Vom pittoresken Valldemossa über das Bergstädtchen Soller bis zum Cap Formentor mit seinem Leuchtturm: die Serra de Tramuntana bietet zahlreiche Highlights und ist perfekt für einen Roadtrip entlang der Küste Mallorcas.

Das Gebirge, das sich über den gesamten Norden der Insel erstreckt, war schon immer eines meiner liebsten Ziele auf Mallorca. Als ich noch auf der Insel gelebt habe, war ich oft hier. In den abgeschiedenen Bergdörfern tickt die Uhr bis heute noch anders, vom Massentourismus bist du hier fast überall weit entfernt. Stattdessen liegen die Katzen am Hafen von Valldemossa in der Sonne, treffen sich die Nachbarn auf dem Dorfplatz von Fornalutx zum Klönen und findest du selbst im Hochsommer fast unberührte Buchten, in denen nur ein paar Segelyachten auf dem azurblauen Wasser schaukeln.

Die Küstenstraße der Baleareninsel und besonders der Abschnitt südlich von Estellencs bis nördlich von Deià gehört tatsächlich mit zu den schönsten, die ich kenne. Und inzwischen bin ich einige entlang gefahren. Hier hast du das türkisblaue Mittelmeer fast immer neben dir – und die Ausblicke die Steilklippen hinunter sind wirklich atemberaubend. Auf der anderen Seite hohe Berge, immer wieder Terrassenfelder und oft jahrhundertealte Olivenbäume. Weiter im Norden wird es dann rauer, ist dadurch aber nicht weniger spektakulär. Nicht umsonst hat die Unesco die Tramuntana als Kulturlandschaft ins Weltkulturerbe aufgenommen. Wo ist es nun aber besonders schön und was solltest du auf keinen Fall verpassen? Hier gibt’s meine Tipps:

Cap Formentor

Das Cap de Formentor bildet das östliche Ende der Halbinsel Formentor und ist zudem der nördlichste Punkt von Mallorca. Den krönenden Abschluss bildet ganz am Ende der Leuchtturm Faro Formentor der auf den Klippen über dem Meer zu schweben scheint. Der Weg dahin ist in diesem Fall tatsächlich das Ziel. Die auch bei Radfahrern sehr beliebte, über zwanzig Kilometer lange Straße ab Port de Pollenca schlängelt sich teilweise in wilden Serpentinen durch die schroffen Klippen, führt durch Pinienwälder und an einsamen Buchten wie der Cala Figuera ganz im Norden vorbei. 

Die Mallorquiner nennen die Halbinsel auch Treffpunkt der Winde – und tatsächlich habe ich hier vor vielen Jahren einen der schlimmsten Stürme meines Lebens erlebt. Am beliebten Aussichtspunkt Mirador Es Colomer ist das aufgewühlte Wasser damals mit gewaltiger Wucht gegen die Klippen gepeitscht, an Aussteigen war nicht zu denken. An einem sonnigen Sommertag wirkt das heute ziemlich surreal. Dann bietet die Halbinsel mit der Playa de Formentor übrigens auch einen der schönsten Strände Mallorcas. Hier solltest du zum Abkühlen also unbedingt einen Zwischenstopp einlegen.

 

Valldemossa

Valldemossa gilt als eines der schönsten Dörfer Mallorcas und ist tatsächlich äußerst pittoresk. Berühmt gemacht haben den kleinen Ort, der sich malerisch in die Berge schmiegt, schon 1838 Frédéric Chopin und George Sand. Der Komponist sollte sich hier von seiner Tuberkulose erholen und George Sand schrieb über ihre Zeit in der Kartause von Valldemossa später das Buch „Ein Winter auf Mallorca“. Das ehemalige Kloster des Kartäuserordens zählt deshalb bis heute zu den beliebtesten Zielen.

Nach einem Besuch musst du dich unbedingt durch die kleinen Gassen des Dörfchens treiben lassen. Eine Besonderheit wird dir dabei direkt ins Auge fallen: Die Keramikschilder neben den Haustüren erzählen Legenden von der Inselheiligen Catalina Tomàs. Und wirklich hübsch sind die vielen Wandgärten und Pflanzen vor den Häusern. Falls noch Zeit bleibt, lohnt sich ein kurzer Abstecher zum kleinen Hafen von Valldemossa. Allein die Fahrt über die enge Straße hinunter ans Wasser ist ein Erlebnis.

Bei den VIPs ist Valldemossa übrigens immer noch beliebt. Der Hollywoodschauspieler Michael Douglas hatte hier über viele Jahre mit seiner Frau Catherine Zeta Jones eine Villa mit Meerblick und engagiert sich umfangreich für den Schutz und Erhalt der Serra de Tramuntana.

