Sydney und Melbourne, klar! Aber Adelaide? Südaustraliens Hauptstadt galt lange als verschlafenes Dorf. Das ist längst anders und die Küstenmetropole nicht nur zum Adelaide Festival einen Besuch wert.

Es ist ein Spätsommerabend im März, wir stehen auf einer der Grünflächen am River Torres und genießen die Atmosphäre. Ein bisschen fühlt es sich an wie zur Documenta in Kassel. Allerdings findet das renommierte Adelaide Festival schon seit 2012 jährlich statt und verwandelt die ganze Stadt für einen Monat in eine große Bühne. Inzwischen zieht das bedeutendste australische Kulturfestival zusammen mit dem zeitgleich stattfindenden Fringe Festival eine Million Besucher aus aller Welt an. Entsprechend viel ist dann los in der Stadt. „Mad March“ nennen die Einwohner diese Zeit.

Das Fringe Festival gilt obendrein als größtes Kleinkunstevent der Südhalbkugel. Hier präsentieren sich verschiedenste Künstler – und egal ob Musiker, Straßenkünstler, Tänzer oder Akrobaten, sie alle verleihen Adelaide während dieser Zeit ein besonderes Flair. Es ist fast unmöglich, nicht an irgendeiner Ecke auf eine ihrer Aufführungen zu stoßen.

Trotzdem hat Australiens fünftgrößte Stadt auch außerhalb der Festivalsaison einiges an Kunst und Kultur zu bieten. Entlang der North Terrace findest du nicht nur viele von Adelaides Sehenswürdigkeiten vom Parlament über das Government House bis zur Universität, sondern neben dem Festival Centre Komplex auch zahlreiche Galerien und Museen. Wichtigste Ziele für Kunstinteressierte sind die Art Gallery of South Australia und das South Australian Museum. Letzteres verfügt über eine der weltweit größten Sammlungen von Aborigines-Kultur.

Ein Spaziergang durch die grüne Festivalmetropole

Auch wenn Melbourne als Australiens Street Art Hauptstadt gilt, in Adelaide begegnet dir an fast genauso vielen Ecken die bunte Straßenkunst. Und die bekanntesten Skulpturen der Stadt stehen mitten in der Fußgängerzone: die Rundle Mall Pigs. Truffles, Horatio, Oliver und Augusta sind vier lebensgroße Schweine aus Bronze. Als inoffizielles Wahrzeichen haben sie es sogar bis zum Postkartenmotiv geschafft.

Adelaide ist eine grüne Stadt und die Parks sind nicht nur im Sommer beliebter Treffpunkt
Adelaide ist eine grüne Stadt und die Parks sind nicht nur im Sommer beliebter Treffpunkt

Adelaide ist aber nicht nur Festivalmetropole, sondern auch eine sehr grüne Stadt. Das Zentrum wird eingerahmt von einem grünen Gürtel, über 30 Parks und Gärten gibt es insgesamt. Ein Highlight ist der Botanische Garten nordöstlich der Innenstadt. Unweit der Universität mit ihren altehrwürdigen viktorianischen Gebäuden lädt er zum Relaxen ein.

Wenn es doch wieder etwas mehr Leben sein soll, ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Rundle Street. Dort und in den Seitenstraßen findest du die angesagten Shops, coolen Cafés, Bars und Restaurants. Adelaide galt lange als größtes Dorf Australiens – aber spätestens hier wirst du feststellen, dass sich Südaustraliens Hauptstadt mir ihren 1,3 Millionen Einwohnern längst weiterentwickelt hat.

Nicht nur für Foodies: der Adelaide Central Market

Auf jeden Fall einplanen musst du einen Besuch auf Adelaides Central Market. Seit mittlerweile fast 150 Jahren wird in den historischen Hallen Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch und Käse verkauft. Und zwischen den Marktständen findest du immer wieder nette Cafés und Streetfood-Stände.

Dass das 1836 gegründete Adelaide damals unter anderem von deutschen Einwanderer geprägt wurde, wirst du auch hier auf dem Markt feststellen. Das Fleisch kannst du wie zu Hause direkt beim „Metzger“ kaufen. Noch mehr über Adelaides Top-Adresse für Foodlover erfährst du im Artikel „Einfach lecker: Auf dem Markt in Melbourne und Adelaide“.

Falls dich der Marktbesuch noch nicht satt gemacht hat: Direkt um die Ecke liegt Adelaides Chinatown. Hinter dem bunten Torbogen befindest du dich mitten in der südaustralischen Metropole plötzlich in einer anderen Welt. Hier hast du die Wahl zwischen chinesischen und weiteren asiatischen Restaurants.

Danach kannst du gemütlich zum Victoria Square schlendern und die Straßenbahn zum Strand nehmen. Adelaide gilt als 20-Minuten-Stadt – und tatsächlich brauchst du nicht länger, um direkt aus dem Zentrum mit der Tram ans Meer zu fahren. Gerade noch durch Chinatown geschlendert, kannst du jetzt in Adelaides Strandvorort Glenelg den weißen Sandstrand genießen, Fish & Chips essen und unter Palmen relaxen.

