Paris ist eine meiner absoluten Lieblingsstädte und immer wieder aufs Neue inspirierend. Ich nehme dich mit auf einen Wochenendspaziergang – von Montmatre über Notre Dame entlang der Seine zum Eiffelturm und bis ins Marais.

Es ist Frühling in Paris. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint – und trotzdem ist es noch nicht zu warm für eine Entdeckungstour durch die Stadt. Auch jetzt sind sonntags die Straßen entlang der Seine gesperrt, bis zum Hochsommer, wenn der Stadtstrand Paris Plage für etwas Abkühlung sorgt, ist es aber noch ein paar Wochen hin.

Meine Reisebegleitung war erst ein Mal in Paris und das ist schon lange her. Die nächsten Tage werde ich ihm also mein Paris zeigen – auch wenn dafür selbst ein langes Wochenende eigentlich viel zu kurz ist. Also keine Zeit verlieren! Und was liegt für einen ersten Überblick näher, als unseren Stadtspaziergang in Montmatre zu beginnen? Sacre Coeur thront hier oben auf dem Hügel und überragt die Stadt. Wir sitzen auf den Stufen vor der weltberühmten Basilika – und Paris, die Stadt der Liebe, liegt uns zu Füßen. Auch bei mir ist es schon ein Vierteljahrhundert her, dass ich hier zum ersten Mal gesessen habe…

Montmatre ist das Künstlerviertel von Paris. Fast jeder kennt es, spätestens seit Jean-Pierre Jeunets Klassiker „Die wunderbare Welt der Amélie“. Seither ist der pittoreske Stadtteil noch voller geworden. Immer noch wollen Besucher das Café sehen, in dem Amélie als Bedienung gearbeitet hat, oder den Gemüsestand von Monsieur Collignon. Auch den gibt es tatsächlich, im wahren Leben heißt er allerdings „Au marché de la Butte“ und versorgt die Nachbarn mit frischem Obst und Gemüse.

Ein Spaziergang durch Montmatre

Wenn du etwas vom ursprünglichen Charme des Viertels erleben möchtest, solltest du genau wie wir schon früh da sein. Dann macht sich Montmatre frisch für den neuen Tag, stellen die Maler am Place du Tertre ihre Staffeleien auf und richten die Kellner die Terrassen der Cafés und Restaurants her.

Die alten Zeiten, als die internationale Künstler-Bohème hier noch zu Hause war, sind vorbei. Sie begegnen dir nur noch auf Plakaten und Postkarten. An einigen Orten kannst du sie aber weiter erahnen. Im Restaurant Le Consulat beispielsweise sollen schon Picasso, Van Gogh, Toulouse-Lautrec und Monet auf der Terrasse gesessen und über das Leben philosophiert haben.

Aber auch heute sind die Künstler noch in Montmatre zu Hause. Du findest sie in der touristischen Version rund um den Place du Tertre, wo du dich porträtieren lassen oder ein gemaltes Andenken an Paris mit nach Hause nehmen kannst. Und sie begegnen dir in Form der bunten Streetart an den Hauswänden und Mauern. Ein Muss für Verliebte ist die „Mur des je t’aime“. An der „Ich-liebe-Dich-Mauer“ findest du die berühmten Worte in 250 verschiedenen Sprachen.

Wir lassen uns durch die Straßen treiben, stöbern hier und da in den kleinen Boutiquen und lassen die Atmosphäre auf uns wirken. Mittlerweile ist es fast Mittag und wir werden bei dem kleinen Italiener Roberta direkt um die Ecke von der Metro-Station Abesses schwach. Der Laden ist eine Mischung aus Restaurant und Spezialitätengeschäft. In der Manufaktur im hinteren Teil kannst du zuschauen, wie deine Pasta frisch hergestellt wird. Hier fühlt sich Paris plötzlich an wie Italien.

Shopping entlang der Grands Boulevards

Im Anschluss nehmen wir von Abbesses für ein paar Stationen die Métro Richtung Bahnhof Saint-Lazare. Die Pariser Untergrundbahn ist ja selbst eine Sehenswürdigkeit. Zur Weltausstellung 1900 eröffnet, ist sie eine der ältesten in Europa – und unter anderem mit ihren vielen Jugendstilelementen definitiv auch eine der hübschesten. Diesen Charme kannst du noch heute an vielen Stationen bewundern: die filigran gestalteten Stationsschilder und Eingänge und die weiß gekachelten Wände der unterirdischen Gänge. Nur selten wird die Publicité so hübsch eingerahmt.

Wieder oben angekommen, stehen wir in einem ganz anderen Paris. Das hier hat nichts mehr mit dem fast dörflichen Montmatre zu tun. Hier sind wir mittendrin im Paris von Baron Haussmann. Der Präfekt gab der französischen Hauptstadt ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein komplett neues Gesicht. Und hier rund um die Grands Boulevards lässt sich die Umgestaltung am besten nachvollziehen. Dort wo einst kleine Häuser standen, sind große Prachtstraßen entstanden – mit den entsprechenden repräsentativen Gebäuden.