 

Deià

Das Künstlerdorf Deià liegt mitten in der Tramuntana
Das Künstlerdorf Deià liegt mitten in der Tramuntana

Deià ist noch so ein Dorf, das du auf deinem Roadtrip durch die Tramuntana auf keinen Fall verpassen solltest. Es liegt nördlich von Valldemossa auf einem Hügel in den Bergen und hat sich im vergangenen Jahrhundert zum Künstlerdorf entwickelt. Maler, Schriftsteller, Musiker und Filmschauspieler wie Peter Ustinov, Pablo Picasso oder Pierce Brosnan waren schon zu Gast oder haben hier sogar gelebt. Auch in Deià gilt es deshalb, durchs Dorf zu schlendern und sich inspirieren zu lassen. Den schönsten Ausblick aufs Meer hast du übrigens von der Kirche ganz oben auf dem Hügel. 

Und auch von Deià lohnt sich ein Abstecher ans Wasser. Unterhalb des Ortes befindet sich die Kieselsteinbucht Cala Deià und auch die Bucht von Llucalcari etwas weiter nördlich ist einen Besuch wert. Einen Zwischenstopp solltest du außerdem an dem Herrenhaus Son Marroig einlegen. Früher im Besitz des österreichischen Erzherzogs Ludwig Salvator, ist es heute ein Museum – und der Blick vorbei am Gartentempel hinunter auf das in der Sonne glitzernde Mittelmeer ein Traum.

 

Sóller

Sóller ist das städtische Zentrum der Tramuntana. Viele Tagesbesucher starten ihren Besuch am Bahnhof, hier kommt schon seit 1912 der Zug aus Palma an. Und die Fahrt mit dem „Roten Blitz“ ist bereits ein Erlebnis. Das kleine Städtchen ist aber nicht nur für seine Bahn bekannt, in dem Tal rund um Sóller findest du auch zahlreiche Zitrus- und Orangenplantagen. Auch den leckeren Mandelkuchen, den gató de almendra, kannst du hier probieren.

Das Zentrum von Sóller ist der Hauptplatz mit der Pfarrkirche und ihrer Modernisme-Fassade. Rund um die Plaza de la Constitución ist eigentlich immer etwas los. Such dir deshalb einfach einen Platz in einem der Cafés und lass das bunte Treiben auf dich wirken. Anschließend kannst du weiter Richtung Markthalle schlendern. Von Montag bis Samstag findest du dort vormittags frische Produkte aus der Region, am Samstag gibt es auf dem Platz nebenan einen kleinen Wochenmarkt. Kulinarische Mitbringsel findest du auch direkt gegenüber bei Fet a Sóller und in der Sa Fábrica de Gelats nebenan musst du unbedingt ein Eis probieren.

Am Nachmittag geht es dann mit der historischen Straßenbahn weiter in das ehemalige Fischerdorf Port de Sóller. Der kleine Ort hat sich mittlerweile zum beliebten Urlaubsziel entwickelt – und so findest du im Hafen der kleinen Bucht nicht nur zahlreiche Yachten, sondern entlang der Strandpromenade auch viele Urlaubshotels.

 

Fornalutx

Von Sóller ist es nur ein Katzensprung bis nach Fornalutx – und den musst du wirklich unbedingt einplanen. Das Bilderbuchdorf hat bereits mehrfach den Wettbewerb um das schönste Dorf Spaniens gewonnen. Ein Spaziergang durch die engen Treppengässchen des idyllischen Bergdorfs vorbei an den vielen Natursteinhäusern mit den zahlreichen Blumen vor der Tür ist also quasi Pflicht. Auch rund um Fornalutx stößt du auf zahlreiche Zitronen- und Orangenbäume – und so kannst du dir nach der kleinen Tour auf dem Dorfplatz einen frisch gepressten Orangensaft schmecken lassen und das Treiben beobachten.

Ab Fornalutx ändert sich dann auf dem Weg nach Norden die Gestalt des Tramuntanagebirges. Hier wirkt alles noch schroffer und die Berge werden noch höher. Kein Wunder, ist es doch nicht mehr weit bis zum Puig Major, dem höchsten Berg der Baleareninsel. Zu seinen Füßen fährst du an den Stauseen Cuber und Gorg Blau entlang, die Trinkwasserreserven für die Inselhauptstadt Palma. Kurz vor dem Abzweig zum Kloster Lluc, dem spirituellen Zentrum der Insel, erwartet dich schließlich noch ein Naturspektakel. Die verschlungene Serpentinenstraße hinunter nach Port Sa Calobra ist nichts für schwache Nerven und regelmäßig in Werbefilmen zu sehen. Unten am Meer mündet dann der Torrent de Pareis ins Meer. Das Ende der Schlucht mit den beiden spektakulären Felsen ist nicht nur äußerst sehenswert, sondern gerade im Sommer auch zum Baden beliebt.

 

Pollenca

In Pollenca führen 365 Stufen hinauf zum Kalvarienberg
In Pollenca führen 365 Stufen hinauf zum Kalvarienberg

Das kleine Städtchen Pollenca ist der Mittelpunkt der nördlichen Tramuntana. Schon die alten Römer waren hier und mit der Pont Roma am Stadtrand erinnert immer noch eine Brücke an die Ursprünge des Ortes. Heute kommen die meisten Besucher wegen der vielen Galerien und Atelier und der kleinen Läden und Boutiquen nach Pollenca. Auch hier haben sich zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Musiker niedergelassen und beeinflussen das Angebot im Ort.

