Bei Kitzbühel denkst du bestimmt zuerst ans Skifahren, das berühmte Hahnenkammrennen, die Streif und Promis. Dabei ist das Alpenstädtchen gerade im Herbst auch perfekt zum Wandern – ein Wochenendbesuch.

Die Sonne strahlt von einem Himmel, der blauer nicht sein könnte. Wir haben für unseren Ausflug in die Berge tatsächlich schönstes Kaiserwetter erwischt. Kein einziges Wölkchen stört das Postkartenpanorama. Es ist Mitte September und in Kitzbühel sind gerade Genuss-Wanderwochen.

Für uns startet das Wochenende in den Alpen mit einem kurzen Stopp am Schwarzsee. Noch ist das Gras im Strandbad feucht vom Morgentau. Später am Nachmittag wird das hier dann definitiv der perfekte Ort für eine Abkühlung. Im Moment ruht der See aber noch still und erwartet den Andrang des Spätsommertages – und bietet uns eine schon fast kitschige Spiegelung des Kaisergebirges im Hintergrund. Der Ausblick auf die majestätischen Berge am Horizont wird uns durch das Wochenende in Kitzbühel begleiten.

Tolles Panorma: der Schwarzsee mit Ausblick aufs Kaisergebirge
Tolles Panorama: der Schwarzsee mit Ausblick aufs Kaisergebirge

Jetzt geht es aber erstmal für ein zweites Frühstück in die Stadt. Es ist Samstag und da ist in der Kitzbüheler Hinterstadt Genussmarkt. Zahlreiche Stände bieten Bergkäse und Tiroler Speck, frisches Obst und Gemüse oder süße Leckereien an. Ich werde bei Misssi Eis schwach, hausgemachtem Tiroler Alpeneis vom Bauernhof, das Gründerin Ingrid Kriegl hier auf dem Markt verkauft.

Während des Bummels entlang der Hinterstadt bekommen wir schon einen ersten Eindruck von dem kleinen Alpenstädtchen mit seinen gut 8.000 Einwohnern. Hier im historischen Zentrum wurde im 13. Jahrhundert der Grundstein für den Handels- und Marktplatz Kitzbühel gelegt. Genauer kann uns das aber Stadtführerin Maria erzählen – eine waschechte Kitzbühelerin, die wir kurz vor mittags vor der Touristinformation treffen.

Kitzbühel: Ein Bummel durch die Alpenstadt

Maria nimmt uns mit ins Museum Kitzbühel und zeigt uns, wie die Stadt zu dem legendären Skisport-Mekka und High-Society-Hotspot wurde, der sie heute ist. Der Herzog von Windsor und Wallis Simpson waren nur einige der Promis, die schon in den 30er Jahren im Kitzbüheler Grandhotel ihren Winterurlaub verbrachten. Weltberühmt wurde das kleine Alpenstädtchen dann aber in den 50ern durch das Ski-Wunderteam rund um Skilegende Toni Sailer. Zehn Jahre lang kamen die besten Skirennläufer der Welt allesamt aus Kitzbühel. Hansi Hinterseers Vater Ernst war einer von ihnen – und auch sein Sohn ist erfolgreich Skirennen gefahren, bevor er seine zweite Karriere als Schlagersänger und Moderator startete.

„Fast noch ein Geheimtipp ist übrigens die Dachterrasse ganz oben im Museum“, verrät uns Maria. Und tatsächlich gibt’s von dort einen tollen Panoramablick über die Dächer der Altstadt bis hin zum Hahnenkamm und dem Kitzbüheler Horn. Unter dem Dach findest du außerdem einige Originale des Kitzbüheler Künstlers Alfons Walde.

Anschließend nimmt uns Maria mit auf einen Spaziergang durch den mittelalterlichen Stadtkern und zeigt uns, wo die Spuren des Bergbaus oder auch die Geschichte des in Tirol geprägten Talers, der später zum Dollar wurde, noch heute in Kitzbühel sichtbar sind. Mittendrin zwischen Vorder- und Hinterstadt liegt schließlich das Hotel Zur Tenne, in dem wir heute übernachten. Nicht nur zum Hahnenkammrennen im Januar ist die Tenne „the place to be“ in Kitzbühel. „Dort wurde schon in meiner Jugend wild gefeiert“, verrät uns Maria. Und wer zum VIP-Spotting in Kitzbühel ist, wird hier auch heute immer noch fündig.

