Markusplatz, Dogenpalast und Rialtobrücke gehören natürlich zum Pflichtprogramm, richtig ursprünglich ist die Lagunenstadt aber nur abseits der Touristenpfade: Tipps für ein Wochenende in Venedig.

Es ist fast zehn und ich sitze mit einem Tee beim Früchstück und schaue hinunter auf den Canale Grande. Langsam wird es voll rund um die Rialtobrücke. Gerade legt das nächste Vaporetto an und bringt eine weitere Gruppe Touristen in die Stadt. Noch vor zwei Stunden war es hier fast menschenleer, nur wenige Venezianer waren unterwegs und der Kanal gehörte noch den Lieferbooten. Inzwischen macht sich Venedig bereit für einen neuen Tag als eine der meistbesuchten Städte der Welt.

Noch liegt der Morgennebel über dem Canale Grande
Noch liegt der Morgennebel über dem Canale Grande

Mein Tag ist schon vor einigen Stunden mit einem Spaziergang durch Venedigs historisches Zentrum in San Marco gestartet. Zum Sonnenaufgang hast du Markusplatz und Markusdom, den Campanile oder den Dogenpalast nämlich noch fast ganz für dich allein. Dann beginnen die Kellner im berühmten Caffè Florian an der Piazza San Marco gerade ihren Dienst. Und den Ausblick hinüber zur Insel San Giorgio Maggiore musst du dir höchstens mit ein paar Hochzeitspaaren teilen, die die Szenerie für romantische Fotos nutzen.

San Marco: Auf den Spuren der alten Venezianer

In diesen frühen Morgenstunden hat Venedig sich tatsächlich noch ein gutes Stück seiner Magie erhalten. Wenn die Sonne langsam über der Lagune aufgeht und irgendwann den Dogenpalast und den Campanile in sanftes Licht taucht, dann entfaltet das Unesco-Weltkulturerbe seine ganze Strahlkraft. Und in diesen Stunden kannst du noch ungestört durch die Gassen flanieren und das einmalige Flair auf dich wirken lassen.

Wenn du in diesen Morgenstunden auf dem fast menschenleeren Markusplatz stehst, ist es nur schwer vorstellbar, wie lang schon wenig später die Schlange vor dem Eingang zum Markusdom sein wird. Und deshalb solltest du auch gleich dableiben und dich anstellen. Direkt zur Öffnung bist du nämlich in wenigen Minuten in Venedigs Wahrzeichen und musst dich noch nicht mit Hunderten Touristen durch die Kirche schieben. Drinnen angekommen, verschlägt es wahrscheinlich auch dir die Sprache: Die Goldmosaiken, die die Kuppeln der Basilica di San Marco schmücken, zeigen bis heute den Reichtum des alten Venedigs.

Markttag: Einkaufen am Rialtomarkt

Auf dem Weg zurück zum Hotel legen wir anschließend noch einen Zwischenstopp am Rialtomarkt ein. Noch so ein Ort, der besonders am Morgen sein Flair entfaltet. Dann nämlich kaufen hier Venedigs Hausfrauen und die Küchenchefs der Restaurants für den Tag ein. Im Mercato di Rialto findest du den Fischmarkt, auf dem kleinen Platz davor hat der Obst- und Gemüsemarkt seinen Platz.

In den Bars rund um den Markt werden dir sicher auch die Cicchetti ins Auge fallen, Venedigs Variante der Tapas. Die kleinen Häppchen passen wunderbar als zweites Frühstück oder auch später als kleiner Snack für zwischendurch. Die Cantina do Mori zählt zu den bekanntesten der kleinen Gaststätten und liegt ums Eck vom Rialtomarkt. Bácari nennen die Venezianer diese urigen Orte, an denen man sich auf einen Wein oder ein Bier und den Plausch mit den Nachbarn trifft.

Acqua Alta: Hochwasser in der Lagune

Wir haben uns ein Herbstwochenende für unseren Venedig-Trip ausgesucht. An der Adria ist es immer noch wunderbar warm, die Stadt ist aber nicht mehr ganz so voll wie in den Sommermonaten. Im Herbst hast du allerdings oft schon die ersten Hochwasser – und so steht der Markusplatz auch bei unserem Besuch immer mal wieder unter Wasser. Die Venezianer haben sich darauf eingestellt und bauen Hochwasserwege auf. Das Acqua Alta zeigt aber auch jedes Mal wieder, wie zerbrechlich das Weltkulturerbe Venedig ist.

Aqua Alta auf dem Markusplatz
Aqua Alta auf dem Markusplatz

In Venedigs verrücktester und wohl auch bekanntester Buchhandlung hat man sich auf das Hochwasser eingestellt. Die Libreria Acqua Alta heißt nicht nur so, sondern wird auch tatsächlich regelmäßig vom Wasser überflutet. Und so steht der gemütliche Armlehnensessel, in dem du gerade noch mit einem Buch am Kanal gesessen hast, plötzlich im Wasser.