Mittelpunkt ist auch in Pollenca der Hauptplatz vor der Kirche. Rund um den Plaza Major findest du viele Cafés, Bars und Restaurants, von denen aus sich vor allem im Sommer wunderbar das geschäftige Treiben beobachten lässt. Immer sonntags findet hier einer der bekanntesten Märkte der Insel statt. Nicht verpassen solltest du zudem den Weg hinauf zum Kalvarienberg. 365 Stufen, eine für jeden Tag, führen dich zu einer kleinen Kirche. Der Weg die Treppen hinauf kann anstrengend sein, der Blick von oben auf Pollenca und die Umgebung lohnt sich aber auf jeden Fall. Und auf dem Rückweg kannst du dann in den kleinen Lädchen entlang der Treppen oder in den kleinen Gassen nebenan nochmal Stöbern gehen.

 

Banjalbufar

Der Küstenabschnitt zwischen Estellencs und Banyalbufar gehört für mich zum schönsten Teil der Tramuntana. Hier hast du das Meer immer im Blick und die Ausblicke aufs glitzernde türkisblaue Wasser sind wirklich atemberaubend. Ein beliebter Stopp und auch Fotospot ist der Torre del Verger, der zwischen den beiden Orten auf einem Felsen über dem Mittelmeer thront. Der Name Banyalbufar kommt aus dem arabischen und der Name bedeutet so viel wie „kleiner Weingarten am Meer“. Und tatsächlich haben die Mauren hier vor vielen Jahrhunderten einen spektakulären Garten angelegt und hunderte von Terrassen in den steilen Berghang gebaut.

In dem 500-Seelen-Dorf scheint die Zeit bis heute fast stehen geblieben zu sein – und wer Ruhe sucht, der ist hier besonders gut aufgehoben. Wem dabei der Ausblick aufs Wasser nicht reicht: Ein verschlungener Pfad führt hinunter zur Badebucht Cala Banyalbufar. Und wenn du trotzdem ein bisschen Kultur möchtest, machst du einfach einen Ausflug ins nahegelegene Landgut La Granja, eines der größten Freilichtmuseen der Insel. La Granja bietet zahlreiche Einblicke in die Geschichte der Insel.

 

Alcúdia

Highlight in Alcudia ist die erhaltene Stadtmauer
Highlight in Alcudia ist die erhaltene Stadtmauer

Das kleine Städtchen Alcúdia ganz im Norden von Mallorca ist eigentlich schon nicht mehr Teil des Tramuntanagebirges, bildet aber einen schönen Abschluss und bietet sich auch als Ausgangspunkt für die nördliche Tramuntana an. Die Bucht von Alcúdia ist neben der Playa de Palma die zweitgrößte der Insel und der Urlaubsort Port d’Alcudia entsprechend beliebt. Unser Ziel ist aber der Hauptort der Halbinsel mit seiner bewegten Geschichte. Ein Teil davon ist bis heute erhalten geblieben: Das historische Zentrum von Alcúdia ist von einer Stadtmauer umgeben, der einzigen komplett erhalten auf Mallorca.

Hinter der Mauer versteckt sich ein hübsch restaurierter alter Ortskern mit einer großen Fußgängerzone und vielen kleinen Gassen. Entlang der Hauptstraße und rund um den Platz am Rathaus findest du neben Läden und Boutiquen auch zahlreiche Cafés, Bars und Restaurants. Immer dienstags und sonntags ist außerdem auch in Alcúdia Markt.

 

Praktische Infos

Die Serra de Tramuntana bietet sich als Tagesausflug aus der Inselhauptstadt Palma und den umliegenden Touristenzentren an. Von Palma aus kannst du beispielsweise bequem mit dem „Roten Blitz“, einer historischen Schmalspurbahn, nach Soller fahren. Ansonsten ist ein Mietwagen die praktischste Option, um Mallorcas Berge zu erkunden. Für die äußerst kurvenreichen 140 Kilometer von Port d’Andratx im Süden bis zum Cap Formentor im Norden musst du mit mindestens dreieinhalb bis vier Stunden reiner Fahrzeit rechnen. Das heißt: Um die Gegend wirklich zu erkunden, solltest du zwei bis drei Tage einplanen und möglichst auch in einem der Bergdörfer eine Übernachtung einplanen. Tipps für die Inselhauptstadt findest du übrigens im Artikel „Frühling auf Mallorca: Ein Wochenende in Palma“ und Empfehlungen für schöne Hotels in „Über den Dächern der Stadt: Coole Hotels in Palma“.

Hast du weitere Tipps und Empfehlungen für die Insel? Dann freue ich mich über einen Kommentar! Und wenn dir der Artikel gefallen hat, teil ihn doch gerne mit deinen Freunden! Damit du keine neue Geschichte mehr verpasst, kannst du mir außerdem auf Facebook, Pinterest, Instagram und Tripadvisor folgen. Oder du abonnierst dir My Happy Places als Newsletter.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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