Legendär: Unterwegs auf dem Hahnenkamm

Wir müssen jetzt aber langsam los, haben wir uns für den Nachmittag doch eine Tour auf Kitzbühels Hausberg Hahnenkamm vorgenommen. Die Hahnenkammbahn startet praktischerweise unweit der Altstadt – und in knapp zehn Minuten sind wir schon oben auf dem Berg. Das Wetter ist weiter grandios und der Ausblick ein Traum, so dass wir zum Auftakt den Blick über die Stadt, das Kitzbüheler Horn und den Wilden Kaiser am Horizont schweifen lassen.

Anschließend nehmen wir den Panorama-Rundweg und stehen als erstes vor dem Starthaus der Streif. Die berühmteste Abfahrtsstrecke der Welt wird hier hautnah erlebbar – und beim Blick aus dem Startraum kann ich bestens nachvollziehen, warum sich der Startschuss für die Rennfahrer wie im freien Fall anfühlt… Erst im Sommer eröffnet wurde das Sommerlebnis Streif für Kids. Auf neun Aktivstationen können die kleinen Kitzbühel-Besucher hier das weltberühmte Skirennen nachvollziehen. Und Stationen wie die Hängebrücke oder die Schaukel mit Ausblick begeistern sicher auch die großen Streif-Fans.

Wir genießen derweil weiter die Ausblicke unserer Panoramarunde und pflücken unterwegs ein paar Blaubeeren. Moosbeeren heißen die hier in Kitzbühel und sind jetzt im Herbst von den Speisekarten nicht wegzudenken. Klar also, dass wir bei der Einkehr bei Wirtin Lisi im Hahnenkammstüberl den Moosbeerenkuchen probieren müssen.

Eigentlich wäre das die perfekte Grundlage für die Streif-Viewing-Tour hinunter ins Tal. Hier kannst du das legendäre Skirennen erwandern und bekommst an Stationen wie der Mausefalle auf LCD-Screens zahlreiche Infos. Die Tour müssen wir uns allerdings fürs nächste Mal aufheben, steht in zwei Stunden doch schon das Abendessen im Restaurant Neuwirt auf dem Programm. Seit dem Sommer kocht hier mit Jürgen Kleinhappl Österreichs jüngster Sternekoch – und ein bisschen Kitzbühel-Promi-Feeling muss dann doch sein.

Uriges Kitzbühel: Einkaufen auf dem Maurachhof

Bevor es zum Abendessen geht, schauen wir auf dem Rückweg noch schnell im Maurachhofladen der Familie Obermoser vorbei. Der urige Bauernhof liegt etwas versteckt unweit der Talstation der Hahnenkammbahn. Und dass wir hier mitten in Kitzbühel auf dem Bauernhof gelandet sind, stellen wir direkt fest, als wir von den freilaufenden Hühnern der Familie begrüßt werden.

Deren Eier, aber auch Milch, Wurst, Fleisch und Käse, selbstgemachte Marmeladen & Co. vom Maurachhof und den umliegenden Bauern findest du im kleinen Hofladen, der täglich von 7 bis 20 Uhr geöffnet hat. Die langen Öffnungszeiten sind möglich, weil hier niemand hinter der Kasse steht, sondern die heile Bauernhofwelt wirklich noch zu funktionieren scheint: Ich nehme Käse, Honig und Marmelade mit, schreibe auf den Zettel am Eingang, was das kostet und werfe das Geld einfach passend in die Kasse. Voilà. Frische Milch gibt’s leider gerade keine, denn: „Milch gibt’s erst ab September wieder, die Kühe sind auf der Alm!“, lese ich auf einer kleinen Schiefertafel. Vielleicht sehen wir sie ja morgen bei unserer Tour aufs Kitzbüheler Horn.

Panoramablick: Bergtour aufs Kitzbüheler Horn

Am Sonntagmorgen sind wir mit Bergführerin Susi und Anna Lena von Kitzbühel Tourismus zu einer Wanderung auf dem Kitzbüheler Horn verabredet. Der Wetterbericht hatte nochmal Sonne versprochen, als wir in die Hornbahn steigen, ist der Himmel aber noch wolkenverhangen. Unter der Woche ist Susi auf kostenlosen Touren mit Kitzbühels Gästen unterwegs, heute zeigt sie uns ihre Heimat. Und die liegt uns, oben auf dem Gipfel angekommen, als 360-Grad-Panorama zu Füßen.

