Wasserfälle, Gletscher, Geysire: Island ist ein Land voller spektakulärer Natur. Mit der Mitternachtssonne im Sommer lässt sich die Schönheit der Insel fast endlos bewundern. 11 Gründe für eine Reise in den Norden.

„Ihr macht im Sommer Urlaub in Island? Ist es da denn warm?“ So oder so ähnlich fingen die meisten Fragen an, als wir von unserem Reiseziel für den Sommer erzählt haben. Und die Antwort ist ziemlich einfach: Nein. Die Durchschnittstemperaturen liegen knapp unterhalb des Polarkreises selbst im Hochsommer bei durchschnittlich 15 Grad. Nur selten erreicht das Thermometer die 20-Grad-Marke. Das Land im äußersten Norden Europas ist also definitiv kein Ziel für einen Strandurlaub.

Stattdessen begeistert Island mit einer spektakulären, oft wirklich atemberaubenden Natur. Auf der Insel findest du Vulkane und Geysire, tausende von großen und kleinen Wasserfällen – und natürlich das Eis, das dem Land einst seinen Namen gab. Im Sommer blüht außerdem Islands Natur auf, die Wale sind zurück und die Papageientaucher brüten. Und weil es hier im hohen Norden rund um die Sonnenwende selbst nachts kaum dunkel wird, hast du genügend Zeit, das mystische Land ausgiebig zu erkunden. Falls du immer noch überlegst, gibt es hier 11 Gründe für den Sommer im Norden.

1. Im Sommer wird in Island die Nacht zum Tag

Es ist schon weit nach Mitternacht, als wir in Vík í Mýrdal neben der Kirche oberhalb des Ortes stehen und Richtung Meer schauen. Die Sonne ist noch nicht allzu lange untergegangen. Und in wenigen Stunden wird sie auch schon wieder am Horizont erscheinen. Es ist Mitte Juni, kurz vor der Sonnenwende. Island liegt knapp unterhalb des Polarkreises – und jetzt im Sommer bedeutet das fast endlose Tage.

Während es zu Hause in Deutschland schon längst dunkel ist, können wir hier auf Island noch die Schönheit der Reynisdrangar-Felsformationen bewundern, die dort unten am Horizont aus dem Meer herausragen. Das kleine Städtchen Vík ist der größte Ort in Islands Süden und bekannt für seinen pechschwaren Reynisfjara-Strand. Neben gefährlichen Wellen gibt es hier die markanten Basaltsäulen, die wie Orgelpfeifen aufgereiht am Ufer stehen. Und nicht nur hier sorgt die Mitternachtssonne für eine fast mystische Atmosphäre.

 

2. Auf ganz Island blühen die Lupinen

Im Sommer blühen im ganzen Land die Lupinen
Im Sommer blühen im ganzen Land die Lupinen

Dass es endlich Sommer wird, dafür steht in Island inzwischen auch die Lupine. Eigentlich kommt die Blume aus Alaska, hat sich über die Jahre aber fast über die gesamte Insel verbreitet. In den küstennahen Gebieten taucht die Lupine das karge Land in der warmen Jahreszeit in ein leuchtendes Blau und arbeitet dabei sogar noch: Die Pflanzen wurden im 20. Jahrhundert auf Island eingeführt, um die Bodenerosion in den Griff zu bekommen. Das hat inzwischen so gut funktioniert, dass sie sich in vielen Gebieten bis hinauf ins Hochland ausgebreitet hat.

Die Isländer machen sich mittlerweile Sorgen, dass die Alaska-Lupinen die heimischen Pflanzen verdrängen. Zum Anschauen sind die blauen, lilafarbenen oder violetten Blütenteppiche aber richtig hübsch und sorgen meist ab Ende Mai für Farbe im isländischen Frühsommer.

 

3. Die Ringstraße: Noch einfacher geht Roadtrip kaum

Während es im Winter bei Eis und Schnee teilweise schwierig ist, die Ringstraße zu befahren, bietet sie im Sommer perfekte Bedingungen für einen Roadtrip durchs Land. Und wie der Name schon sagt: Islands Ringstraße führt einmal um die gesamte Insel und macht das Verfahren quasi unmöglich. Die Fahrt entlang der Hauptstraße mit der Nummer 1 ist damit auch die beste Route für einen Tour durch Island, liegen die meisten Sehenswürdigkeiten doch auch entlang der Küsten.

