eltern groß gezogen. Zurück schlendern wir am Strand entlang bis zum Yachthafen ganz im Norden der Stadt. Wo kann man schon direkt nach dem Shoppingbummel seine Füße ins Meer halten? Und bevor es weitergeht, machen wir noch im Klein Helgoland einen Zwischenstopp und genießen bei einem Kaffee den Blick aufs Wasser. Für den leckeren hausgemachten Kuchen ist es leider noch etwas zu früh, den probieren wir beim nächsten Mal.

Ein Ausflug ins Friesendorf Nieblum

Für den Nachmittag haben wir einen Ausflug nach Nieblum geplant. Das alte Friesendorf gilt als das hübscheste der Inseldörfer auf Föhr – und diesen Eindruck kann ich sofort bestätigen. Direkt hinter dem Ortsschild beginnt die Dorfidylle: Pittoreske alte Kapitänshäuser säumen die Kopfsteinpflasterstraßen und Lindenalleen. Hier ist wirklich ein Haus niedlicher als das andere. Überragt wird das Dorf von der St. Johannis-Kirche, die größte der drei Inselkirchen auf Föhr und deshalb auch Friesendom genannt.

Wir landen zum späten Mittagessen im Saimons, ein junges Restaurant direkt an der Hauptstraße mit einem Schwerpunkt auf Fischgerichten. Eine Alternative wäre das Namine Witt gewesen. Die Macher bieten einen Mix aus Restaurant, Bistro und Feinkost und setzen ebenfalls auf regionale Produkte. Die Hühner grasen auf einer Wiese vorm Dorf.

Im Anschluss bummeln wir weiter durch die Straßen und bewundern die vielen Reetdachhäuser mit den bunten Bauerngärten. Mit den blühenden Stockrosen und Rhododendren ist das schon fast ein bisschen kitschig – oder eben ein friesisches Dorf wie aus dem Bilderbuch. Als Teefan musst du übrigens unbedingt einen Zwischenstopp im Alten friesischen Teehaus einplanen. Auch als Kaffeeliebhaber wirst du in dem urigen Lädchen fündig. Und im Anschluss darf die Tasse Friesentee natürlich nicht fehlen. Wir genießen sie bei einem Stück leckeren Kuchen und einer frischen Waffel mit Pflaumenmus in der Föhrer Teestube.

Sonntagsbummel über den Wyker Fischmarkt

Auch der Sonntag startet in Wyk. Während der Sommermonate findet direkt am Hafen der Fischmarkt statt. In Hamburg ist das ja nur etwas für Frühaufsteher, die Föhrer Variante eignet sich auch für Langschläfer. Ab 10 Uhr kannst du entlang der Stände rund um das alte Hafenbecken schlendern und dich inspirieren lassen. Neben dem obligatorischen Fisch findest du hier auch frisches Obst und Gemüse von der Insel, Kunsthandwerker und Designer.

Besonders schön: Hier präsentieren sich wirklich viele Hersteller und Produzenten von der Insel. Enken Brodersen verkauft auf dem Markt für alle, die es nicht ins kleine Lädchen in Oevenum schaffen, ihr Föhrer Snupkroom. Maike Jührs von Inselfein und Heide Ropeter von Marmelade & Co. ihre selbstgemachten Marmeladen und Aufstriche. Und selbst eine waschechte Krimiautorin findest du hier an der Alten Mole: Sabine Nielsen hat neben einigen Kinderbüchern mittlerweile ihren zweiten Föhr-Krimi veröffentlicht.

Nach dem Marktbummel schnappen wir uns wieder die Räder und setzen unsere Entdeckungstour über die Insel fort. Föhr ist perfekt für Radfahrer: Die Entfernungen sind nicht zu groß und über 200 Kilometer Radwege ziehen sich über die Insel. Nur den Wind darfst du nicht vergessen. Wenn der von hinten kommt, macht es allerdings wieder richtig Spaß.

Mit dem Rad in den Föhrer Westen

Für uns geht es heute über Alkersum, Midlum und Oevenum wieder Richtung Nieblum. Falls du länger auf der Insel bist, solltest du donnerstags den Markt in Oevenum nicht verpassen. In Alkersum kommen wir außerdem am Museum Kunst der Westküste – und setzen das für einen nächsten Besuch auf die Todoliste. Bei dem tollen Sommerwetter heute geht es weiter Richtung Badestrand. Schließlich müssen wir noch überprüfen, ob tatsächlich etwas dran ist, an der friesischen Karibik.

