Ein roter Sandsteinfelsen mitten im Nichts. In der Sprache der Aborigines heißt dieser Berg Uluru und ist ihr wichtigstes Heiligtum. Die bekannteste Sehenswürdigkeit Australiens gehört definitiv auf die Reiseliste: Tipps für 24 Stunden am Ayers Rock.

Es ist inzwischen viele Jahre her, dass ich im Englischunterricht zum ersten Mal vom Ayers Rock gehört habe. Es ging um Australiens Ureinwohner, die Aborigines, ihre Geschichten aus der Traumzeit und einen Berg mitten im australischen Outback: den Uluru. Seither habe ich den Ayers Rock, wie er außerhalb von Australien und vor allem in Europa weiter heißt, nicht mehr vergessen. Einmal vor diesem Millionen Jahre alten mystischen Felsen zu stehen, das stand seither weit oben auf meiner Bucket List.

Magie pur: 24 Stunden am Uluru

Es ist fast Mittag, als ich den Uluru aus dem Fenster des Flugzeugs zum ersten Mal sehe. Auf so gut wie jeder Postkarte aus Australien ist dieses Wahrzeichen des fünften Kontinents zu sehen – und jetzt erhebt er sich in voller Pracht dort unten im Outback. Um genau zu sein: 348 Meter ragt der Uluru aus der sonst flachen zentralaustralischen Wüste heraus. Und dieses rote Mysterium ist quasi nur die Spitze des Eisbergs: Unter der Erde geht der Fels noch kilometerweit weiter. Bis zu zwei Drittel sollen unterhalb des roten Sandes liegen.

Heiligtum mitten im Outback: ein erster Blick auf den Uluru aus dem Flieger
Heiligtum mitten im Outback: ein erster Blick auf den Uluru aus dem Flieger

Auf dem kleinen Flughafen herrscht geschäftiges Treiben. Immer vormittags landen die Maschinen aus dem ganzen Land. Trotzdem ist alles sehr überschaubar und wir haben schnell unser Gepäck. Noch kurz den Mietwagen abholen – und dann startet das 24-Stunden-Abenteuer im Herzen des roten Kontinents. Den Uluru haben wir ab sofort fast immer im Blick.

Auf dem Weg ins Touristenörtchen Yulara begegnet uns die erste Überraschung: Gibt es hier tatsächlich Kamele? Mit Kängurus hatten wir natürlich gerechnet. Aber Kamele? Die Recherche zeigt: Schon William Gosse, der britische Entdecker des Ayers Rock, setzte auf seiner Expedition durch Zentralaustralien Kamele ein.

Kamele im Red Center? Schon die ersten Europäer nutzten sie für ihre Erkundungstouren
Kamele im Red Center? Schon die ersten Europäer nutzten sie für ihre Erkundungstouren

Und die Wüstentiere gibt es hier tatsächlich bis heute und du kannst sogar Kameltouren machen. Gosse war übrigens 1873 der erste Europäer hier am Uluru und gab dem Felsen den Namen Ayers Rock – als Würdigung des zu der Zeit amtierenden australischen Premierministers Henry Ayers.

Die roten Kuppen der Olgas

Den Ayers Rock heben wir uns allerdings für später auf. Unsere Tour führt uns als erstes zu den Olgas. Was viele nicht wissen und auch ich erst bei der Recherche für die Reise gelesen habe: Der Uluru ist längst nicht die einzige spektakuläre Erhebung hier mitten im Outbacks. Und schon der Name des Nationalparks gibt einen Hinweis darauf:  Uluru-Kata-Tjuta National Park.

Tatsächlich erhebt sich etwa 30 Kilometer vom Uluru entfernt eine zweite Felsformation mitten in der Wüste: die Olgas. Und auch diese Kuppen sind – wie der ganze Boden hier in der australischen Wüste – rot. Kata Tjuta nennen die Aborigines die insgesamt 36 Berge. Die höchste der Kuppeln, der Mount Olga, ist 546 Meter hoch und benannt nach Königin Olga von Württemberg.