Bis auf ein wenige Kilometer langes Teilstück ist die Straße komplett asphaltiert und im Gegensatz zu den Schotterpisten im Landesinneren problemlos mit einem normalen Mietwagen befahrbar. Wenn du der Ringstraße einmal rund um die Insel folgst, wirst du feststellen, wie schnell sich die Natur auf Island ändert. Du kommst an Vulkanen und Wasserfällen genauso vorbei wie an trostlosen Lavafeldern. Die Straße führt im Osten entlang der Fjorde und bietet im Süden Ausblicke auf die Gletscher. Gefühlt sieht die Landschaft hinter jeder Kurve wieder anders aus. Und nachdem du fast überall auf Schafe triffst, kann im Süden auch schon mal ein Rentier die Straße kreuzen. Also immer gut aufpassen!

 

4. Das Eis schmilzt selbst im Sommer nicht

Island, die Insel aus Feuer und Eis. Hier im äußersten Norden Europas stößt du auf aktive Vulkane und riesige Gletscher. Im Winter versinkt das Land unter einer dicken Eis- und Schneeschicht und auch im Sommer schmilzt das Eis nie ganz. Das isländische Wort Ísland bedeutet Eisland – und wenn du beim Flug Richtung Reykjavík über die riesigen Gletschergebiete fliegst, wunderst du dich nicht über diesen Namen.

Im Süden kommst du Islands eiskaltem Zentrum besonders nah. Hier krönt eine gigantische Eiskappe den Nationalpark Vatnajökull nördlich von Höfn. Und während du die Ringstraße entlang fährst, hast du rechts immer die Gletscherzungen im Blick. Der spektakuläre Höhepunkt ist dann Jökulsárlón, die Gletscherlagune im Süd-Osten Islands. Und dieser Ort ist zu Recht die berühmteste Sehenswürdigkeit des Landes. Hier treiben riesige Eisberge in allen denkbaren Varianten von Gletscherblau auf einem See und irgendwann über einen Fluss weiter Richtung Meer. Oder sie liegen vorne am Strand als riesige Eisdiamanten auf dem schwarzen Sand. Dieser Ort ist wirklich atemberaubend und schon ganz allein ausreichend Grund für eine Reise nach Island. 

 

5. Die Islandpferde sind auf der Weide

Die berühmten Islandpferde in freier Natur
Die berühmten Islandpferde in freier Natur

Für viele sind die Islandpferde ein Grund für eine Reise in den Norden. Im Sommer siehst du die Isländer auch oft draußen auf der Weide stehen, besonders rund um Hella, eines der Zentren für Reiterurlaube in Island. Die Pferde sind weltberühmt und damals mit den Kelten und Wikingern nach Island gekommen. Seit über 1.000 Jahren leben sie inzwischen auf der Insel und zählen zu den ältesten reinrassigen Pferdearten der Welt.

Einmal auf dem Rücken eines Islandponys über die Insel reiten – gerade für viele Mädchen ist das ein Traum. In Deutschland gibt es übrigens die meisten Islandpferde außerhalb der Insel, sie tun mir allerdings fast ein bisschen leid. Hat ein Isländer jemals die Insel verlassen, darf dieses Pferd nie wieder zurück. Noch ein Grund mehr, zum Reiten lieber nach Island zu reisen.

 

6. Die heißen Quellen wärmen auch an kalten Tagen

Der Vorteil einer Insel aus Feuer und Eis: Hier brodelt es an vielen Stellen unter der Erde – und zwar so sehr, dass selbst mancher Fluß warm genug ist zum Baden. Schon früh haben die Isländer diese heißen Quellen entdeckt und sich zu Nutze gemacht. Heute sind die Hot Pots aus Island nicht mehr wegzudenken – und auch ich war ganz schnell großer Fan. Egal wie schlecht das Wetter gerade ist – und selbst im Sommer ist es auf Island ziemlich oft grau und kalt – in den Badewannen der Nation kannst du es dir so richtig gut gehen lassen.