Hier in Nieblum sieht die Küste tatsächlich anderes aus: Bis zum Goting Kliff triffst du auf eine Dünenlandschaft, wie du sie von Sylt oder Amrum kennst. Und obwohl es auf Föhr im Vergleich zu den beiden Nachbarinseln eher ruhig zugeht, reicht der Wind fürs Surfen. Das kannst du in der Surfschule hinter den Dünen auch gleich testen. Wir legen uns stattdessen für einen Moment in die Sonne und genießen die Ruhe und den Ausblick hinüber zu den Warften der Hallig Langeneß.

Südlich von Goting radeln wir anschließend am Meer entlang Richtung Borgsum. Hier steht eine weitere der fünf noch erhaltenen Föhrer Windmühlen. Und falls du morgens auf dem Markt noch keine Erdbeeren gekauft hast, bietet sich jetzt nochmal die Gelegenheit: Auf dem Bauernhof Nielsen kannst du die Föhrer Erdbeeren sogar selbst pflücken. Weiter geht es entlang der Salzwiesen und des Vogelschutzgebiets der Godelniederung an Witsum und Hedehusum vorbei nach Utersum.

Zwischenstopp am Meer und im Künstlerdorf

In Utersum sind wir im westlichsten Inseldorf auf Föhr angekommen – und dem Ort mit garantiertem Badespaß: Durch das Priel direkt vor der Küste gibt es trotz Ebbe und Flut immer genügend Wasser. Für einen Zwischenstopp bietet sich das Café Treibholz oberhalb vom Haus des Gastes an. Hier hast du bei einem Getränk und kleinen Snack einen tollen Blick über den Strand und rüber zu den Nachbarinseln Amrum und Sylt. Abends ist Utersum außerdem die perfekte Location, um den Sonnenuntergang zu feiern.

Als nächstes Ziel steht das Künstlerdörfchen Oldsum auf dem Programm. Du kannst direkt am Deich entlang Richtung Dunsum fahren oder über Süderende. Wir entscheiden uns für die Strecke über die Insel und kommen nochmal an hübschen Reetdachthäusern und Bauerngärten vorbei. Und dann sehen wir auch schon die Oldsumer Mühle, neben den vielen Friesenhäusern das Wahrzeichen des Ortes.

Für eine kleine Pause hast du hier gleich zwei hübsche Orte zur Auswahl. Im Café im Apfelgarten kannst du dir draußen im Garten unter den Apfelbäumen den Kuchen schmecken lassen. Wir landen in Stelly’s Hüüs. Besitzer Rolf Stelly hat hier eine urige Mischung aus Töpferstube, Café und Teeladen geschaffen. Wir genießen auf der Terrasse vor der alten Reetdachtkate einen letzten Friesentee, bevor es zurück nach Wyk geht.

Die Fähre fährt mehrmals täglich von Dagebüll nach Wyk auf Föhr
Die Fähre fährt mehrmals täglich von Dagebüll nach Wyk auf Föhr

Schnell noch die Fahrräder zurückgeben und die Koffer holen – und dann ist diese Sommerwochenende auf Föhr auch schon wieder vorbei. Wenig später sitzen wir auf einer der letzten Fähren zurück aufs Festland. Mach’s gut Föhr! Wir waren sicher nicht zum letzten Mal da.

Praktische Tipps

Der beste Weg für die Anreise nach Föhr sind die Fähren der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR), die in den Sommermonaten fast stündlich fahren. Die Bahn hält direkt gegenüber am Bahnhof Dagebüll Mole. Wenn du mit dem Auto unterewegs bist und es auf die Insel mitnehmen möchtest, solltest du frühzeitig einen Platz auf der Fähre reservieren. Du kannst es aber auch auf dem Inselparkplatz in Dagebüll parken. Auf Föhr gibt es ein gut ausgebautes Bussystem, beliebtestes Fortbewegungsmittel ist aber sicher das Fahrrad. Einen Fahrradverleih findest du in fast jedem Dorf, eine Fahrradkarte der Insel mit Ortsplänen aller Inseldörfer erhältst du in der Touristinformation. Weitere Informationen – auch zu Übernachtungsmöglichkeiten – findest du auch auf der Website von Föhr Tourismus unter www.foehr.de.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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