Hier findest du nicht nur die berühmte Opéra Garnier, sondern auch die schicksten Kaufhäuser von Paris. Die Galéries Lafayette und Printemps am Boulevard Haussmann erinnern an die Hochzeiten der Kaufhauskultur. Hier stehst du vor mit Gold verzierten Fassaden – und allein die gläserne Kuppel in den Galéries Lafayette ist den Abstecher wert. Direkt ums Eck liegen mit dem Place Vendôme und der Rue Saint-Honoré die teuersten Einkaufsstraßen der Stadt. Ich werde spätestens bei La Durée schwach. Die Macarons sind einfach unwiderstehlich und in der Version mit Pariser Wahrzeichen auch ein hübsches Mitbringsel.

Pariser Nachtleben: die Moulin Rouge

Wir lassen den Abend in Montmatre ausklingen. Natürlich nicht, ohne zumindest einmal durch die Straßen rund um Pigalle flaniert zu sein. Das Pariser Rotlichtviertel ist weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt – und ein Grund dafür ist das wahrscheinlich berühmteste Varieté der Welt: das Moulin Rouge.

Der wohl berühmteste Nachtclub von Paris: die Moulin Rouge
Der wohl berühmteste Nachtclub von Paris: die Moulin Rouge

Die rote Mühle erinnert an die vielen Windmühlen, die früher hier oben auf dem Montmatre standen und inspiriert seit ihrer Eröffnung Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur Künstler weltweit. Der Maler Toulouse-Lautrec wurde mit seinen Werbeplakaten für das Etablissement weltberühmt, das Moulin Rouge selbst Anfang der 2000er durch den gleichnamigen Film bei einem internationalen Kinopublikum.

Rund um Notre Dame: Im Herzen von Paris

Den Samstag starten wir auf der Île de la Cité und der Île Saint-Louis im ältesten Teil von Paris. Hier auf den beiden Binneninseln der Seine lag die Keimzelle der französischen Hauptstadt. Heute steht dort eines ihrer Wahrzeichen: die Kathedrale Notre Dame. Es lohnt sich nicht nur ein Blick ins Innere, du kannst auch auf den Kirchturm steigen – und vielleicht begegnet dir dort ja der Glöckner.

Und auch der wohl berühmteste Pariser Buchladen ist nicht weit: Shakespeare & Company. Im Original der englischsprachigen Buchhandlung trafen sich Anfang des vergangenen Jahrhunderts Literaten wie Ernest Hemingway und James Joyce. Der verwunschene Nachfolgeladen zieht nicht nur Touristen aus aller Welt an, sondern dient auch immer wieder als Filmkulisse.

Wenn du über die Pont d’Arcole Richtung Pariser Rathaus läufst, kannst in der Rue Beaubourg schon die Rückseite vom Centre Pompidou erahnen. Das Ende der 70er Jahre eröffnete Kunst- und Kulturzentrum ist wegen seiner einzigartigen Architektur berühmt. Das Tragwerk und die Rohre für die Gebäudetechnik wurden sichtbar an den Außenseiten angeordnet. Im Inneren findest du unter anderem das Museum der Modernen Kunst. Einer meiner Lieblingsplätze ist allerdings der Strawinski-Brunnen mit Kunst von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle.

Vom Louvre zum Eiffelturm: ein Spaziergang entlang der Seine

Vom Centre Pompidou aus lassen wir uns durch die kleinen Straßen an dem neu gestalteten Einkaufszentrum Les Halles vorbei Richtung Louvre treiben. Und prompt sind wir mittendrin im royalen Paris. Das weltberühmte Museum mit der Mona Lisa befindet sich in der ehemaligen Residenz der französischen Könige. Sehenswert ist der Louvre deshalb schon von außen. Die Glaspyramide dient als Haupteingang und setzt einen modernen Kontrast.

Im Louvre kannst du ganze Tage mit der Kunst verbringen. Wir nutzen das schöne Wetter allerdings und flanieren durch den Jardin des Tuileries – einer meiner Lieblingsorte hier mitten in der Stadt – weiter Richtung Place de la Concorde. Mit dem Obelisken in der Mitte und den imposanten Springbrunnen ist es einer der bekanntesten Plätze von Paris. Vom Riesenrad hast du zudem einen tollen Ausblick über die historische Achse entlang der Champs-Elysées und über den Triumphbogen bis zum modernen Geschäftsviertel La Defense.

Wir spazieren den Prachtboulevard bis zum Arc de Triomphe entlang und nehmen dann die Métro Richtung Trocadero. Von hier oben hast du den schönsten Blick auf den Eiffelturm und die Champs de Mars. Das Wahrzeichen von Paris musst du übrigens unbedingt auch nachts nochmal auf die Todoliste setzen: Dann bringen einmal pro Stunde mehr als 10.000 Lichter den Eiffelturm zum Funkeln. Mehr Romantik geht fast nicht.