 

Dieser Abstecher lohnt sich auf jeden Fall, denn auch die Olgas bieten dir ein buntes Farbenspiel und wechseln je nach Sonnenstand und Wolkendecke von einem leuchten Rot in ein dunkles Schwarz. Und rund um Katja Tjuta hast du zudem verschiedene Wanderwege zur Auswahl – darunter die Tour durch das Tal der Winde.

Unser Weg führt uns jetzt aber direkt zum eigentlichen Ziel der Reise: dem Uluru. Fast den gesamten Rückweg über haben wir den ikonischen roten Felsen im Blick. Und wie er dort hinten am Horizont in der glühenden Wüstensonne rötlich schimmert, das hat etwas von Fata Morgana. Völlig unwirklich steht dieser heilige Berg der Aborigines hier mitten im Outback.

Fast wie eine Fata Morgana schimmert der Uluru am Horizont
Fast wie eine Fata Morgana schimmert der Uluru am Horizont

Mystisches Farbenspiel: Sonnenuntergang am Uluru

Tatsächlich sieht der Uluru zu jeder Tageszeit anders aus und präsentiert sich im Verlauf der 24 Stunden in immer wieder anderen Farben. In Yulara kannst du Postkarten kaufen, die die verschiedenen Nuancen im Zeitverlauf zeigen. Das eigentlich Naturschauspiel beginnt aber jetzt am späten Nachmittag, wenn die Sonne langsam gen Horizont wandert. In diesen frühen Abendstunden entfaltet der Uluru seine schönste Strahlkraft. Und tatsächlich ist dieser Sonnenuntergang eines der Top-Highlights unserer Reise.

Etwa 550 Millionen Jahre ist dieses Weltkulturerbe alt. Und wie dieser Felsen nun in der Abendsonne vor uns liegt und fast im Minutentakt seine Farbe ändert, das hat tatsächlich etwas mystisches. Während wir hier stehen und zuschauen, wie der Uluru sein Aussehen von Grau über Schwarz bis zu dem bekannten Rot wechselt, verstehe ich nur zu gut, warum den Aborigines dieses Naturwunder heilig ist.

In einem satt leuchtenden Rot liegt der Uluru jetzt für einen Moment vor uns. Der Felsen erstrahlt und das Gras der Steppe glänzt im goldenen Abendlicht. Allein für diesen magischen Moment hat sich der Ausflug ins rote Herz Australiens mehr als gelohnt. Und dann ist das Naturschauspiel auch schon zu Ende. Ein letztes Leuchten – und die Sonne versinkt hinterm Horizont. Wir lassen die Eindrücke noch einen Moment wirken, bevor es langsam dunkel wird und Zeit zum Aufbruch ist.

Ein Farbenmeer in der Wüste: das Field of Light

Nach diesen Eindrücken kommt es mir fast unwirklich vor, plötzlich wieder mitten im touristischen Treiben zu landen. Wir haben uns zum Abendessen für Outback-Stimmung entschieden und sitzen jetzt mittendrin in der lockeren Atmosphäre der Pionier Kitchen. Die Küche ist einfach, wer will kann sich selbst an den Grill stellen. Auf der Bühne gibt’s Live-Musik.

Für uns steht nach dem Essen aber noch ein weiteres Highlight auf dem Programm. Der britische Lichtkünstler Bruce Munro hat sich hier am Uluru einen jahrelang gehegten Traum erfüllt und lässt das Outback nachts mit Hilfe von zehntausenden Glaskugeln in bunten Farben erstrahlen. Field of Light heißt die beeindruckende Installation. Tili Wiru Tjuta Nyakutjaku nennen es die Aborigines, was übersetzt so viel heißt wie „auf viele wunderschöne Lichter schauen“.

Noch bis Dezember 2020 leuchtet das Field of Light im roten Zentrum
Noch bis Dezember 2020 leuchtet das Field of Light im roten Zentrum

Und tatsächlich erstreckt sich hier unweit des Ayers Rock ein Farbenmeer mitten in der Wüste. 50.000 Glaskugeln schimmern in Weiß, Gelb, Blau oder Rot und bringen die Nacht zum Leuchten. Wie Blumen im Wind sehen die solarbetriebenen Stäbe aus. Kunst mitten im Outback, die du nicht verpassen solltest. Auf Grund des großen Erfolges wurde die Aktion übrigens gerade schon zum zweiten Mal verlängert. Bis Dezember 2020 kannst du jetzt abends durch das farbenfrohe Lichtermeer am Uluru wandern.