Die berühmteste der heißen Quellen ist natürlich die Blaue Lagune in der Nähe von Reykjavík. Etwas günstiger, weniger überlaufen, aber dafür genauso milchig-blau sind die Myvatn Nature Baths im Norden. Und ganz besonders schön sind die vielen kleinen Hot Pots irgendwo in den Bergen oder Mitten im nichts. Dort kannst du zwar nicht mit den Isländern über Gott und die Welt plaudern, dafür aber richtig schön entspannen.

 

7. Die Papageientaucher brüten gerade

Rund um Borgarfjörður leben die Papageientaucher
Rund um Borgarfjörður leben die Papageientaucher

Eines der putzigsten Tiere, das Island zu bieten hat, sind sicherlich die Papageientaucher. Die schwarz-weißen Vögel mit dem markanten roten Schnabel findest du im nördlichen Atlantik und im Polarmeer beispielsweise in Schottland und Norwegen oder auf den Färöer Inseln und eben auf Island. Außerhalb der Brutzeit von Ende August bis Anfang April leben die Papageientaucher ausschließlich auf dem Meer. Nur im Sommer kommen sie zum Brüten aufs Festland. Dann findest du sie in Erdhölen oder auf Klippen – und meist in ganzen Kolonien.

Auf Island gibt es einige Orte, an denen du den Papageientauchern besonders nah kommen kannst. In der Nähe von Húsavik liegt beispielsweise die kleine Insel Lundey, die auch „Papageientaucher-Insel“ genannt wird. Wahrscheinlich tausende von Vögeln verbringen hier ihren Sommer. Noch näher auf Tuchfühlung kannst du mit den putzigen Tieren in Borgarfjörður gehen. Auf einem Felsen im Hafen des kleinen Ortes nistet eine ganze Kolonie – und aus einem kleinen Beobachtungshaus kannst du die putzigen Tiere aus nächster Nähe beobachten. 

 

8. Die Wasserfälle sehen noch spektakulärer aus

Island ist ein Mekka für Fans von Wasserfällen. In noch keinem anderen Urlaub habe ich so viele spektakuläre Wasserfälle auf so kleinem Raum gesehen. Es gibt die bekannten Wasserfälle wie den Gulfoss, den Goðafoss oder den Skogafoss. Der Dettifoss ist gar der leistungsstärkste Wasserfall Europas und der Seljalandsfoss ist bekannt, weil du auf einem Weg hinter dem Wasserfall entlang gehen kannst.

Aber nicht nur diese Highlights aus den Reiseführern sind den Besuch wert. In Island begegnen dir wirklich fast im ganzen Land sehenswerte Wasserfälle, die oft nicht mal in der Karte eingezeichnet sind. Der Vorteil: Diese oft namenlosen Schönheiten hast du meist ganz für dich und kannst hier in Ruhe Islands rauschende Natur auf dich wirken lassen.

 

9. Auch die Wale sind im Sommer zurück

Im Hintergrund der Gletscher, vorne die Eislagune und eine Robbe
Rund um Húsavik liegt Islands Zentrum für Walbeobachtungen

Wenn du im Sommer in Island bist, hast du gute Chancen, Wale zu sehen. Die beste Zeit um auf Tuchfühlung mit den Ozeanriesen zu gehen ist von Juni bis August. Dann sind die Wale zum Fressen in den Gewässern rund um Island unterwegs – vor allem im Norden. Das kleine Örtchen Húsavik gilt als Islands Whale Watching Zentrum und ist zudem mit seinem alpenländisch anmutenden Kirchlein im Ortszentrum auch noch hübsch anzusehen.

Mit historischen Fischerbooten fährst du raus aufs Meer, normalerweise begleitet von Meeresbiologen, die genau wissen, wo die Tiere gerade zum Lunch unterwegs sind. Und tatsächlich: Kaum sind wir am gegenüberliegenden Ufer der Bucht angekommen sehen wir einen Buckelwal nach dem anderen, der zum Luftholen hoch an die Wasseroberfläche kommt. Erst ist eine kleine Wasserfontäne zu sehen, dann kurz der Wal – und zum Schluss noch die markante Schwanzflosse, bevor er zum Hauptgang wieder abtaucht. Ich war schon in Südafrika und Neuseeland auf Whale Watching Touren unterwegs – aber so viele Wale wie hier auf Island habe ich noch nirgends gesehen.