Stadt am Meer: Der Küstenvorort Glenelg ist nur eine Straßenbahnfahrt vom Zentrum entfernt
Stadt am Meer: Der Küstenvorort Glenelg ist nur eine Straßenbahnfahrt vom Zentrum entfernt

Weinkultur im Barossa Valley und McLaren Vale

Einer der Hauptgründe, warum Adelaide unbedingt auf die Todoliste für einen Australienurlaub gehört, ist der Wein. Die Küstenmetropole ist umgeben von den besten Weinregionen Australiens. Weinberge, deren Ausläufer fast bis in die Stadt hineinwachsen, sind anderswo selten. Ob das McLaren Vale im Süden die Adelaide Hills im Osten oder das Barossa Valley im Norden – alles ist kaum mehr als eine Autostunde von Adelaide entfernt.

Das Barossa Valley ist das bekannteste Weinanbaugebiet Australiens. Mehr als die Hälfte des Weins wird dort produziert. Zu den renommiertesten Produzenten gehört neben Penfold’s mit seinem Grange auch der 2013 verstorbene Peter Lehmann. Wie viele Winzer im Barossa Valley hatte auch er deutsche Wurzeln. Einwanderer aus Preußen und Schlesien haben einst die kleinen Orte geprägt – und ihnen ihre Namen gegeben. Zum Beispiel heißt der größte Berg immer noch Kaiserstuhl.

Genauso lohnenswert ist Richtung Süden das McLaren Vale auf der Fleury Peninsula. Nicht nur Weinberge, auch Olivenhaine und Mandelbäume prägen das Bild rund um das Örtchen Willunga. Außerdem erinnern die sanften Hügel an Urlaube in der Toskana. Und auch die Küstenörtchen Victor Harbor und das pittoreske Port Elliot lohnen einen Abstecher.

Deutsche Traditionen in den Adelaide Hills

Fast genauso schnell wie am Meer bist du in den Adelaide Hills – und hier zeugen schon Ortsnamen wie Lobethal und Hahndorf von den deutschen Wurzeln. Das Dörfchen wurde 1839 von Lutheranern aus Preußen gegründet, die hierher vor der religiösen Verfolgung in ihrer Heimat geflohen waren. „Willkommen in Hahndorf“ steht auf einem Holzschild am Ortseingang.

In keinem anderen Ort in Australien ist die deutsche Tradition noch so sichtbar wie hier. Und somit erinnern kleine Fachwerkhäuschen, bunt bepflanzte Blumenkübel und längst ausrangierte landwirtschaftliche Gerätschaften an die Vergangenheit. Es gibt ein Brauhaus, eine deutsche Bäckerei und ein Kaffeehaus. Das 1863 gegründete Hahndorf Inn braut sogar ein eigenes Altbier.

Touristen wie Australier zieht es gleichermaßen hierher – und ihnen ist es egal, dass die Lederhosen und Kuckucksuhren im Souvenirshop mit preußischen Traditionen wenig gemein haben. Dennoch ist das kleine Dörfchen hübsch anzusehen. Anschließend lohnt sich gerade im Sommer noch ein Abstecher zur Beerenberg Farm. Dort kannst du als Proviant für die Rückfahrt deine eigenen Erdbeeren ernten.

Praktische Tipps:

Das Zentrum von Adelaide lässt sich gut zu Fuß erkunden. In der schachbrettartig angelegten Innenstadt kannst du dich kaum verlaufen. Für weitere Strecken und auch die Fahrt nach Glenelg ist zudem die Straßenbahn perfekt. Im Zentrum ist die Adelaide Metro Großteils kostenlos. Für einen Ausflug in die Weingebiete lohnt sich allerdings ein Mietwagen, da die einzelnen Weingüter oft weiter auseinanderliegen. Noch mehr Infos zu Adelaide findest du auch auf der Website der City of Adelaide und der Region South Australia. Was du auf deinem Australientrip außerdem nicht verpassen solltest, verrate ich dir im Artikel „Down Under: 10 Highlights in Australien“.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

4 Kommentare

  1. Moin,

    das macht gleich Lust, in den Flieger zu steigen und ein paar Wochen auf der anderen Seite der Welt zu bleiben. Adelaide hatte ich so noch nicht auf meinem Schirm. Vielen Dank!

    Beste Grüße

    Tobias

    • Hallo Tobias,

      das geht glaube ich ganz vielen Leuten so… Deshalb gibt’s jetzt diesen Artikel 😉
      Adelaide und vor allem auch die Gegend drumherum lohnen sich auf jeden Fall – von Großstadt am Meer bis zu Relaxen in den Weinbergen ist hier einiges geboten.

      Viele Grüße
      Britta

  2. Eine tolle Stadt <3 Leider endete hier unser Road Trip und wir hatten nicht genug Zeit zur Erkundung. Schade, aber so haben wir einen weiteren Grund nochmal wieder zu kommen 🙂

    • Liebe Christina,

      es lohnt sich auf jeden Fall, hier ein bisschen Zeit einzuplanen.

      Wir haben es leider zeitlich nicht mehr bis nach Kangoroo Island geschafft, was ja in der Gegend eigentlich auch ein Muss ist. Auch wir haben also noch einen Grund, nochmal zu kommen 😉

      Viele Grüße
      Britta

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