Einen Besuch wert ist die Libreria Acqua Alta nicht nur wegen der zahllosen Bücherstapel, die sich über die verschiedenen Räume verteilen. Wenn du die Augen offen hältst, wirst du sicher auch eine der Katzen entdecken, die hier ihr Zuhause haben. Manche sitzen draußen in der Sonne, andere liegen irgendwo zwischen all den Büchern und machen ein Nickerchen.

Canale Grande: Unterwegs auf Venedigs Kanälen

Die Einzigartigkeit Venedigs machen vor allem die zahlreichen Kanäle aus, die die mehr als 100 Inseln im Centro Storico umschließen. Hinzu kommen über 400 große und kleine Brücken, wovon die Rialtobrücke und die Seufzerbrücke sicher die bekanntesten sind. Und mittlerweile herrscht auf diesen Kanälen Hochbetrieb – besonders auf dem Canale Grande, der „Hauptstraße“ der Stadt.

Amerikanische Kreuzfahrttouristen lassen sich mit der Gondel unter der Rialtobrücke entlang fahren, während schicke Wassertaxis die venezianischen Geschäftsleute zum nächsten Termin bringen. Und mittendrin fahren mit den Vaporettos auch noch Venedigs Wasserbusse. Was anderswo auf der Straße transportiert wird, kommt in Venedig mit dem Boot.

Natürlich lernst du die Stadt vom Wasser aus auch nochmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Mindestens die Fahrt mit dem Vaporetto entlang des Canale Grande solltest du deshalb unbedingt einplanen. Aber auch bei einer Gondelfahrt erlebst du inzwischen dank offizieller Festpreise am Ende keine böse Überraschung mehr.

Einen der schönsten Ausblicke auf den Canale Grande hast du übrigens von der Fondaco dei Tedeschi. In der alten Niederlassung der deutschen Händler in Venedig befindet sich heute ein Luxuskaufhaus mit Dachterrasse. Und von dort oben kannst du den Blick über die Dächer der Stadt schweifen lassen und das geschäftige Treiben beobachten. Nach 15 Minuten ist allerdings Schluss, zu groß ist der Andrang. Und deshalb solltest du dir deinen Slot auch am besten schon im Vorfeld online reservieren – erst recht, wenn du von hier oben den Sonnenuntergang über der Lagunenstadt genießen möchtest.

Von der Dachterrasse der Fondaco dei Tedeschi kannst du den Blick auf den Canale Grande und die Stadt genießen
Von der Dachterrasse der Fondaco dei Tedeschi kannst du den Blick auf den Canale Grande und die Stadt genießen

Das unbekannte Venedig: Abseits der Touristenpfade

Am schönsten ist es in Venedig aber immer wieder abseits der bekannten Touristenpfade. Wenn du Markusdom und Dogenpalast, die Rialtobrücke und den Canale Grande gesehen hast, dann lässt du dich am besten einfach treiben. Venedig ist in sechs Stadtteile eingeteilt, die hier Sestieri (Sechstel) heißen – und je weiter du von San Marco entfernt bist, desto ruhiger und ursprünglicher wird es.

Die Richtung weisen dir an fast jeder Häuserecke die Schilder nach San Marco, Rialto & Co. – und auf dem Weg dahin bummelst du einfach ohne Plan durch Gassen und Gänge entlang kleiner Kanäle und über die zahlreichen Brücken. Dabei wirst du fast immer neue Überraschungen erleben, den hübschen kleinen Platz entdecken, auf dem sich die Nachbarn zum Plausch treffen oder das nette Restaurant, in dem du dich für einen Lunch in die Sonne setzt.

Dorsoduro ist eines dieser Viertel zum Bummeln. Mit dem Campo Santa Margherita findest du hier einen von Venedigs beliebtesten Plätzen mit vielen Bars und Cafés. Nur ein paar Schritte weiter liegt an der Ponte dei Pugni Venedigs Gemüseboot vor Anker. Und natürlich hat auch Dorsoduro einige Highlights zu bieten: Unweit der Accademia-Brücke steht mit dem Peggy Guggenheim Museum eines der spannendsten Kunstmuseen der Stadt. Und nur ein Stück weiter erwartet dich mit der Basilica di Santa Maria della Salute eine von Venedigs hübschesten Kirchen.

Von Dorsoduro bis Cannaregio: Venedigs unbekannte Ecken

Auch durch Cannaregio lässt es sich wunderbar bummeln, zum Beispiel entlang der Einkaufsstraße Strada Nova. Rund um den Campo Ghetto Nuovo liegt hier außerdem Venedigs jüdisches Viertel. Die kleine Insel war seit dem 16. Jahrhundert Zufluchtsort für Juden und wurde später zur Namensgeberin der weiteren Ghettos. Noch heute kannst du rund um den Platz das jüdische Leben der Lagunenstadt beobachten und bekommst im Jüdischen Museum außerdem Einblicke in die Geschichte des Judentums in Venedig.