 

10. Du kannst Islands hübsche Orte entdecken

Island besticht vor allem durch seine spektakuläre und oft einzigartige Natur. Es gibt aber auch einige hübsche Orte, die du auf deiner Tour über die Insel nicht verpassen solltest. Siglufjörður beispielsweise ist die nördlichste Stadt Islands und war einst das Zentrum der Heringsindustrie. Damals war die Stadt sogar eine der größten des ganzen Landes. Inzwischen leben nur noch 1.300 Einwohner in der Fjordstadt im Norden. Mindestens genauso hübsch ist Seyðisfjörður ganz im Osten von Island. Hier kommst du übrigens an, wenn du mit der Fähre auf die Insel kommst. Die Stadt ist umrahmt von Wasserfällen und gilt als Künstlerkolonie. 

Mindestens einen Zwischenstopp einlegen musst du natürlich auch in Akureyri, Islands zweitgrößter Stadt. Knapp 20.000 Einwohner leben hier am Rande der Nordfjorde. Und auch ansonsten werden dir unterwegs immer wieder kleine Örtchen begegnen, die einen Zwischenstopp wert sind – zum Beispiel auch, um dir die letzten erhaltenen Grassodenhäuschen anzuschauen. Das Dörfchen Nupstadur im Süden ist mittlerweile verlassen, mit seiner Kirche und dem Ausblick aber unbedingt den kurzen Stopp wert. 

 

11. Mit etwas Glück kannst du echte Elfen treffen

Borgarfjörður ist nicht nur die Heimat der Papageientaucher, sondern auch der Elfenkönigin
Borgarfjörður ist nicht nur die Heimat der Papageientaucher, sondern auch der Elfenkönigin

Natürlich kannst du im Sommer auch Islands Elfen einen Besuch abstatten. Am Ortsrand von Borgarfjörður beispielsweise liegt „Alfaborg“, die Elfenburg. Immerhin jeder zehnte Isländer glaubt an Elfen und Trolle. Es gibt Elfenbeauftragte und auch Straßen werden auf der Insel schon mal anders geplant, wenn ansonsten eine Elfensiedlung zerstört würde. Was aus der Entfernung ziemlich seltsam klingt, ist nach einer Reise durch das Land gar nicht mehr ganz so abwegig.

Auf Island zeigt die Natur, zu was sie fähig ist. Hier brodeln Vulkane wie der weltberühmte Eyjafjallajökull, sprudelt heißes Wasser aus der Erde und schießen Fontänen in den Himmel. Hier tosen riesige Wasserfälle durch tiefe Schluchten und ragen spitze Felsnadeln aus dem Wasser auf. Wer kann es den Isländern verdenken, dass sie hinter alldem Elfen und Trolle vermuten? Also immer schön die Augen offenhalten bei der Reise durchs Land!

 

Praktische Tipps

Am schnellsten kommst du mit dem Flieger nach Island. Die Flugzeit ab Hamburg beträgt beispielsweise dreieinhalb Stunden und es gibt immer wieder günstige Angebote. Wenn du genug Zeit hast und das eigene Fahrzeug mitnehmen möchtest, kannst du auch die Fähre von Smyril Line nehmen. Dann kannst du auch gleich noch einen Zwischenstopp auf den ebenfalls spektakulären Färöer Inseln einlegen. Ansonsten ist ein Mietwagen die praktischste Variante, um das Land auf eigene Faust zu erkunden. Wir waren mit einem normalen Pkw unterwegs, die Kosten liegen im europäischen Durchschnitt. Teuer sind hingegen die Unterkünfte, die Preise für ein Doppelzimmer im Mittelklassehotel starten bei 200 Euro. Und auch Restaurantbesuche sind in Island deutlich teurer. Das solltest du bei der Reiseplanung im Kopf haben.

Noch mehr Inspirationen findest du in meinen Artikeln „Reykjavík: Unterwegs durch Islands Hauptstadt“ und „Heiße Quellen: Die besten Hot Pots in Island“. Warst du schon mal in Island? Wo hat es dir besonders gut gefallen? Ich freue mich wie immer über Kommentare. Und wenn dir der Artikel gefallen hat, teil ihn doch gerne mit deinen Freunden! Damit du keine neue Geschichte mehr verpasst, kannst du mir außerdem auf Facebook, Pinterest, Instagram, Bloglovin‘ und Tripadvisor folgen. Oder du abonnierst dir My Happy Places als Newsletter. 

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

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