Auf Tuchfühlung mit dem Ayers Rock: der Mala Walk

Unsere Nacht ist kurz. Gegen fünf fängt es an zu dämmern – und damit beginnt Teil zwei des Naturschauspiels. Selbst so früh am morgen sind wir längst nicht die einzigen, die sich den Sonnenaufgang am Uluru nicht entgehen lassen wollen. Langsam bringt sie die Steppe wieder zum Leuchten und lässt den Uluru erneut rot strahlen. Und von unserem Standort aus sehen wir sogar auch Katja Tjuta am Horizont.

Sonnenaufgang am Uluru - und im Hintergrund leuchtet links Kata Tjuta
Sonnenaufgang am Uluru – und im Hintergrund leuchtet links Kata Tjuta

Bevor wir uns schon bald wieder verabschieden müssen, wollen wir dem Uluru nochmal richtig nah sein. Eigentlich geht das besonders gut auf der etwa zehn Kilometer langen Wanderung rund um den Felsen. Dafür reicht aber leider unsere Zeit nicht mehr. Und auf Grund der hohen Temperaturen um die 40 Grad wird uns auch dringend davon abgeraten. Wir entscheiden uns deshalb für den Mala Walk als Alternative.

Mittlerweile ist es acht Uhr morgens und wir starten mit John zu einer etwa eineinhalbstündigen kostenlosen Tour. Der Park Ranger führt uns vorbei an heiligen Stätten der Aborigines, erklärt uns jahrtausende alte Rituale und zeigt uns die Felsmalereien der Ureinwohner, mit denen die Geschichten und Weisheiten von Generation zu Generation weitergegeben werden. Seit über 20.000 Jahren leben sie hier mitten im Outback.

Immer wieder erklären unterwegs Hinweistafeln die Kultur der Ureinwohner. Den Aufstieg auf den Uluru beispielsweise sehen die Aborigines nicht gerne. Dies ist eben nicht irgendein Berg, dieser Felsen ist heilig. Schon seit den 80er Jahren weisen Schilder daraufhin, trotzdem gehörte es bisher für viele Touristen dazu, den Felsen zu besteigen. Ab 2019 ist das endgültig verboten. Kein Grund allerdings, den Ayers Rock von der Todoliste zu streichen. Dieser magische Felsen gewinnt dadurch nur noch mehr an Strahlkraft.

 

Praktische Tipps

Wenn du keine Zeit hast, die Tour durchs Outback bis zum Uluru zu fahren, bietet sich ein Flug an. Aus allen großen australischen Städten gibt es Direktverbindungen zum Ayers Rock. In unmittelbarer Nähe des Wahrzeichens wurde ein kleiner Touristenort mitten im Outback geschaffen. In Yulara findest du vom Supermarkt bis zur Tankstelle alles, was du brauchst. Am wichtigsten ist Trinkwasser. Davon solltest du immer mehr als ausreichend dabei haben! Wir hatten lästige Fliegen als ständige Begleiter, du kannst dir aber überall ein Fliegennetz zum Schutz kaufen. Gerade im Sommer wird außerdem ein Kopfschutz dringend empfohlen.

Um vor Ort mobil zu sein, bietet sich ein Mietwagen an. Du kannst aber auch eine der vielen geführten Touren buchen. Zum Übernachten hast du vom Campingplatz bis zum Vier-Sterne-Hotel die freie Auswahl. Die Preise sind hier mitten im Outback allerdings deutlich höher. Weitere Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten, Events und Veranstaltungen findest du auch auf der Website vom Ayers Rock Resort. Was du außerdem in Australien nicht verpassen darfst, verrate ich dir im Artikel „Down Under: 10 Highlights in Australien“.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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