Ein weiterer Ort, den nur die wenigsten Touristen entdecken, ist die Scala Contarini del Bovolo in der Nähe des Campo Manin. Die Wendeltreppe des kleinen Palazzo ist ein echter Hingucker, der Ausblick aus dem Kuppelraum ganz oben über die Dächer der Stadt aber mindestens genauso schön. Und egal wohin du dich treiben lässt – irgendwann führen in Venedig fast alle Wege wieder zurück Richtung San Marco und zum Canale Grande. Wenn sich langsam die Abenddämmerung über die Stadt legt, kehrt wieder Ruhe ein – und du kannst bei einer romantischen Fahrt über den Canale Grande einen Blick in die hell erleuchteten Prunkräume der alten Palazzi werfen.

Venedigs Inseln: Ausflug nach Murano und Burano

Am Sonntag steht ein Ausflug auf Venedigs vorgelagerte Inseln auf dem Programm. Wie schon die einzelnen Stadtteile haben auch die Inseln alle ihr ganz eigenes Gesicht. Der Lido beispielsweise steht jedes Jahr zu den Internationalen Filmfestspielen im Mittelpunkt und bietet ansonsten mit seinen langen Sandstränden ganz viel Beachfeeling.

Für uns geht es aber zuerst nach Murano. Von der Vaporetto-Station Fondamente Nove aus bist du in gerade mal zehn Minuten auf der Glasbläserinsel und gefühlt mittendrin in Klein-Venedig. Murano verteilt sich nämlich genau wie die große Schwester über sieben verschiedene Inseln und wird von kleinen Kanälen durchzogen.

Weltberühmt ist Murano aber für sein Glas. Ob die Glasblumen im Blumentopf vor dem Fenster oder der Weihnachtsbaum aus bunten Glasrohren, das Muranoglas ist fast überall sichtbar. In vielen der Traditionsbetriebe kannst du den Glasbläsern sogar zuschauen, zur Glasbläserwerkstatt Guarnieri beispielsweise sind es vom Anleger Murano Colonna nur ein paar Schritte. Noch mehr über die Kunst erfährst du außerdem im Glasmuseum.

Burano lockt mit seinen bunten Häusern zahlreiche Besucher
Burano lockt mit seinen bunten Häusern zahlreiche Besucher

Knallbunt wird es dann zum Abschluss auf der Insel Burano – nochmal eine gute halbe Stunde Fahrt von Murano entfernt. Die Fischerinsel ist nicht nur wegen der hier hergestellten Spitzenstickerei, sondern vor allem auch für seine bunten Häuser entlang der Kanäle bekannt. Ähnlich wie auf Procida im Golf von Neapel sollen auch hier die Fischer ihre Häuser bunt angestrichen haben, damit sie selbst bei Nebel wieder heim finden. Egal warum, ein Spaziergang entlang der Kanäle macht in Burano besonders gute Laune – und ist ein perfekter Abschluss für unser Wochenende in Venedig.

 

Praktische Tipps

Venedig gehört zu den meistbesuchten Städten der Welt und entsprechend voll ist es in den Sommermonaten. Ein Besuch bietet sich deshalb vor allem im Frühling und Herbst an. Von den meisten deutschen Flughäfen gibt es regelmäßige Direktverbindungen. Von München aus bist du mit dem Auto in gut fünf Stunden an der Adria, mit dem Zug dauert es etwas länger. Falls du genug Zeit im Gepäck hast, kannst du einen Zwischenstopp in Südtirol oder am Gardasee einlegen. Dein Auto musst du in einem der Parkhäuser (z.B. Tronchetto oder Piazzale Roma) parken und fährst dann mit dem Vaporetto in die Stadt. Die Einzelfahrten sind sehr teuer, am besten kaufst du dir eine Tages- oder sogar Mehrtageskarte. Pack dir außerdem bequeme Schuhe ein, denn du wirst du vor allem zu Fuß unterwegs sein. Und auch wenn die Zimmerpreise in Venedig nicht günstig sind: Du solltest unbedingt in der Stadt übernachten!

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Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

2 Kommentare

  1. Hallo Britta,
    ganz toller Bericht mit klasse Bildern, die einem richtig Lust machen nach Venedig zu reisen. Ich hoffe das Hochwasser schadet der alten Stadt nicht all zu sehr, so dass wir alle sie bald wieder besuchen können, dann ohne Gummistiefel…

    • Hey Ben,
      ich freue mich, wenn dich der Artikel und die Bilder inspiriert haben.
      Ich hoffe auch sehr, dass uns Venedig noch sehr lange erhalten bleibt – trotz der aktuellen Hochwasser…
      Viele Grüße
      Britta

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