Kunst im Musee d’Orsay und Romantik am Canal Saint Martin

Am späteren Nachmittag zieht es etwas zu. Das graue Wetter ist aber geradezu perfekt für einen Besuch in einem meiner Lieblingsmuseen, dem Musée d’Orsay. Der ehemalige Bahnhof beherbergt seit Mitte der 80er Jahre zahlreiche Impressionisten und weitere Kunstwerke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Van Gogh, Monet oder auch Toulouse-Lautrec, sie alle haben hier ein neues Zuhause gefunden.

Und auch beim Musée d’Orsay ist allein schon das Gebäude sehenswert. Die ehemalige Bahnhofshalle mit der vergoldeten alten Bahnhofsuhr ist imposant. Lohnenswert ist außerdem ein Blick hinüber nach Montmatre – entweder durch das Ziffernblatt der Fassadenuhr oder von der Dachterrasse des Cafés oben im fünften Stock. Neben der Kunst ist schon dieser Ausblick über die Seine den Besuch wert.

Ausklingen lassen wir den Tag heute am Canal Saint Martin. Auch der Kanal im Nordosten der Stadt ist durch Amélie Poulain berühmt geworden und besonders am Abend angesagt. Dann mischen sich hier die Touristen mit Parisern, die an lauen Abenden zum Picknick mit Freunden direkt am Ufer sitzen oder in einem der vielen Restaurants und Bars entlang der Boulevards.

Am Canal Saint Martin ist die Stimmung abends besonders romantisch
Am Canal Saint Martin ist die Stimmung abends besonders romantisch

Kunst und jüdische Kultur im Marais

Den Sonntag starten wir mit einem Bummel durchs Marais. Zwischen Bastille, Hôtel de Ville und Seine trifft hier jüdische Kultur auf kleine Boutiquen, Galerien, Cafés und Restaurants. Das Marais hat sich viel von seinem ursprünglichen Charakter beibehalten – und ich streife immer wieder gerne durch die kleinen Gassen.

Zentrum ist der Places des Voges, einer der hübschesten Plätze in ganz Paris. Er war der erste von fünf königlichen Plätzen – und damals wie heute lebten in den markanten Stadtpalais berühmte Pariser. In Haus Nummer 6 erinnert beispielsweise ein Museum an den Schriftsteller Victor Hugo. Und auch bis zum Musée Picasso ist es nicht weit.

Das jüdische Leben findet rund um die Rue des Rosiers statt, in der Rue Pavée steht die Synagoge. Gläubige Juden gehören hier zum Alltag und prägen auch die Geschäfte in den kleinen Straßen. Hier kannst du beim koscheren Bäcker einkaufen oder beim L’as du Fallafel das wohl beste Fallafel der Stadt essen. Die Schlange spricht Bände. Nur samstags solltest du es nicht probieren: Dann ist Sabbat und Ruhetag.

 

Wir bummeln weiter durch die Straßen und lassen die Stimmung des Viertels auf uns wirken. Neben trendigen Boutiquen findest du hier im Marais auch immer wieder alte Traditionsgeschäfte wie beispielsweise den Teeladen von Mariages Frères. Statt Fallafel gibt’s bei uns Galettes und Crêpes im Breizh Café – und die zählen offensichtlich auch zu den besten der Stadt.

Alte Pracht: Ein Sonntagnachmittag in Versailles

Zum Abschluss des langen Wochenendes an der Seine steht am Sonntagnachmittag noch ein Ausflug Richtung Versailles auf dem Programm. Freunde wohnen hier um die Ecke – und zumindest für einen kleinen Spaziergang durch den Park und die Gartenalangen reicht die Zeit.

Das Schloss ist eine der größten Palastanlagen Europas und auch der Park ist riesig. Dort allein verstecken sich noch drei weitere kleine Lustschlösser. Hier lässt sich problemlos ein halber Tag verbringen, um die ganze Pracht und Größe dieses geschichtsträchtigen Ortes zu erfassen. Und eines steht mittlerweile fest: Selbst ein langes Wochenende ist viel zu kurz für eine Stadt wie Paris. Ein Grund mehr, sehr bald schon wieder zu kommen…

Praktische Tipps

Aus allen großen deutschen Städten gibt es tägliche Flugverbindungen nach Paris. Aus dem Ruhrgebiet, Frankfurt oder Stuttgart ist die Bahn eine Alternative: Mit dem TGV bist du in wenigen Stunden an der Seine. Das Zentrum von Paris ist zwar nicht besonders groß, trotzdem wirst du sicher irgendwann vom vielen Laufen kaputt sein. Alternativen sind RER und Métro (Tages- bzw. Mehrtagesticket oder 10er Karten bei mehreren Fahrten) und das Pariser Stadtradsystem Vélib, das du in der gesamten Innenstadt findest. Zum Übernachten kann ich das citizenM Hotel Gare de Lyon empfehlen. Weitere Informationen zu Paris findest du außerdem auf der Seite der Tourismusorganisation unter parisinfo.com.

Autor

Willkommen bei My happy Places! Ich bin Britta, Journalistin, lebe in Hamburg und liebe es, zu reisen. Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten rund um die Welt. Viel Spaß!

Kommentar schreiben

*