Trotz der Wolken ist die Sicht so klar, dass wir am Horizont sogar den Chiemsee entdecken. „An richtig guten Tagen kann man die Segelboote als weiße Tupfer sehen“, verrät uns Susi. Ganz so viel Glück haben wir nicht, aber auch wenn das Kitzbüheler Horn mit seinen 1.996 Metern die Zweitausendermarke knapp verfehlt hat, ist der Ausblick toll. Wirklich beeindruckend muss es zum Sonnenaufgang sein – und wir nehmen uns vor, nächstes Jahr zum Horngipfelfrühstück nochmal wiederzukommen.

Auf dem Weg Richtung Alpenblumengarten bleibt Susi immer mal wieder stehen. „Schau mal da unten, das könnte ein Murmeltier sein“, flüstert sie mir zu. Und tatsächlich bewegt sich da etwas am Hang. Die Wiese unterhalb des Gipfels vom Kitzbüheler Horn ist ein Geheimtipp zum Spotting der putzigen Nager. Den berühmten Pfiff hören wir allerdings nicht – und schwupps ist das Murmeltier auch schon wieder in der Höhle verschwunden. Für uns geht es also weiter bergab Richtung Alpenblumengarten. Auch im Herbst blüht hier oben noch einiges und so entdecken wir nicht nur Edelweiss, sondern auch Enzian und verschiedene Kräuter.

Gemütlich: Mittagspause auf der Lämmerbühel Alm

Mit bestem Blick auf die Kitzbüheler Gipfel, die Loferer Steinberge auf der einen und dem Wilden Kaiser auf der anderen Seite laufen wir jetzt ein gutes Stück die grünen Grasberge entlang Richtung Lämmerbühel Alm, unserem Ziel zur Mittagspause. Unterwegs am Karstweg bleibt Susi immer mal wieder stehen und hält weiter Ausschau nach Murmeltieren. „Hier rund um die Weanerstadt gibt’s eigentlich auch immer welche zu sehen und das Wetter ist heute ideal“, erklärt sie uns leise. Wir haben aber leider nicht nochmal Glück, die Murmeltiere scheinen noch ihren Sonntagsschlaf zu machen.

Stattdessen ist es inzwischen aber wie versprochen aufgeklart und so sitzen wir zur Brotzeit auf der urigen Lämmerbühel Alm in der Sonne und lassen uns die Brettljause und eine Pressknödelsuppe schmecken. Das Dessert wartet anschließend nochmal eine Dreiviertelstunde Wegzeit entfernt auf der Bichlalm auf uns. Statt uriger Hüttenromantik gibt es hier modern interpretierts Alpenflair mit tollem Blick übers Tal – und für uns einen Kaiserschmarrn mit Zwetschgen.

Nach einer tollen Almrunde durch die Kitzbüheler Südberge nehmen wir zurück den Bichlalmlift und schweben in unserem Zweiersessel ins Tal. Der Blick über die Almwiesen und Höfe bis hinüber nach Aurach ist ein perfekter Abschluss für unsere Genusswanderung. Und wenn wir nicht schon total satt wären, könnten wir jetzt an der Mittelstation noch einen Zwischenstopp in der Sonnbergstub’n mit ihrer singenden Wirtin Rosi machen. Ein paar Dinge müssen wir uns ja aber auch noch für einen nächsten Besuch in Kitzbühel aufheben…

 

Praktische Tipps

Von München aus bist du mit dem Zug in knapp zwei Stunden in Kitzbühel. Gerade am Wochenende, wenn alle in die Berge fahren, ist das oft schneller als mit dem Auto. Die Bergbahnen hoch auf den Hahnenkamm und das Kitzbüheler Horn starten direkt im Zentrum, so dass du auch vor Ort nicht unbedingt ein Auto brauchst. Mehr Infos zu weiteren Touren, Unterkünften und Events findest du auf der Webseite von Kitzbühel Tourismus. In meinen Artikeln „Innsbruck: Ein cooler Mix aus Stadt und Bergen“ und „St. Johann in Tirol: Herbst in den Kitzbüheler Alpen“ gibt’s weitere Tipps für die Region.

Kennst du Kitzbühel? Ich freue mich immer über Tipps unten in den Kommentaren. Und wenn dir der Artikel gefallen hat, teil ihn doch gerne mit deinen Freunden! Damit du keine neue Geschichte mehr verpasst, kannst du mir außerdem auf Facebook, Pinterest, Instagram, Bloglovin‘ und Tripadvisor folgen. Oder du abonnierst dir My Happy Places als Newsletter. 

Dieser Artikel ist im Rahmen einer unbezahlten Recherchereise in Zusammenarbeit mit Kitzbühel Tourismus entstanden. Vielen Dank dafür! Meine Meinung ist wie immer unabhängig.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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